{"id":4351,"date":"2012-11-26T20:00:27","date_gmt":"2012-11-26T19:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4351"},"modified":"2012-12-08T20:06:17","modified_gmt":"2012-12-08T19:06:17","slug":"la-finta-gardiniera-die-pforten-der-liebe-berlin-staatsoper-im-schillertheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4351","title":{"rendered":"LA FINTA GARDINIERA (DIE PFORTEN DER LIEBE) &#8211; Berlin, Staatsoper im Schillertheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756\u20131791), Neufassung des Librettos von Hans Neuenfels, Musiktexte von Giuseppe Petrosellini,<\/p>\n<p>UA: 13. Januar 1775, M\u00fcnchen,\u00a0 Opernhaus St. Salvator<\/p>\n<p>Regie: Hans Neuenfels, Gudrun Hartmann, Dramaturgie: Henry Arnold, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Reinhard von der Thannen, Licht: Olaf Freese, Dirigent: Christopher Moulds, Staatskapelle Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Stephan R\u00fcgamer (Podesta), Annette Dasch (Violante Onesti unter dem Namen Sandrina), Joel Prieto (Contino Belfiore), Alex Penda (Arminda), Stephanie Atanasov (Ramiro), Regula M\u00fchlemann (Serpetta), Aris Argiris (Nardo), Elisabeth Trissenaar (Contessa, Sprechrolle), Markus Boysen (Conte)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. November 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Berlin-La-finta.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4352\" title=\"Berlin-La-finta\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Berlin-La-finta.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"223\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Berlin-La-finta.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Berlin-La-finta-300x191.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Das urspr\u00fcngliche Libretto, das von dem 18j\u00e4hrigen Mozart zu einem deutschen Singspiel umgearbeitet wurde, hat Hans Neuenfels in eine Neufassung des Textes umgearbeitet, in der es um die Liebe in ihren vielf\u00e4ltigen sexuellen Spielarten geht, den Zerfall der menschlichen Beziehungsf\u00e4higkeit sowie die Unvereinbarkeit von Mann und Frau. Den bisherigen Paarkonstellationen f\u00fcgt Neuenfels eine weitere hinzu: zwei alternden Eheleute, Conte und Contessa, kommentieren die Zust\u00e4nde und philosophieren mit spitzer Zunge \u00fcber ihr Eheleben. Letztlich stirbt der an Karl Lagerfeld erinnernde Conte nach anstrengendem Gebr\u00fcll im Rollstuhl. Der zweite Teil der Oper endet mit der z\u00f6gerlichen Ann\u00e4herung von Sandrina und Belfiore.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die auf zwei Akte gek\u00fcrzte Inszenierung der Oper findet in einem meist von einem quaderf\u00f6rmigen, verschiebbaren Wandfragment dominierten Raum statt, der indirekt beleuchtet wird. In einem aus Musikinstrumenten geformten Stuhlensemble beschw\u00f6rt Podesta die Sch\u00f6nheit Sandrinas mit deftigen Worten \u2026<em>f\u00fcr das angebetete Arschb\u00e4ckchen, das meinen sechzig Jahren die baumelnde Leere zwischen den Beinen mit kribbelnden L\u00e4usen neuer Lust f\u00fcllt<\/em>\u2026Einmal l\u00e4uft ein Kurzfilm \u00fcber Affen als Anspielung auf menschliche Vorfahren im Hintergrund, ein anderes Mal kreist \u00fcber der Szene ein Geier, der die Musik verstummen l\u00e4\u00dft und den sich unaufh\u00f6rlich um sich selbst kreisenden Menschen symbolisieren soll. An einem K\u00fcchentisch, auf dem ein Mixer steht, zerschneidet Arminda M\u00f6hren und Orangen die symbolisch