{"id":446,"date":"2008-12-10T11:24:25","date_gmt":"2008-12-10T09:24:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=446"},"modified":"2008-12-11T12:35:02","modified_gmt":"2008-12-11T10:35:02","slug":"mannheim-nationaltheater-%e2%80%93-der-wildschutz-oder-die-stimme-der-natur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=446","title":{"rendered":"Mannheim. Nationaltheater \u2013 DER WILDSCH\u00dcTZ ODER DIE STIMME DER NATUR"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Text von Albert Lortzing, komische Oper in drei Akten, Dialoge von Roland Quitt<br \/>\nUA: 31. Dezember 1842, Leipzig.<br \/>\nRegie: Gabriele Rech, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Sandra Meurer, Dramaturgie: Roland Quitt<br \/>\nDirigent: Richard Wien, Chor: Tilman Michael; Orchester, Chor und Kinderchor des Nationaltheaters Mannheim<br \/>\nSolisten: Stephan Klemm (Baculus), Katharina G\u00f6res (Gretchen), Lars Moller (Graf von Eberbach), Carsten S\u00fc\u00df (Baron Kronthal), Katja Plessing (Gr\u00e4fin), Marina Ivanova (Baronin Freimann), Johannes Wimmer (Pancratius), Hannah Zitzmann (Nanette) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 6. Dezember 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"mannheim-wildschutz.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/mannheim-wildschutz.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"mannheim-wildschutz.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/mannheim-wildschutz.jpg\" \/><\/a>Baculus hat sich von seinem zuk\u00fcnftigen Gretchen \u00fcberreden lassen, zu ihrer beider Verlobung einen Rehbock zu schie\u00dfen. Da er im Jagdrevier seines Arbeitgebers, dem Grafen von Eberbach, erwischt wurde, mu\u00df er um seinen Beruf als Schulmeister f\u00fcrchten. Seine einzige M\u00f6glichkeit ist, die Schw\u00e4che des Grafen f\u00fcr Frauen auszunutzen. Zuf\u00e4llig ist sich zum gleichen Zeitpunkt die Baronin Freimann, die Schwester des Grafen, zugegen. Als Student verkleidet reist sie unerkannt durchs Land, um ihren Zuk\u00fcnftigen, den Baron Kronthal zu begutachten. In Absprache mit dem Schulmeister und seiner Braut soll sie \u2013 verkleidet als Gretchen\u2013 beim Grafen f\u00fcr den Baculus vorsprechen. Baron Kronthal ist zuf\u00e4lligerweise ebenfalls am Hof des Grafen. Auch er ist verkleidet \u2013 als Stallmeister des Grafen. Bei der Ankunft der verkleideten Baronin sind sowohl der Graf als auch der verkleidete Baron sofort hin und weg. Da sich der Baron tats\u00e4chlich in Baculus\u2019 Braut verliebt, zahlt er dem Schulmeister eine Abfindung von 5000 Talern, um die verkleidete Baronin selbst heiraten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAm Ende fallen die Masken und alle bleiben \u00fcberraschend schuldlos, sogar der Baculus.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDer Regisseurin Gabriele Rech gelingt es, den traditionellen Stoff in das 20. Jahrhundert zu transferieren, so da\u00df sich der Zuschauer in die Rollen hineinversetzen kann. In Zusammenspiel mit B\u00fchne und Kost\u00fcm entsteht ein stimmiges Bild durch die gesamte Oper, in der vor allem Verkleidung, Verwechslung und Verstellung dominieren. Durch eine Drehscheibe, auf der verschiedene R\u00e4ume aufgebaut sind, k\u00f6nnen auch gro\u00dfe Wege dargestellt werden. Die S\u00e4nger \u00fcberwinden im St\u00fcck einige Male den Orchestergraben und stellen, vor allem durch das Verteilen von Luftballons am Ende des ersten Akts, Publikumsn\u00e4he her.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDa es keinen richtigen Orchestergraben gibt, steht <strong>Richard Wien<\/strong>  mit dem <strong>Orchester<\/strong> unter genauer Beobachtung. Wien ist dem aber allemal gewachsen. Einzig die schlechte Textverst\u00e4ndlichkeit der S\u00e4nger tr\u00fcbt die ansonsten gelungene Vorstellung. Auch die vielen Rollendeb\u00fcts tun dem keinen Abbruch. Im Gegenteil \u2013 sie bringen viele junge neue S\u00e4nger und damit auch viel Frische und Energie auf die B\u00fchne. Besonders die stimmlichen K\u00fcnste von <strong>Marina Ivanova<\/strong> (Baronin), <strong>Johannes Wimmer<\/strong> (Pancratius), <strong>Carsten S\u00fc\u00df<\/strong> (Baron) und <strong>Lars Moller<\/strong> (Graf) sind zu erw\u00e4hnen. Darstellerisch sticht vor allem <strong>Johannes Wimmer<\/strong> (Pancratius) heraus, dem seine Rolle als Diener im Frack sehr gut steht. Die Arie des <strong>Stephan Klemm<\/strong> (Baculus) am Ende des zweiten Akts, die er im Stil der 80er Jahre mit einem \u2013 ihm fremdartig erscheinenden \u2013 Mikrofon singt, entf\u00fchrt den Zuschauer auf ein Rockkonzert. Mit Bravorufen wird <strong>Stephan Klemm<\/strong> am Ende empfangen, der mit seinem vollen Ba\u00df w\u00e4hrend der ganzen Oper zu \u00fcberzeugen wei\u00df. Nicht nur der<strong> Chor<\/strong>, sondern auch die eingef\u00fcgten Dialoge von <strong>Roland Quitt<\/strong> sorgen immer wieder f\u00fcr Lacher.<br \/>\nDer <strong>Chor<\/strong>, unter Leitung von <strong>Tilman Michael<\/strong>, schafft es, eine gute Mischung zwischen gesanglicher Kunst und darstellerischem Witz herzustellen. Richard Wien hat beim Schlu\u00dfbild die gro\u00dfe Aufgabe, alle S\u00e4nger, den Chor, das Orchester und den Kinderchor zusammen zu bringen, welche er jedoch souver\u00e4n meistert.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nIst es eine Oper oder durch seine vielen gesprochenen Dialoge ein Theaterst\u00fcck? Genau das ist eine Opera buffa, d.h. komische Oper. Mit einem Schu\u00df noch w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre gelingt ein fulminanter Start. Assoziationen mit Elvis Presley und John Travolta ziehen sich durch das gesamte St\u00fcck und verpacken einen schon fast 200 Jahre alten Stoff gekonnt ins Moderne. Diese gelungene Inszenierung mit viel Liebe zum Detail verschafft sowohl langj\u00e4hrigen Operng\u00e4ngern als auch Opernanf\u00e4ngern bzw. Operneinsteigern einen unterhaltsamen Abend.<\/p>\n<p>Sonja Olsen<\/p>\n<p>Bild: Christian Kleiner<br \/>\nDas Bild zeigt den Baculus (Stephan Klemm).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text von Albert Lortzing, komische Oper in drei Akten, Dialoge von Roland Quitt UA: 31. Dezember 1842, Leipzig. 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