{"id":4532,"date":"2013-01-28T17:59:56","date_gmt":"2013-01-28T16:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4532"},"modified":"2013-01-30T19:38:25","modified_gmt":"2013-01-30T18:38:25","slug":"don-giovanni-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4532","title":{"rendered":"DON GIOVANNI \u2013 N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Drama giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 29. Oktober 1787 Prag, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Georg Schmiedleitner, B\u00fchne: Florian Parbs, Kost\u00fcme: Nicole von Greavenitz<\/p>\n<p>Dirigent: Marcus Bosch, Staatsphilharmonie und Chor N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Randall Jakobsh (Don Giovanni), Nicolai Karnolsky (Komtur), Michaela Maria Mayer (Donna Anna), Tilman Lichdi (Don Ottavio), Hrachuhi Bass\u00e9nz (Donna Elvira), S\u00e9bastien Parotte (Leporello), Javid Sadamov (Massetto), Christiane Marie Riedl (Zerlina)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. Januar 2013<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/N\u00fcrnberg-Don-Giovanni1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4533\" title=\"N\u00fcrnberg-Don-Giovanni1\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/N\u00fcrnberg-Don-Giovanni1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/N\u00fcrnberg-Don-Giovanni1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/N\u00fcrnberg-Don-Giovanni1-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Donna Anna, die Tochter des Komturs, die Don Giovanni zu verf\u00fchren versucht, ruft durch ihre Hilfeschreie den Vater herbei, den der Frauenheld im Zweikampf t\u00f6tet. Don Giovannis Ehefrau Donna Elvira, die er nach der Hochzeitsnacht verlassen hatte, ist ihm, zwischen Liebe und Ha\u00df schwankend, auf den Fersen. Begleitet wird Don Giovanni von seinem Diener Leporello. Auch das Bauernm\u00e4dchen Zerline, obwohl gerade erst mit Masetto verheiratet, erliegt (fast) dem Werben des Verf\u00fchrers. Als er das steinerne Grabdenkmal des von ihm ermordeten Komturs vom Friedhof zum Gastmahl einl\u00e4dt und den Ruf zur Bu\u00dfe und Reue zur\u00fcckweist, ist sein Untergang besiegelt: Flammen der H\u00f6lle verschlingen ihn.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die schwarz ausgeleuchtete Szene besteht aus drei ebenfalls schwarzen Spiegelw\u00e4nden, in denen sich Zuschauerhaus und der im Orchestergraben gestikulierende Dirigent spiegeln. Sie rahmen den ansonsten leeren B\u00fchnenraum quadratisch ein. Zur H\u00f6llenfahrt entschwinden die W\u00e4nde im Schn\u00fcrboden. Die Herren sind in schwarz-grau-braune Stra\u00dfenanz\u00fcge mit aus dem Hosenbund h\u00e4ngenden Oberhemden gekleidet, die Damenwelt kommt in bunten H\u00e4ngerchen und High-Heels daher.<\/p>\n<p>In den sich spiegelnde Scheinwerfer phasenweise die Sicht des Publikums unangenehm blenden, sorgt eine abwechslungsreiche, wenn auch recht sinnlose Personenregie f\u00fcr Kurzweil. Alle Protagonisten sind bekifft oder alkoholabh\u00e4ngig, die M\u00e4nner greifen an ihr Gemecht, Slapstick, Gags, es ist alles dabei. Zu Don Giovannis Fest im Schlo\u00df kommt der Pizzaservice, der Gastgeber und sein Diener spielen dazu live auf: der Don auf der Violine bzw. Leporello am Kontraba\u00df.