{"id":4492,"date":"2013-01-10T17:36:55","date_gmt":"2013-01-10T16:36:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4492"},"modified":"2013-01-30T19:49:43","modified_gmt":"2013-01-30T18:49:43","slug":"tiroler-winter-festspiele-2013-erl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4492","title":{"rendered":"TIROLER WINTER-FESTSPIELE 2013, Erl"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Erl-_Figaro_1615-Kopie.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4493\" title=\"Erl-_Figaro_1615-Kopie\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Erl-_Figaro_1615-Kopie.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"236\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Erl-_Figaro_1615-Kopie.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Erl-_Figaro_1615-Kopie-300x202.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Nabucco<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in vier Akten, Libretto: Temistocle Solera, UA: 1842 \u00a0Mailand<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Gazheli (Nabucco), Alessandro Liberatore (Ismaele), Andrea Silvestrelli (Zaccaria), Anna Princeva (Abigaille), Michela Bregantin (Fenena), Giulio Boschetti (Il gran sacerdote) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. Januar 2013<\/p>\n<p><strong><em>Le Nozze di Figaro<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791), Opera buffa in vier Akten von Lorenzo da Ponte, UA: 1786 Wien<\/p>\n<p>Solisten: Giulio Boschetti (Figaro), Sophie Gordeladze (Susanna), Michael Kupfer (Graf Almaviva), Sabina von Walther (Gr\u00e4fin Almaviva), Emily Righter (Cherubino), Maria Ladurner (Barbarina), Johannes Schmidt (Bartolo), Rita Lucia Schneider (Marcellina), Ferdinand von Bothmer (Basilio) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Januar 2013<\/p>\n<p><strong><em>Missa Solemnis<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827)<\/p>\n<p>Solisten: Monika Riedler (Sopran), Anna Lucia Nardi (Alt), George Humphrey (Tenor), Liang Li (Ba\u00df)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. Januar 2013<\/p>\n<p>Musikalische Leitung und Regie: Gustav Kuhn und Andreas Leisner, Orchester und Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl, Choreinstudierung: Marco Medved<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Tiroler Festspiele Erl wurden 1997 von Gustav Kuhn gegr\u00fcndet, er pr\u00e4gt die Festspiele ma\u00dfgeblich als Dirigent und Regisseur. Seit diesem Winter werden erstmals zwischen Weihnachten und Drei-K\u00f6nige Winterfestspiele durchgef\u00fchrt. Zu diesem Zweck wurde ein beheizbares Festspielhaus errichtet. Im Sommer dient es als zweite Spielst\u00e4dte, neben dem Passionsspielhaus. Das Festspielhaus verf\u00fcgt \u00fcber einen der gr\u00f6\u00dften Orchestergr\u00e4ben. Der steil ansteigende Zuschauerraum fa\u00dft 732 Zuh\u00f6rer, die Akustik tendiert zur \u201e\u00dcber-Akustik\u201c \u2013 es ist zwar manchmal etwas zu laut, hingegen gelingt es jede Gesangsphrase zu h\u00f6ren und fast jedes Wort ist zu verstehen. F\u00fcr Konzerte wird der Orchestergraben nach oben gefahren, hier ist die Akustik ideal auf das Orchester abgestimmt. B\u00fchnentechnik, wie Hubpodien oder Versenkungen, gibt es nicht, der Personalstamm f\u00fcr Technik und Beleuchtung l\u00e4\u00dft sich an zwei H\u00e4nden abz\u00e4hlen: Die Personalkosten werden Erl sicherlich nicht davonlaufen.<\/p>\n<p>Beide H\u00e4user stehen auf der gr\u00fcnen Wiese, wie eine Trutzburg an den Hang geklebt. Die Pausengastronomie ist einfach, ein \u201eChampagner-Publikum\u201c findet sich hier nicht. Gefeiert wird im Anschlu\u00df in den Restaurants in Erl oder der weiteren Umgebung. Selbst nach M\u00fcnchen oder Salzburg ist es nur ein Katzensprung.