{"id":4476,"date":"2013-01-08T14:16:34","date_gmt":"2013-01-08T13:16:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4476"},"modified":"2013-01-30T19:50:12","modified_gmt":"2013-01-30T18:50:12","slug":"nabucco-oper-leipzig-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4476","title":{"rendered":"NABUCCO \u2013 Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in vier Teilen, Libretto: Temistocle Solera nach <em>Nabuchodonosor<\/em> von Auguste Anicet-Bourgeois und Francis Cornue, UA: 9. M\u00e4rz 1842 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Dietrich W. Hilfsdorf, B\u00fchne: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Renate Schmitzer, Dramaturgie: Marita M\u00fcller<\/p>\n<p>Dirigent: Anthony Bramall, Orchester: Gewandhausorchester, Choreinstudierung: Alessandro Zuppardo. Chor und Zusatzchor<\/p>\n<p>Solisten: Markus Marquardt (Nabucco, K\u00f6nig von Babylon), Amarilli Nizza (Abigaille), Gaston Rivero (Ismaele), Jean Broekhuizen (Fenena), Arutjun Kotchinian (Zaccaria), James Moellenhoff (Oberpriester des Baal), Keith Boldt (Abdallo), Olena Tokar (Anna)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung:\u00a0 6. Januar 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Leipzig_Nabucco5.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4481\" title=\"Leipzig_Nabucco\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Leipzig_Nabucco5.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"224\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Leipzig_Nabucco5.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Leipzig_Nabucco5-300x192.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der babylonische K\u00f6nig Nabucco erobert Jerusalem und zerst\u00f6rt Salomos Tempel. Zuvor haben sich Hebr\u00e4er und Leviten mit dem Hohepriester Zacccaria und der Gefangenen Fenena, Tochter Nabuccos, in den Tempel gefl\u00fcchtet. Die Geisel wird dem Neffen des K\u00f6nigs von Jerusalem, Ismaele, anvertraut. Beide haben sich bereits in Babylon liebengelernt. Damals hatte Fenena den j\u00fcdischen Gesandten aus der Gefangenschaft befreit. Nun rettet Ismaele Fenena. Die Hebr\u00e4er f\u00fchlen sich verraten, bis Fenena zum j\u00fcdischen Glauben konvertiert. Ihre Schwester Abigaille liebt Ismaele vergeblich. Als die Abgewiesene von ihrer Herkunft als Sklavin erf\u00e4hrt, sinnt sie auf Rache und Thron. W\u00e4hrend Nabucco an der Hybris, sich selbst zum Gott machen zu wollen, wahnsinnig wird, benutzt Abigaille ihn als Instrument, die Hebr\u00e4er und Fenena zum Tode zu verurteilen. Als der verzweifelte Vater sich besinnt und zu Gott bekehrt, kann er seine Tochter retten. Die reuige Abigaille vergiftet sich.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht aus einem gro\u00dfen gefliesten Saal im Industriedesign der fr\u00fchen Moderne mit zwei Portalen und einer beweglichen provisorischen B\u00fchne aus Metall-Traversen. Diese B\u00fchne auf der B\u00fchne wandert durch alle vier Akte. In Babylon wandelt sich die Kulisse durch Projektionen auf einen Gazevorhang zum Theatersaal, in dem die frisch an die Macht gekommene Abigaille sich feiern l\u00e4\u00dft. Keine babylonischen G\u00e4rten, fast gar kein Dekor, wenig Requisiten, wenig Bez\u00fcge.<\/p>\n<p>Regisseur Dietrich W. <strong>Hilsdorf<\/strong> h\u00e4lt sich im Finale nicht an das Libretto, sondern an Soleras Vorlage, die aber von Verdi und Solera entsprechend dem jetzt vorliegenden Libretto der Oper ver\u00e4ndert worden war. Hilfsdorfs Version l\u00e4\u00dft offen, ob Nabucco \u00fcberhaupt wieder zu Verstand kommt. Auch das G\u00f6tzenbild wird nicht vom Sockel gesto\u00dfen; stattdessen rollt Fenenas Kopf. Doch sie erhebt sich wieder und lebt. Nabucco wird, noch bevor der Vorhang f\u00e4llt, vom babylonischen Hohepriester entmachtet, w\u00e4hrend Verdis Musik zeitgleich Jehova und den K\u00f6nig preist.