{"id":444,"date":"2008-12-05T00:47:01","date_gmt":"2008-12-04T22:47:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=444"},"modified":"2015-12-18T19:02:50","modified_gmt":"2015-12-18T18:02:50","slug":"berlin-deutsche-oper-tannhauser-oder-der-sangerkrieg-auf-wartburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=444","title":{"rendered":"Berlin, Deutsche Oper  &#8211; TANNH\u00c4USER ODER DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>(Dresdner Fassung)<br \/>\nvon Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten,<br \/>\nUA: 1845 Dresden<br \/>\nRegie: Kirsten Harms, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Bernd Damovsky, Dramaturgie: Andreas K. W. Meyer<br \/>\nDirigent: Ulf Schirmer, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Chor der Deutschen Oper Berlin<br \/>\nEinstudierung: William Spaulding<br \/>\nSolisten: Torsten Kerl (Tannh\u00e4user), Reinhard Hagen (Landgraf Hermann), Nadja Michael (Venus und Elisabeth), Markus Br\u00fcck (Wolfram von Eschenbach), Clemens Bieber (Walther von der Vogelweide), Lenus Carlson (Biterolf), J\u00f6rg Sch\u00f6rner (Heinrich der Schreiber), J\u00f6rn Sch\u00fcmann (Reinmar von Zweter), Heidi Stober (Hirt)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 30. November 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"deutsche-oper-berlin-tannha.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/deutsche-oper-berlin-tannha.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"deutsche-oper-berlin-tannha.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/deutsche-oper-berlin-tannha.jpg\" \/><\/a>Der S\u00e4nger Tannh\u00e4user hat lange Zeit im Venusberg zugebracht, dem legend\u00e4ren Zufluchtsort der antiken Liebesg\u00f6ttin im Mittelalter. Der permanenten Ekstase \u00fcberdr\u00fcssig teilt ihr Tannh\u00e4user durch ein Lied mit, da\u00df er beschlossen hat, sie zu verlassen. Seine R\u00fcckkehr in die irdische Welt wird von ihrem Fluch begleitet, der seine Wirkung nicht verfehlt. Von seinen Freunden und k\u00fcnstlerischen Konkurrenten wird er \u00fcberredet, an seine alte Wirkungsst\u00e4tte, die Wartburg, zur\u00fcckzukehren, um dort f\u00fcr Elisabeth, die ihm in stiller Zuneigung ergeben ist, zu singen. W\u00e4hrend eines Wettsingens erw\u00e4hnt er jedoch seinen Aufenthalt im Venusberg, und nur dank des Eintretens Elisabeths darf er sein Leben behalten unter der Bedingung, nach Rom zu pilgern und f\u00fcr seine Verfehlung beim Papst um Absolution zu bitten. Der verweigert sie ihm und \u00fcberantwortet Tannh\u00e4user der ewigen Verdammnis, vor der ihn das selbstlose Opfer Elisabeths rettet.<br \/>\n<strong>Inszenierung<\/strong><br \/>\nUm die Inszenierung gerecht zu beurteilen, mu\u00df eines vorweg hervorgehoben werden: <strong>Kirsten Harms<\/strong> hat sich des Wagnerschen Stoffes mit gro\u00dfem Respekt angenommen, B\u00fchne und Kost\u00fcme bedienen sich einer historischen, d.h. mittelalterlichen Bildwelt, die Choreographie und Lichtregie sind sehr genau auf die Musik abgestimmt, so da\u00df die hohen musikalischen Anforderungen des Werkes nicht noch zus\u00e4tzlich durch die Regie erschwert werden. Diese handwerklich solide gearbeitete Inszenierung unterscheidet sich durchaus wohltuend von den zahlreichen Regietheaterexperimenten, f\u00fcr die Wagners Werke schon seit langem eine dankbare Unterlage bieten, und zw\u00e4ngt dem originalen Stoff keine fremde Botschaft auf. Dennoch war das Publikum nicht vollauf begeistert, m\u00f6glicherweise weil punktuelle Eingriffe in das Wagnersche Textbuch vorgenommen wurden, die sich zum Teil als nachteilig herausstellen.