{"id":4422,"date":"2012-12-09T21:46:08","date_gmt":"2012-12-09T20:46:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4422"},"modified":"2013-03-27T10:20:09","modified_gmt":"2013-03-27T09:20:09","slug":"cosi-fan-tutte-dessau-anhaltisches-theater-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4422","title":{"rendered":"COS\u00cc FAN TUTTE &#8211; Dessau, Anhaltisches Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Commedia per musica in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 26. Januar 1790 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Patrick Schl\u00f6sser, B\u00fchne: Etienne Pluss, Kost\u00fcme: Werner Fritz<\/p>\n<p>Dirigent und Hammerklavier: Patrik Ringborg, Staatsorchester Kassel, Opernchor des Staatstheaters Kassel, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti<\/p>\n<p>Solisten: Nina Bernsteiner (Fiordiligi), Maren Engelhardt (Dorabella), Stefan Zenkl (Guglielmo), Musa Nkuna (Ferrando), Ani Yorentz (Despina), Krzysztof Borysiewicz (Don Alfonso)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Dezember 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Dessau-Cosi12.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4423\" title=\"Dessau-Cosi12\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Dessau-Cosi12.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Dessau-Cosi12.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Dessau-Cosi12-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Dorabella liebt Ferrando, Fiordiligi liebt Guglielmo. Don Alfonso, Freund der beiden Soldaten, ist seinen Eleven in Sachen Lebenserfahrung um einiges voraus. Mit seinem Zweifel an der Standhaftigkeit der beiden Schwestern gibt er den Ansto\u00df zu einem Treuetest, der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist. In tr\u00e4nenvollem Abschied ziehen Guglielmo und Ferrando in eine angebliche Schlacht, um kurz darauf als extravagante Fremdlinge die Verlobte des jeweils anderen f\u00fcr sich zu gewinnen. Unterst\u00fctzung erfahren sie von der nicht auf den Mund gefallenen Kammerzofe Despina, die nur zum Teil von Don Alfonsos wahren Absichten wei\u00df. Bald erkennen die beiden M\u00e4nner die Absurdit\u00e4t ihres Vorhabens, doch von Alfonso durch Eid verpflichtet, willigen sie notgedrungen in die Hochzeit mit der jeweils anderen ein. Als dann die \u201ewahren\u201c Verlobten aus der Schlacht zur\u00fcckkehren, kl\u00e4rt sich alles auf\u2026<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Einheitsb\u00fchnenbild besteht aus einem Haus, das sich um einen w\u00fcstennahen Steingarten dreht, in dem Str\u00e4ucher und angerostete Gartenst\u00fchle herumstehen. Im Erdgescho\u00df ist eine Trattoria untergebracht, hier sitzen eingangs die Herren beim Wein und sinnieren \u00fcber die Frauen. W\u00e4hrenddessen sitzen die beiden Damen im ersten Stock in ihrem Gemeinschaftszimmer in ihren Betten und gedenken ihrer Liebhaber. Die R\u00fcckwand des Hauses zieren wilde Tiere aus der <em>Menagerie des Landgrafen Karl<\/em> von Johann Roos. W\u00e4hrend sich die beiden Liebhaber nicht nur mittels eines roten oder gr\u00fcnen Pullunders unterscheiden, sehen sich die beiden Damen mit fast identischen schwarzen oder blaugr\u00fcnen Kost\u00fcmen sehr \u00e4hnlich. Don Alfonso wirkt im feinen italienischen Zwirn wie eine Mischung aus Wirt und Mafia-Paten, Despina ist die Kellnerin der Trattoria. Der Chor kommentiert die Handlung vom ersten Rang aus &#8211; in heutiger Abendgarderobe.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das St\u00fcck beginnt und endet mit derselben Pose der Darsteller, genauso wie die gleiche Tonart am Ende und Anfang steht: C-Dur, was unter Generalmusikdirektor Patrik Ringborg besonders h\u00f6rbar wird. Er setzt auch am Hammerfl\u00fcgel in den Rezitativen Akzente &#8211; inklusive einem musikalischen Scherz: Er zitiert Wagners Tristan-Akkord. Das Staatsorchester und auch der Opernchor zeigen sich unter Ringborgs Leitung bestens pr\u00e4pariert und pflegen einen sehr ausziselierten, obschon spannungsgeladenen, Mozartstil. Die S\u00e4nger k\u00f6nnen sich in dieser Inszenierung auf die Darstellung der inneren Gef\u00fchle in der Gesangslinie konzentrieren. Am besten gelingt dies<strong> Nina Bernsteiner<\/strong> in der Rolle der Fiordiligi. Sie verf\u00fcgt \u00fcber einen weichen warmen Sopran und ein farbenreiches, breites Gef\u00fchlsspektrum. In der Arie <em>Per piet\u00e0 \u2013 Oh verzeih Geliebter<\/em> kann sie den inneren Konflikt deutlich machen, bevor er sich in dem Liebes-Duett mit Ferrando aufl\u00f6st: <em>Fra gli amplessi \u2013 Seinen Armen eil ich entgegen<\/em> (II\/29). Seinem Dr\u00e4ngen mu\u00df sie erliegen, denn <strong>Musa Nkuna<\/strong> wird sicherlich noch als Mozart-Tenor von sich reden machen: Scheinbar problemlos und unangestrengt klettert er durch die H\u00f6hen und Tiefen Mozarts \u2013 auch wenn ihn am Ende ein wenig die Leuchtkraft ausgeht. Als eloquente Mezzo-Stimme kann <strong>Maren Engelhardt<\/strong> den Vergleich zwischen Dorabella und Fiordiligi \u00fcber weite Passagen unentschieden halten, wenn ihr auch der Glanz in den H\u00f6hen fehlt. <strong>Stefan Zenkl<\/strong> verf\u00fcgt \u00fcber einen durchschlagskr\u00e4ftig gef\u00fchrten, dennoch lyrischen Bariton, der dem Guglielmo entsprechenden Charakter verleiht. <strong>Krzysztof Broysiewicz<\/strong> legt den Don Alfonso als dominanten Zeremonienmeister an, wobei er zumeist im Parlando-Stil verharrt. Die Despina nutzt <strong>Ani Yorentz<\/strong> als kom\u00f6diantische Rolle. Sowohl den Arzt als auch den Notar singt sie mit verstellter Stimme, u.a. im Falsett, sehr treffend. Schon f\u00fcr <em>Che vita maledetta \u2013 Welch schauderhaftes Leben <\/em>erh\u00e4lt sie als jugendlich dynamische Sopranistin Szenenapplaus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Donnernder und langer Applaus sind das Lob des Publikums f\u00fcr eine vortreffliche musikalische Umsetzung und f\u00fcr eine wortgetreue Produktion. Hier \u00fcberspielen kein billiger Aktionismus, keine Anz\u00fcglichkeiten oder Frivolit\u00e4ten die Situationen, in denen Mozart den S\u00e4ngerdarstellern innere Qualen auferlegt. Hier geht es nur um die Frage, sind die beiden Paare zu einem Ringtausch bereit? Die Verlagerung in die heutige Zeit und die identischen Schlu\u00df- und Anfangs-Bilder bzw. Tonarten geben Mozart recht und setzen hinter diese <em>Cos\u00ec fan tutte<\/em> ein deutliches Ausrufezeichen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: N. Klinge<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Musa Nkuna (Ferrando), Nina Bernsteiner (Fiordiligi), Maren Engelhardt (Dorabella), Stefan Zenkl (Guglielmo) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Commedia per musica in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 26. 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