{"id":4333,"date":"2012-12-02T22:17:28","date_gmt":"2012-12-02T21:17:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4333"},"modified":"2012-12-02T22:17:28","modified_gmt":"2012-12-02T21:17:28","slug":"ariadne-auf-naxos-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4333","title":{"rendered":"ARIADNE AUF NAXOS &#8211; Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: erste Fassung: 25. Oktober 1912, Hoftheater Stuttgart, zweite Fassung: 4. Oktober 1916 Wien, Hofoper<\/p>\n<p>Regie: Michael Sturminger, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Renate Martin, Andreas Donhauser<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker<\/p>\n<p>Solisten: Silvana Dussmann (Ariadne), Michaela Selinger (Komponist), Julia Bauer (Zerbinetta), Jeffrey Dowd (Bacchus), Heiko Trinsinger (Musiklehrer), G\u00fcnter Kiefer (Harlekin), Andreas Hermann (Brighella) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. Dezember 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Essen-Ariadne.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4334\" title=\"Essen-Ariadne\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Essen-Ariadne.gif\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Essen-Ariadne.gif 233w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Essen-Ariadne-199x300.gif 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Prolog: Im Haus des \u201ereichsten Mannes von Wien\u201c soll <em>Ariadne auf Naxos <\/em>uraufgef\u00fchrt werden, das Erstlingswerk eines jungen Komponisten. Au\u00dferdem hat der hohe Herr bei einem Tanzmeister ein St\u00fcck der italienischen Improvisationskom\u00f6die, der Commedia dell\u2019Arte, bestellt. Als auch noch ein Feuerwerk gew\u00fcnscht wird, ger\u00e4t der Haushofmeister in Zeitnot \u2013 und ordnet kurzerhand an, da\u00df Oper und Burleske zugleich aufgef\u00fchrt werden. Der Komponist ist emp\u00f6rt, f\u00fcgt sich aber auf Dr\u00e4ngen seines alten Musiklehrers in das Unabwendbare. Die Oper beginnt: Auf einer Insel trauert Ariadne um Theseus, der sie verlassen hat. Vergebens versuchen die leichtlebige Zerbinetta und ihre Commedia dell\u2019Arte-Truppe, Ariadne aufzumuntern. Erst der junge Gott Bacchus, den die Verzweifelte anfangs f\u00fcr den Todesboten h\u00e4lt, holt sie ins Leben zur\u00fcck. Sie brechen zu einer gemeinsamen Zukunft auf.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt \u2013 die B\u00fchne des Aalto-Theaters, kurz vor einer Auff\u00fchrung. Die Nerven aller Beteiligten liegen blank, es gibt Streit und Eifers\u00fcchteleien. Zerbinetta und ihre Kom\u00f6dianten (eine Halbstarkentruppe, die erst einmal gen\u00fc\u00dflich ein Fastfood-Men\u00fc auspackt und es auf der f\u00fcr Ariadne bereitstehenden \u201ew\u00fcsten Insel\u201c verspeist) sorgen vollends f\u00fcr Chaos, ihre an Casting-Shows erinnernden Tanzeinlagen treiben den Komponisten zur Verzweiflung. Schlie\u00dflich hat man sich so weit sortiert, da\u00df die Auff\u00fchrung beginnen kann. Zeit- und Spielebenen vermischen sich die Zeit- und Spielebenen: Die Rokoko-Kost\u00fcme der Ariadne-Handlung sto\u00dfen auf das moderne Outfit der Kom\u00f6dianten, und immer wieder treten die Darsteller aus ihren Rollen. Komponist, Musiklehrer, Tanzmeister und B\u00fchnenarbeiter bleiben Teil des Geschehens. Dabei kommen sich Zerbinetta und der Komponist immer n\u00e4her. Am Ende siegt die Liebe, ohne Einschr\u00e4nkung und f\u00fcr jeden: Au\u00dfer Ariadne und Bacchus haben sich noch eine ganze Reihe gl\u00fccklicher