{"id":434,"date":"2008-11-29T23:31:48","date_gmt":"2008-11-29T21:31:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=434"},"modified":"2008-11-30T23:39:51","modified_gmt":"2008-11-30T21:39:51","slug":"weimar-deutsches-nationaltheater-jenufa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=434","title":{"rendered":"Weimar, Deutsches Nationaltheater  &#8211; JENUFA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek, Oper in drei Akten aus dem m\u00e4hrischen Bauernleben; Libretto: Gabriele Preissov\u00e1 nach dem Drama Ihre Stieftochter; Deutsche \u00dcbersetzung: Max Brod; UA: 21. Januar 1904, Br\u00fcnn, Nationaltheater<br \/>\nRegisseur: Calixto Bieito, B\u00fchne: Susanne Gschwender, Kost\u00fcme: Ingo Kr\u00fcgler<br \/>\nDirigent: Martin Hoff, Orchester der Staatskapelle, Philharmonischer Chor Weimar<br \/>\nSolisten: Christine Hansmann (die alte Buryja), Thomas Piffka (Laca), Pieter Roux (Stewa Buryja), Leandra Overmann (K\u00fcsterin Buryja), Johanna Stojkovic (Jenufa), Alexander G\u00fcnther (Altgesell), Mario Hoff (Dorfrichter), Silona Michel (Frau des Dorfrichters) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 15. November 2008 (Premiere) Es war eine \u00dcbernahme von der Oper Stuttgart.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"weimar-jenufa.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/weimar-jenufa.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"weimar-jenufa.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/weimar-jenufa.jpg\" \/><\/a>In einem m\u00e4hrischen Dorfe lebt die junge Jenufa. Sie ist unehelich schwanger vom Lebemann Stewa, der sich lieber vergn\u00fcgt, als zu seiner Verantwortung zu stehen. Stewas Halbbruder, der einfache Laca, liebt sie, wird bei seinen Ann\u00e4hrungsversuchen jedoch stets von ihr abgewiesen. Jenufa hofft auf eine Heirat mit Stewa. Doch als Laca nach erneuter Zur\u00fcckweisung, eifers\u00fcchtig geworden, mit einem Messer ihr ins Gesicht schneidet, wendet sich Stewa g\u00e4nzlich von ihr ab. Die K\u00fcsterin Buryja, Ziehmutter Jenufas, die von der Schwangerschaft Jenufas ahnt, versteckt Jenufa in der N\u00e4he des Dorfes, um die Geburt des Kindes geheim zu halten. Als Buryja von der geplanten Verm\u00e4hlung Stewas mit der Tochter des Dorfrichters erf\u00e4hrt, wei\u00df sie auch um die damit verbundene Entehrung f\u00fcr ihre Ziehtochter und deren Familie. Sie fa\u00dft den Entschlu\u00df, das neugeborene Kind ohne Wissen Jenufas zu t\u00f6ten. Nachdem Jenufa dessen Tod bemerkt, ist sie seelisch zerrissen. Sie wendet sich in ihrer Hilflosigkeit an Laca. Schlie\u00dflich wollen sie heiraten. Doch am Tage der Hochzeit wird die Kindesleiche entdeckt und die K\u00fcsterin Buryja bekennt sich zur Tat. Jenufa begreift das Motiv f\u00fcr den Mord und verzeiht ihr. Laca h\u00e4lt weiter zu ihr und beide versuchen einen Neuanfang.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Handlung wird von <strong>Calixto Bieit<\/strong>o in die Gegenwart versetzt. So weicht die einsame M\u00fchle im Libretto einer Industriehofkulisse mit Altkleiderlager. Die W\u00e4nde sind mit Graffitis beschmiert, lediglich Drogen und eine Tischtennisplatte am rechten Rand der B\u00fchne bieten den Protagonisten Ablenkung in dieser trostlosen Umgebung. Dem ungeachtet b\u00fc\u00dft die Inszenierung nichts an Aussagekraft ein, vielmehr wird man als Publikum sensibilisiert. Denn in der vertrauten Industrieszenerie f\u00e4llt es schwer, einen Kindesmord und dessen Beweggr\u00fcnde in eine vergangene Zeit und andere Kultur einzuordnen. Mit einer Verengung der B\u00fchne im zweiten Akt schaffen es Calixto Bieito und <strong>Susanne Gschwender<\/strong> (B\u00fchne), den seelischen Kampf der K\u00fcsterin um eine Entscheidung und den Druck, dem sie dabei ausgeliefert ist, auch szenisch darzustellen. Die schauspielerische Eindringlichkeit der Akteure und wirklichkeitsnahe Andeutungen sexueller und gewaltt\u00e4tiger Art verdeutlichen die scheinbare Unausweichlichkeit des Geschehens. Im Gegensatz zu ihrem <strong>Stuttgarter Pendant<\/strong> wird die <strong>Weimarer Inszenierung <\/strong>allerdings in deutscher Sprache aufgef\u00fchrt und erleichtert es dabei oftmals, dem \u00dcberma\u00df an Aktion und Gesten auch abseits der Haupthandlung zu folgen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie wohl schwierigsten Partien der Oper hatte <strong>Leandra Overmann<\/strong> (K\u00fcsterin) zu bew\u00e4ltigen. Sie sang auch bei der fr\u00fcheren Stuttgarter Auff\u00fchrung. Zu einem hohen Ma\u00df an schauspielerischer Pr\u00e4senz kam erschwerend eine Bronchitis, die sich auf ihre Stimme schlug. Dennoch meisterte sie den steten Wechsel zwischen Gesangs- und Sprechmotiven mit viel Gef\u00fchl und Erfahrung. Das leicht Rauhe und Kratzige in der Stimme war in hohen und kr\u00e4ftigen Passagen kaum mehr zu vernehmen und trug so nur um so mehr zur Glaubw\u00fcrdigkeit ihrer tragischen Rolle bei. <strong>Thomas Piffka<\/strong> (Laca) bestach neben klaren Linien auch in den hohen Lagen durch jenen warmen und vollen Klang, den man bei dieser Rolle erwartet. Ohne Probleme vermochte er es, sich selbst gegen die lauten Orchesterpassagen durchzusetzen. \u00dcberraschend und erfrischend wirkte <strong>Alexandra Steiner <\/strong>(Jano). Sie entwickelte einen solch glanzvollen Ton, der die Aufmerksamkeit des Publikums f\u00f6rmlich auf sich zog und am Ende mit begeistertem Applaus gew\u00fcrdigt wurde. <strong>Martin Hoff<\/strong> dirigierte die <strong>Staatskapelle<\/strong> souver\u00e4n durch jegliche Schwierigkeiten der Partitur. Dabei sorgte er daf\u00fcr, da\u00df die musikalische Entwicklung trotz vieler kleiner Motive und Phrasen klar erhalten blieb.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine eindrucksvolle und ergreifende Interpretation, bei der das \u00dcbergewicht an szenischer Darstellung die Musik jedoch zu sehr in den Hintergrund r\u00fccken l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Hannes G\u00fcntherodt<br \/>\nBild: Charlotte Burchard<br \/>\nDas Bild zeigt Leandra Overmann (Jenufa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek, Oper in drei Akten aus dem m\u00e4hrischen Bauernleben; Libretto: Gabriele Preissov\u00e1 nach dem Drama Ihre Stieftochter; Deutsche \u00dcbersetzung: Max Brod; UA: 21. 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