<br \/>\nBeispielsweise wurden beide weiblichen Solopartien von einer S\u00e4ngerin \u00fcbernommen. Das sorgte f\u00fcr vorhersehbare Verwirrung vor allem am Schlu\u00df der Oper, denn es blieb unklar, ob Venus und Elisabeth nun als zwei Seiten einer Person oder als zwei unterschiedliche Figuren zu verstehen sein sollen; lediglich nach einem Blick ins Programmheft (wer tut das schon?) erschlie\u00dft sich, was damit gemeint ist.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas B\u00fchnenbild schafft eine Aura des Authentischen und l\u00e4\u00dft die Oper als Seelendrama erscheinen. Dadurch, da\u00df die B\u00fchnentechnik ein st\u00e4ndiges Verschieben in der Vertikalen simuliert, also gewisserma\u00dfen ein Hinauf- und Hinunterbewegen der Spielebene, m\u00fcssen alle Auftritte der Ch\u00f6re von unten erfolgen, was erm\u00fcdend wirken kann, aber auch f\u00fcr erstaunliche Einf\u00e4lle genutzt wird, etwa, wenn die Pilger im ersten Aufzug als B\u00fc\u00dfer im Fegefeuer erscheinen \u2013 wobei dies im \u00fcbrigen durch die umherschwebenden D\u00e4monen sehr leicht mit dem Inferno verwechselt werden kann \u2013 oder wenn Tannh\u00e4user zu den Kl\u00e4ngen der Ouvert\u00fcre in Zeitlupe in die Tiefe f\u00e4llt, hinein in ein Meer von wogenden Armen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nObwohl <strong>Nadja Michael<\/strong> sich sehr darum bem\u00fchte, ihre beiden Rollen stimmlich zu differenzieren, wurde ihr Einsatz vom Publikum nicht belohnt, was allerdings auch daran liegen k\u00f6nnte, da\u00df ihre imposanten stimmlichen M\u00f6glichkeiten durch eine recht undeutliche Aussprache beeintr\u00e4chtigt werden; darstellerisch ist sie hervorragend f\u00fcr beide Rollen gleicherma\u00dfen geeignet.<br \/>\nDie m\u00e4nnlichen Partien waren, auch in den kleinen Rollen, mit hervorragenden S\u00e4ngern besetzt, z.B. mit <strong>Lenus Carlson<\/strong> als Biterolf. <strong>Torsten Kerl<\/strong> \u00fcberzeugte in der Titelrolle stimmlich trotz einer Indisposition, darstellerisch allerdings nur mit Einschr\u00e4nkungen. <strong>Reinhard Hagen<\/strong> gab einen sonoren Landgraf Hermann, wenn sich bei ihm auch stellenweise technische Probleme zeigten. <strong>Markus Br\u00fccks<\/strong> Wolfram wurde vom Publikum \u00fcberschwenglich gefeiert, wobei <strong>Ulf Schirmer<\/strong>, unter dessen Leitung das <strong>Orchester<\/strong> einen raumf\u00fcllenden, koh\u00e4renten Klang entwickelte, hier vom Tempo her sicherlich an die untere Grenze des M\u00f6glichen ging.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMusikalisch erwarten den Zuschauer dieser Inszenierung solide Leistungen. Sie ist in jedem Fall all denen zu empfehlen, die allzu freier Interpretationen von Wagners Opern \u00fcberdr\u00fcssig sind, auch wenn es einige Deutungen der Regisseurin gibt, die nicht gegl\u00fcckt erscheinen. Es \u00fcberwiegt der Eindruck einer szenischen Umsetzung, die versucht, dem Werk gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<br \/>\nBild: Matthias Horn, Das Bild zeigt Tannh\u00e4user (Torsten Kerl).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Dresdner Fassung) von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1845 Dresden Regie: Kirsten Harms, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Bernd Damovsky, Dramaturgie: Andreas K. W. 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