{"id":4401,"date":"2012-12-19T15:52:41","date_gmt":"2012-12-19T14:52:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4401"},"modified":"2013-01-01T10:41:42","modified_gmt":"2013-01-01T09:41:42","slug":"artaserse-koln-oper-am-dom","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4401","title":{"rendered":"ARTASERSE &#8211; K\u00f6ln, Oper am Dom"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leonardo Vinci (1690-1730), Dramma per musica, Libretto: Pietro Metastasio (1698-1782)<\/p>\n<p>Dirigent: Diego Fasolis, Concerto K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Philippe Jaroussky (Artaserse), Max Emanuel Cen\u010di\u0107 (Mandane), Franco Fagioli (Arbace), Juan Sancho (Artabano), Valer Barna-Sabadus (Semira), Yuriy Mynenko (Megabise)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Dezember 2012 (konzertante Auff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Franco-Fasioli.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4402\" title=\"Franco-Fasioli\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Franco-Fasioli.gif\" alt=\"\" width=\"263\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Franco-Fasioli.gif 263w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Franco-Fasioli-225x300.gif 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Arbace liebt Mandane, Schwester des K\u00f6nigssohns Artaserse. Da diese Verbindung nicht standesgem\u00e4\u00df ist, verjagt K\u00f6nig Serse Arbace aus seinem Palast, was Arbace als gro\u00dfe Beleidigung ansieht. Dies und die Gier nach der K\u00f6nigsmacht veranlassen seinen Vater Artabano, Pr\u00e4fekt der k\u00f6niglichen Armee, gemeinsam mit dem Armeegeneral Megabise, K\u00f6nig Serse im Schlaf zu ermorden. Doch der Mordverdacht f\u00e4llt auf Arbace. Nun bekennt sich Artabano aber keineswegs zu dem Mord, sondern verurteilt seinen Sohn in k\u00f6niglichem Auftrag zum Tode. Als letzte Rettung seines Umsturzplans beabsichtigt er, Artaserse, den neuen K\u00f6nig, durch einen Weinbecher zu vergiften. Diesen Anschlag kann sein Sohn Arbace verhindern. Nun erfahren alle, da\u00df Artabano der wahre M\u00f6rder ist. Doch er wird deswegen lediglich aus Persien verbannt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Wiederauff\u00fchrung von Opern des 17.\/ fr\u00fchen 18. Jh. geht die Entwicklung des darin gepflegten Belcanto einher. Es ist die Singtechnik des <em>Canto sul fiato<\/em>, d.h. des unangestrengten Singens auf ausstr\u00f6mender Atemluft. Es waren die Kastraten (Evirati), die dieses Belcantosingen entwickelten. Das geschah in der Weise, da\u00df sie ihre Stimmen im Gesang mit den Instrumentalisten um die Wette probierten.\u00a0 Dadurch entwickelte sich ein Gesangsstil von au\u00dferordentlicher Virtuosit\u00e4t. Mit ihrer \u201eKehlfertigkeit\u201c und langem Atem brachten sie das Singen auf ein Niveau, das bis heute niemals wieder erreicht worden ist.<\/p>\n<p>In neuerer Zeit sind die Counter-Ten\u00f6re (Alt, Sopran) aufgetaucht. Diese Form des Singens \u2013 im Falsett der M\u00e4nner \u2013\u00a0 kommt aus Neapel. Dort nannte man sie wegen ihrer spanischen Herkunft Spagnoli. Da es heute keine Kastraten mehr gibt, nimmt man f\u00fcr den Belcanto der Barockoper Counter-S\u00e4nger. Zum Unterschied gegen\u00fcber den Kastraten fehlt bei ihnen allerdings weitgehend das kraftvolle Brustregister. Das wiederum besitzen Mezzo-Sopranistinnen in gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df, was Ren\u00e9 Jacobs, als versierten Kenner dieses Gesangsstils, veranla\u00dft, eher Frauen in der Barockoper einzusetzen.