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme von Renate Schmitzer sind sch\u00f6n und opulent f\u00fcr die Babylonier, die Hebr\u00e4er, inklusive Ismaele verschmelzen zu einer grauen Masse.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter der Leitung von <strong>Alessandro Zuppardo<\/strong> sind die inbr\u00fcnstigen wie auch die leisen Chorpartien ein musikalischer H\u00f6hepunkt. Selbst der zur italienischen Freiheitshymne gewordene Gefangenenchor <em>Va pensiero, sull\u02beali dorate &#8211; Flieg, Gedanke, auf goldenen Fl\u00fcgeln<\/em> wird sensibel und ohne unn\u00f6tiges Pathos vorgetragen. Mit starker B\u00fchnenpr\u00e4senz verk\u00f6rpert die Sopranistin <strong>Amarilli Nizza<\/strong> (Abigaille) die rasende Nebenbuhlerin Fenenas. Sie verf\u00fcgt \u00fcber den f\u00fcr diese schwierige Gesangsvorlage n\u00f6tigen Stimmumfang und schafft problemlos den Sprung vom hohen, dreigestrichenen zum kleinen, eingestrichenen C in <em>Ben io t\u02beinvenni &#8211; Schlecht hat der K\u00f6nig<\/em>. Ihre ekstatischen Ausbr\u00fcche bestechen durch gekonnt vorgetragene Koloraturen und eine enorme Tragf\u00e4higkeit der Stimme. Einzig in den zerbrechlichen Momenten <em>Anch\u02beio dischiuso un giorno &#8211; Auch ich w\u00e4r gern g\u00fctig<\/em> verliert ihr dramatischer Sopran an Intensit\u00e4t. <strong>Arutjun Kotchinian<\/strong> (Zaccaria) beschw\u00f6rt die Hebr\u00e4er mit einem sonoren, melodi\u00f6sen Ba\u00df, dem zuweilen die Wucht f\u00fcr diese Partie fehlt. <strong>Gaston Rivero<\/strong> (Ismaele) ist ein Verdi-Tenor, wie man ihn sich w\u00fcnscht: eine strahlende Stimme, mit geschmeidigem Timbre, die alle Passagen scheinbar m\u00fchelos zu nehmen wei\u00df. <strong>Jean Broekhuiszen<\/strong> (Fenena) singt mit warmem, wohlt\u00f6nenden Mezzosopran und moduliert fein und sicher. Ba\u00dfbariton <strong>Markus Marquardt<\/strong> (Nabucco) ist seiner Rolle darstellerisch wie stimmlich gewachsen und wird auch den Anforderungen des von Hilsdorf grob ge\u00e4ndertem Finale gerecht.<\/p>\n<p>Das<strong> Gewandhausorchester<\/strong> unter <strong>Anthony Bramall<\/strong> bringt die <em>Nabucco<\/em>-Partitur z\u00fcgig und mitrei\u00dfend zum Klingen. Einf\u00fchlsam werden die Stimmen begleitet und gl\u00e4nzende Instrumentalsoli lassen aufhorchen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Regisseur <strong>Hilfsdorf<\/strong> bietet eine Inszenierung, die Kontur und Tiefe vermissen l\u00e4\u00dft, ja beinahe ideenlos wirkt. Die Figuren verlieren sich in der riesigen Kulisse, die nicht viel mehr als die mobile B\u00fchne zu bieten hat. Hilsdorfs Sichtweise auf das St\u00fcck erschlie\u00dft sich nur schwer. Auch der R\u00fcckgriff auf eine die fr\u00fchere Textvorlage des Finales tut der Oper keinen Gefallen. Die Riege der Solisten bildet zusammen mit dem Chor ein stimmiges Verdi-Ensemble.<\/p>\n<p>Es gab viel Beifall f\u00fcr die musikalische Leistung des Leipziger Auftakts zum Verdi-Jahr.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Kirsten Njihof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die gefangenen Hebr\u00e4er<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in vier Teilen, Libretto: Temistocle Solera nach Nabuchodonosor von Auguste Anicet-Bourgeois und Francis Cornue, UA: 9. M\u00e4rz 1842 Mailand, Teatro alla Scala Regie: Dietrich W. 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