Paare gefunden, einschlie\u00dflich Harlekin und der Tanzmeister, die selig den Sonnenuntergang (und das Feuerwerk) beobachten. Oper und \u201ewirkliches Leben\u201c sind eins geworden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Lebenslust und Todessehnsucht: Die <strong>Essener Philharmoniker <\/strong>unter <strong>Stefan Soltesz <\/strong>haben die gegens\u00e4tzlichen Seiten der komplizierten Partei gleicherma\u00dfen tief durchdrungen. Musiziert wird hingebungsvoll, weich und geschmeidig, sowohl bei den intimen, kammerspielartigen Momenten als auch bei der schwelgerischen Opulenz des Finales. St\u00e4ndiger Begleiter ist dabei eine gewisse Eulenspiegelei, augenzwinkernd und verspielt, bei der sich der Wiener Soltesz offensichtlich besonders wohlf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Das Ensemble wird vom Orchester auf H\u00e4nden getragen, mit zum Teil sehr unterschiedlichen Ergebnissen. <strong>Silvana Dussmann<\/strong> (Ariadne), darstellerisch ganz distanzierte Primadonna, gelingen sch\u00f6n phrasierte, dynamisch differenzierte Melodieb\u00f6gen <em>Ein Sch\u00f6nes war<\/em>. Der Stimme fehlt es jedoch an W\u00e4rme und der spezifisch Strauss\u2018schen Leuchtkraft, die eher zu <strong>Michaela Selingers<\/strong> (Komponist) loderndem Mezzo geh\u00f6ren: Wenn sie sich zur Ekstase von <em>Die Musik ist eine heilige Kunst<\/em> aufschwingt, bleibt kaum jemand unber\u00fchrt. Schlicht und einfach wunderbar ist <strong>Julia Bauer <\/strong>(Zerbinetta) \u2013 nicht nur wegen der brillanten, irrwitzig gel\u00e4ufigen Koloraturen und der vollen, runden Spitzent\u00f6ne, sondern auch (und das fast noch mehr), weil ihre Virtuosit\u00e4t nicht Selbstzweck ist, sondern zu einem klug durchdachten, sehr sympathischen Rollenportr\u00e4t geh\u00f6rt. <strong>Jeffrey Dowd<\/strong> (Bacchus), ein Aalto-Urgestein, kann diesmal nicht \u00fcberzeugen: Er k\u00e4mpft sichtlich mit der kurzen, aber m\u00f6rderisch schweren Partie, die Stimme klingt matt und kraftlos, die hohen T\u00f6ne erreicht er nur mit schmerzvoller M\u00fche. Daf\u00fcr mu\u00df Dowd sogar vereinzelte Buhs einstecken. Aus dem Rest des perfekt aufeinander abgestimmten Ensembles ragen <strong>Heiko Trinsinger<\/strong> (Musiklehrer) mit charismatischem Bariton sowie <strong>G\u00fcnter Kiefer <\/strong>(Harlekin) und <strong>Andreas Hermann <\/strong>(Brighella) mit sch\u00f6nen Soli (etwa Brighellas <em>Es gilt, ob Tanzen, ob Singen tauge<\/em> hervor.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Regisseur <strong>Michael Sturminger <\/strong>liegt das St\u00fcck sichtlich am Herzen. Damit befindet er sich auf einer Wellenl\u00e4nge mit seinem Landsmann Soltesz, und diese Harmonie ist in jedem Moment sp\u00fcrbar. Sturminger gelingt mit viel Humor, aber auch gro\u00dfem Respekt vor Musik und Text das Kunstst\u00fcck, aus den so oft blockhaft nebeneinander stehen Teilen der Oper ein (ohne Pause gespieltes) szenisches Ganzes zu schaffen. Der Lohn: Gro\u00dfer, langanhaltender Beifall, f\u00fcr das Produktionsteam ebenso wie f\u00fcr das fast durchweg fantastische Ensemble.<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Matthias Jung<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: \u201eGro\u00dfe Liebe\u201c Michaela Selinger (Komponist) und Julia Bauer (Zerbinetta)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: erste Fassung: 25. Oktober 1912, Hoftheater Stuttgart, zweite Fassung: 4. 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