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Staatsphilharmonie unter von GMD <strong>Markus Bosch<\/strong> spielt auf historischen Instrumenten, was f\u00fcr das heutige Ohr zun\u00e4chst gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig klingt: etwas grell und blechern t\u00f6nt es da zuweilen aus dem Graben. Merkw\u00fcrdig auch, da\u00df man f\u00fcr die Rezitative ein Hammerklavier (Einf\u00fchlsam: <strong>Matteo Pirola<\/strong>) einsetzt. Das traditionelle Cembalo w\u00e4re gerade hier die bessere Wahl gewesen. Ansonsten gelingt dieser N\u00fcrnberger <em>Don Giovanni<\/em> \u00a0musikalisch sehr ausgewogen und stimmig, besonders in den d\u00e4monisch-d\u00fcsteren Passagen der Musik. Schade nur, da\u00df die Kommunikation zwischen B\u00fchne und Pult nicht immer hundertprozentig funktioniert.<\/p>\n<p>Der darstellerisch \u00fcberzeugende <strong>Randall Jakobsh<\/strong> stattet die Titelpartie mit einem etwas rauhen, manchmal hohl klingenden Ba\u00dfbariton aus, der zu dieser Rollencharakterisierung zwar sehr gut pa\u00dft, aber der von Mozarts Musik geforderten geschmeidigen Eleganz entbehrt. Der attraktive <strong>S\u00e9bastien Parotte <\/strong>\u2013 rein optisch w\u00e4re er eine Idealbesetzung des Don Giovanni \u2013 entfaltet als spielfreudiger Leporello mit seiner runden, weichen, auch im Parlando souver\u00e4nen Stimme genau jenen Wohlklang, wenn auch die Durchschlagskraft seines Basses Grenzen sp\u00fcren l\u00e4\u00dft. Die Aufmerksamkeit f\u00fcr seine ber\u00fchmte Registerarie wird leider durch einen Regieeinfall abgelenkt: der Regisseur l\u00e4\u00dft n\u00e4mlich w\u00e4hrenddessen den S\u00e4nger der Titelpartie im Zuschauerraum Handk\u00fc\u00dfchen verteilen.<\/p>\n<p><strong>Michaela Maria Mayer<\/strong> gibt bei ihrem Rollendebut eine sch\u00f6n singende Donna Anna mit schlankem, sauber gef\u00fchrtem, manchmal etwas eindimensionalen Sopran. Ein Mozarttenor vom allerfeinsten ist <strong>Tilman Lichdi<\/strong> als Don Ottavio. Der S\u00e4nger verbindet hohe Phrasierungskunst mit stimmtechnischer Perfektion und gestalterischem K\u00f6nnen. <strong>Hrachuhi Bass\u00e9nz<\/strong> besticht mit facettenreicher Stimme, feiner Kantilene und gel\u00e4ufiger Koloratur als erstklassige Donna Elvira. Diese Solistin ist wirklich in jeder Rolle eine Augen- und Ohrenweide. Die Partie der Zerlina ist <strong>Christiane Marie Riedl,<\/strong> einem Mitglied des internationalen Opernstudios, anvertraut worden. H\u00fcbsch anzusehen widmet sich die junge Anf\u00e4ngerin ihrer anspruchsvollen Aufgabe ebenso beherzt wie ambitioniert, ohne freilich an das Niveau ihrer Kollegen heran zu reichen. Ebenfalls aus den Reihen des Nachwuchses rekrutiert sich <strong>Javid Samadov<\/strong>, der einen ordentlichen Masetto singt und sich gut ins Ensemble einf\u00fcgt. <strong>Nicolai Karnolsky<\/strong> leiht dem Komtur profunde Ba\u00dft\u00f6ne. Sauber intoniert der Staatsopernchor seine gut einstudierten Partien.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Auch mit Eingriffen in das Werk ist man nicht zimperlich und l\u00e4\u00dft schon mal Don Giovanni eine Sequenz aus der Register-Arie singen.<strong> <\/strong>Inwieweit die Charakterisierungen der Figuren noch zu Da Pontes Text und vor allem zu Mozarts Musik passen, scheint niemanden sonderlich zu k\u00fcmmern. Daher verhaltener Applaus f\u00fcr die Regie, frenetischer Beifall f\u00fcr S\u00e4nger und Dirigent.<\/p>\n<p>Verena Hamann<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: von links: Randall Jakobsh (Don Giovanni), S\u00e9bastien Parotte (Leporello), Javid Samadov (Masetto), Christiane Marie Riedl (Zerlina), Michaela Maria Mayer (Donna Anna) und Tilman Lichdi (Don Ottavio)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Drama giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 29. 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