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch spielte <strong>Gustav Kuhn<\/strong> mit seinem <strong>Orchester<\/strong> und der <strong>Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl<\/strong> wieder die erste Geige. Die Klangfarben des Orchesters <strong>Accademia di Montegral<\/strong> sind beeindruckend vielf\u00e4ltig, und unter Kuhn entsteht ein unvergleichlicher weicher romantischer Klang, der sich quasi zu einer Hausmarke von Erl entwickelt hat und weiter entwickeln wird. Beeindruckend wie die Zusammenarbeit mit dem Chor gelang! Zwar wirkte der Chor etwas statisch, und die breite Aufstellung quer \u00fcber die B\u00fchne f\u00fchrte manchmal dazu, da\u00df einzelne Stimmen herausgeh\u00f6rt werden k\u00f6nnen und Stimmgruppen dominieren. Die Abstimmung zwischen Chor, Orchester und Solisten war jedoch stets einwandfrei, das Klangerlebnis der Chor-Oper <em>Nabucco<\/em> wunderbar. \u00dcbrigens war selten eine so vollst\u00e4ndige Fassung von <em>Le nozze di Figaro<\/em> zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das <strong>B\u00fchnenbild <\/strong>f\u00fcr <strong><em>Nabucco<\/em><\/strong> ist sehr einfach gehalten. Eine h\u00f6lzerne Rampe windet sich in Stufen um die B\u00fchne und verschwindet oben aus dem Blick. In der Mitte bieten Stufen, die zum Orchestergraben hin abfallen, dem Chor M\u00f6glichkeiten zum Auftritt. Die langen, wallenden Gew\u00e4nder sind der Phantasie der Kost\u00fcmbildner entsprungen und m\u00f6gen f\u00fcr eine mystische Urzeit stehen. Einzig anhand der Farben sind einzelne Solisten zu unterscheiden. Die Personenf\u00fchrung wirkt etwas statuarisch, z.B. f\u00fchrt der brennende Tempel \u2013 dargestellt lediglich durch eine Rotlichtprojektion \u2013 zu keinen heftigen Reaktionen. Requisiten wie Krone, Zepter, Mauern oder T\u00fcren gibt es nicht.<\/p>\n<p>Gest\u00fctzt auf die Musik und die s\u00e4ngerischen Leistungen erwacht die Handlung zum Leben. Da ist die erfreuliche Leistung des <strong>Thomas Gazheli<\/strong> (Nabucco). Mittlerweile ein schwerer, italienischer Bariton, kann er den vielschichtigen Charakter der Titelfigur mitf\u00fchlend gestalten. Besonders erw\u00e4hnenswert die absolute Textverst\u00e4ndlichkeit. Eine passende Erg\u00e4nzung ist die stimmliche Leistung von <strong>Anna Princeva<\/strong>. Sie leiht der mitleidlos agierenden Intrigantin Abigaille die passende Stimme. Obwohl die Stimme manchmal in den Grenzbereich gef\u00fchrt wird, bleiben doch die T\u00f6ne intonationssicher und wortverst\u00e4ndlich. Gleiche Aufmerksamkeit verdient <strong>Alessandro Liberatore<\/strong> als Ismaele. Dieser strahlend sch\u00f6ne, in den H\u00f6hen schwerelos leicht agierende Tenor versteht es, Leidenschaft zu wecken. Zumindest mithalten kann <strong>Michela Bregantin<\/strong> als Fenena. Die Duette mit <strong>Alessandro Liberatore<\/strong> z\u00e4hlen zu den H\u00f6hepunkten dieser Oper. \u00a0<strong>Andrea Silvestrelli<\/strong> (Zaccaria) mu\u00df man mit seltsamen Klang und wenig Volumen als vokalen Ausfall einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Das <strong>B\u00fchnenbild<\/strong> f\u00fcr <strong><em>Le nozze di Figaro<\/em><\/strong> ist genauso einfach wie f\u00fcr <em>Nabucco<\/em>. Ein Stahl-Kubus symbolisiert R\u00e4ume, die sp\u00e4rlich mit St\u00fchlen oder Sitzgruppen m\u00f6bliert sind. Eine Treppe aus dem Hintergrund f\u00fchrt in den Garten und ist von einigen Topfpflanzen flankiert. Das Kabinett, in das Cherubino eingeschlossen wird, wurde durch eine Stellwand symbolisiert. Farbe bringen die Kost\u00fcme. Man kann sagen, f\u00fcr jeden Auftritt gab es ein neues Kost\u00fcm. Diese sind sehr phantasievoll und k\u00f6nnen als zeitlos bezeichnet werden. Die auff\u00e4lligste S\u00e4ngerleistung erzielte <strong>Michael Kupfer<\/strong>, der mit viel lyrischem Schmelz und Durchschlagskraft den Almaviva zu einem dominanten Vertreter eines vom Gottesgnadentum durchdrungenen F\u00fcrsten machte. Gleich dahinter rangiert die Rollengestaltung des Figaro von <strong>Giulio Boschetti<\/strong>. Die beiden Damen <strong>Sabina von Walther<\/strong> (Gr\u00e4fin) und <strong>Sophie Gordeladze<\/strong> (Susanna) f\u00fchren ihren Sopran wunderbar sicher und leicht auch in die h\u00f6chsten H\u00f6hen, Mozarts Koloraturen perlen gl\u00e4nzend von ihren Lippen, jedoch klingen die Stimmen zu \u00e4hnlich, um sie sicher auseinanderhalten zu k\u00f6nnen. Warum die Arie der Marcellina im \u00a0vierten Akt meist gestrichen wird, ist klar: Diese Arie \u00fcbersteigt die technischen F\u00e4higkeiten und die Reichweite in den hohen Registern von <strong>Rita Lucia Schneider<\/strong>. <strong>Emily Righter<\/strong> ist eine jugendliche neue Stimme, klar und ausdrucksstark \u2013 neigt aber sp\u00e4testens im Forte zum Tremolieren. An der Rolle des Cherubino mu\u00df sie noch feilen.<\/p>\n<p>Zum Abschlu\u00df der Winterfestspiele erklang die <strong><em>Missa<\/em> <em>Solemnis<\/em><\/strong> von Beethoven. <strong>Monika Riedler<\/strong> zeigt sich als dramatischer Sopran, ist dabei aber nicht frei von Sch\u00e4rfen und erreicht nur unter Anstrengung die hohen T\u00f6ne. <strong>Anna Lucia Nardi<\/strong> f\u00fchrt ihren Alt sehr klangsch\u00f6n und zeigt schon ein fast tenorales Timbre. Der Bassist <strong>Liang Li<\/strong> verf\u00fcgt \u00fcber eine samtige sonore Stimme \u00fcber alle Register hinweg.<\/p>\n<p>Gustav Kuhn ordnet das Werk weniger der Wiener Klassik zu, er sieht es vielmehr als ein Fr\u00fchwerk der Romantik. Er dr\u00e4ngt vorw\u00e4rts, ohne jedoch Beethovens Ideen unkenntlich zu machen. Die nachdenklichen melancholischen Momente dieses Werkes kommen weniger zum Zug. Der Zuh\u00f6rer wertet dies als einen hoffnungsvollen Gru\u00df an das Neue Jahr und w\u00fcnscht im donnernden Applaus viel Erfolg f\u00fcr sich und f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Nutzung des Festspielhauses. Das Jahr beginnt also vielversprechend!<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Erl hat sich mittlerweile einen festen Pilgerstamm an Opernliebhabern erarbeitet: Es steht f\u00fcr den geradlinigen Blick auf die Musik. Die Musik spielt \u201edie erste Geige\u201c, Inszenierung, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme haben sich diesem Primat der Musik unterzuordnen. Ausstattungsorgien, Regieeinf\u00e4lle und \u00fcberbordende B\u00fchnentechnik wird man in Erl somit wohl kaum erleben. Der einhellige und heftige Jubel des Publikums kann man als eindrucksvolle Unterst\u00fctzung dieser \u201ePolitik\u201c werten.<\/p>\n<p>Im Jahr 2013 existieren die Passionsspiele Erl 400 Jahre. Diese finden im Passionsspielhaus statt, die Tiroler Sommer-Festspiele spielen im neuen Festspielhaus. Der Schwerpunkt wird dann auf den Opern Verdis liegen, denn 2013 ist nicht nur Wagner-Jahr \u2013 auch Verdi ist 1813 geboren. Wagner \u2013 mit dem Erl bekannt geworden ist \u2013 wird es dann wieder ab 2014 geben.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Tom Benz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Emily Righter (Cherubino) liegend, Sophie Gordeladze (Susanna)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nabucco von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in vier Akten, Libretto: Temistocle Solera, UA: 1842 \u00a0Mailand Solisten: Thomas Gazheli (Nabucco), Alessandro Liberatore (Ismaele), Andrea Silvestrelli (Zaccaria), Anna Princeva (Abigaille), Michela Bregantin (Fenena), Giulio Boschetti (Il gran sacerdote) u.a. 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