f\u00fcr die m\u00e4nnlichen Geschlechtsteile stehen, die sich drei junge M\u00e4nner mit schmerzverzerrten Gesichtern aus den Hosen holen. Die Zur\u00fcckweisung Ramiros durch Arminda findet als angedeutetes lesbisches Liebesspiel vor einer tapezierten Wand statt, in deren Loch sich die K\u00f6pfe einiger Voyeure zeigen. In zwei Glas-S\u00e4rgen liegen Sandrina und Belfiore, in der Dunkelheit schreit ein Baby. In der Schlu\u00dfszene sieht man Sonne, Mond und einen Tunnel mit erleuchtetem Ausgang. Sandrina und Belfiore finden sich als Liebende und klettern hinein. Der Tunnel wird geschlossen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Berliner Staatskapelle spielt auch ohne alte Instrumente durchsichtig, leicht und gut abgestimmt in der Dynamik mit den S\u00e4ngern. Bis auf den Schlu\u00df sind alle Rezitative gestrichen, die Anzahl der Arien gek\u00fcrzt und ihre Reihenfolge ver\u00e4ndert worden. Musik, Gesang und Handlung fallen auseinander. Bevor man auf das virtuose Cembalospiel in den \u00dcberg\u00e4ngen aufmerksam werden kann, bricht es schon wieder ab. <strong>Stephan R\u00fcgamer<\/strong> gelingt die Darstellung der Karikatur des sexgierigen B\u00fcrgermeisters mit Korsage, Hasenohren oder Glatze stimmlich \u00fcberzeugend. <strong>Annette Dasch<\/strong>, die aufgrund einer Krankheit nicht an den Proben teilnehmen konnte, fand schnell in ihre Rolle. Ihr schauspielerischer Ausdruck ihre und stimmliche Leistung in der Hauptrolle der Sandrina steigern sich bis zur Schlu\u00dfszene, die sie zusammen mit ihrem physisch kaum zu ihr, stimmlich jedoch umso besser passenden Partner, dem jungen <strong>Joel Prieto<\/strong> (Belfiore), einf\u00fchlsam gestaltet. Es ist ein entspannender Augenblick in der Oper: Musik, Darstellung und B\u00fchnenhintergrund erg\u00e4nzen hier einander. Einen au\u00dferordentlich sonoren Mezzosopran hat <strong>Stephanie Atanasov<\/strong>, mit dem sie nicht nur ihre Rolle als Mannweib (Ramiro) f\u00fcllt, sondern auch zur Intensivierung der tragischen Momente in der Musik beitr\u00e4gt. <strong>Alex Penda<\/strong> (Arminda) ist eine im roten Kleid und auf hochhackigen Schuhen dahinstolzierende Furie, die ihre Emp\u00f6rung \u00fcber die m\u00e4nnliche Untreue in ihren Arien stimmlich deutlich werden l\u00e4\u00dft. <strong>Regula M\u00fchlemann <\/strong>im Petticoat-Kleid mit rosa Strickj\u00e4ckchen ist eine Schweizerdeutsch sprechende Serpetta, die dem ersten Teil der Oper durch ihren Auftritt etwas Komisches geben kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein h\u00f6chst verwirrend angelegter, K\u00e4lte ausstrahlender erster Teil der Oper wurde von einem zweiten, eher milder gestimmten Teil abgel\u00f6st. Mancher Einfall des Regisseurs wirkte gelungen, mancher lie\u00df aber den Zuh\u00f6rer ratlos zur\u00fcck. Die Qualit\u00e4t der musikalischen Interpretation blieb w\u00e4hrend der dreist\u00fcndigen Auff\u00fchrungsdauer eine Art Rettungsanker. Die eine H\u00e4lfte des Publikums rief im Schlu\u00dfapplaus Bravo, die andere hielt mit anhaltenden Buh-Rufen dagegen.<\/p>\n<p>Carola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: Ruth Walz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Stephan R\u00fcgamer (Podest\u00e0), Joel Prieto (Contino Belfiore)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756\u20131791), Neufassung des Librettos von Hans Neuenfels, Musiktexte von Giuseppe Petrosellini, UA: 13. 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