<\/p>\n<p>Bei der Auff\u00fchrung der Oper <em>Artaserse<\/em> in K\u00f6ln singen f\u00fcnf (!) Counter-S\u00e4nger die Gesangspartien, auch die der Frauenrollen. Die Gesangsleistungen waren au\u00dferordentlich, denn Leonardo Vinci hat alle\u00a0 virtuosen M\u00f6glichkeiten des Belcanto wie Rouladen, Fanfaren, Triller, k\u00fchne Intervallspr\u00fcnge u.a.m. eingesetzt, wobei der Reiz im st\u00e4ndigen Wechsel zwischen hoher und tiefer Lage das Publikum in nicht nachlassende Spannung versetzte.<\/p>\n<p>Der Unterschied dieser ungew\u00f6hnlichen Counter-S\u00e4nger bei der K\u00f6lner Auff\u00fchrung lag allein in den verschiedenen Klangfarben der einzelnen Stimmen. Technisch und musikalische bewegten sich alle auf dem gleichen hohen Niveau.<\/p>\n<p>Die weitgeschwungenen Gesangsgirlanden <strong>Philippe Jarousskys<\/strong> als Artaserse, besonders vor den Fermaten, zeigten das Sanfte und Lyrische seiner Stimme am ausgepr\u00e4gtesten. <strong>Max Emanuel <strong>Cen\u010di\u0107<\/strong><\/strong> als Artaserses Schwester Mandane bestach am meisten durch punktgenaues Einsetzen der Ornamente und Triller. Einer der H\u00f6hepunkte des Abends brachte das Duett (das einzige der Oper) am Opernende von <strong>Cen\u010di\u0107<\/strong> mit dunkler gef\u00e4rbter Stimme gegen die helle Stimme von <strong>Franco Fagioli<\/strong> (Arbace).<\/p>\n<p>Letzterer brachte das Haus zur Raserei mit seinen \u00a0vollen, tiefen und leuchtend hohen T\u00f6nen, seiner bemerkenswerten Agilit\u00e4t, seinen Atemreserven und einem Phantasiereichtum ohne Grenzen, in der Ausgestaltung der Fermaten, wobei er mit gro\u00dfer Geschicklichkeit in den Kadenzen Trillerketten und gr\u00f6\u00dfte Intervallspr\u00fcnge wagte.<\/p>\n<p>Bei <strong>Valer Barna-Sabadus<\/strong> in der Rolle der Arbace liebenden Semira war das Volumen seiner Stimme, gepaart mit dem gezielt eingesetzten Vibrato zu bewundern, wohingegen Yuriy Mynenko (Megabise) \u00fcber eine schier unendlich gro\u00dfe Atemreserve zu verf\u00fcgen schien.<\/p>\n<p>Die einzige \u201etiefe\u201c Stimme war von Juan Sancho, der mit runder und leidenschaftlicher Stimme den Rebellenf\u00fchrer Artabano absolut glaubhaft darzustellen vermochte. W\u00e4hrend in der romantischen Oper der B\u00f6sewicht die Baritonstimme besitzt, ist es hundert Jahre vorher \u2013 wie hier \u2013\u00a0 der Tenor.<\/p>\n<p>Vor dem wohl zu den weltbesten Barockorchestern z\u00e4hlenden <em>Concerto K\u00f6ln<\/em> t\u00e4nzelte Diego Fasolis, der damit und mit seinem K\u00f6rpereinsatz so recht die rhythmische Vielfalt der Vinci-Partitur nachempfinden lie\u00df. Nie \u00fcbert\u00f6nte das Orchester die Stimmen. Die gro\u00dfe Geschmeidigkeit der oft im Prestissimo dahineilenden Musik, die rhythmische Exaktheit und die blenden aufgelegten Bl\u00e4ser (Naturh\u00f6rner) gaben dem Abend eine Vollendung, von der man eigentlich kaum zu tr\u00e4umen wagte. Erstaunlich die Reaktionen des Publikums. Nach z\u00f6gerlichem Zwischenapplaus nach dem ersten Auftreten von Jaroussky steigerte sich der Applaus nach jeder Arie zunehmend bis zum \u00e4u\u00dfersten. Am Ende ri\u00df es alle von den Sitzen.<\/p>\n<p>Ein einzigartiger Abend.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Franco Fasioli, Oper K\u00f6ln<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leonardo Vinci (1690-1730), Dramma per musica, Libretto: Pietro Metastasio (1698-1782) Dirigent: Diego Fasolis, Concerto K\u00f6ln Solisten: Philippe Jaroussky (Artaserse), Max Emanuel Cen\u010di\u0107 (Mandane), Franco Fagioli (Arbace), Juan Sancho (Artabano), Valer Barna-Sabadus (Semira), Yuriy Mynenko (Megabise) Besuchte Auff\u00fchrung: 17. 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