{"id":4328,"date":"2012-12-02T22:12:19","date_gmt":"2012-12-02T21:12:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4328"},"modified":"2012-12-02T22:12:19","modified_gmt":"2012-12-02T21:12:19","slug":"siegfried-mannheim-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4328","title":{"rendered":"SIEGFRIED &#8211; Mannheim, Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Richard Wagner (1813\u20131883), Musikdrama in drei Aufz\u00fcgen, Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto vom Komponisten, UA: 16. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Achim Freyer, Licht: Sebastian Alphons, Dramaturgie: Tilman Hecker<\/p>\n<p>Dirigent: Dan Ettinger, Orchester des Nationaltheater Mannheim, Puppenspiel des Nationaltheater Mannheim<\/p>\n<p>Solisten: Judith N\u00e8meth (Br\u00fcnnhilde), Edna Prochnik (Erda), Antje Bitterlich (Waldvogel), J\u00fcrgen M\u00fcller (Siegfried), Uwe Eik\u00f6tter (Mime), J\u00fcrgen Linn (Alberich), Fafner (Sung-Heon Ho), Wanderer (Thomas Jesatko)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. Dezember 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Mannheim-Siegfried.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4329\" title=\"Mannheim-Siegfried\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Mannheim-Siegfried.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"224\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Mannheim-Siegfried.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Mannheim-Siegfried-300x192.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Tod Sieglindes und Siegmunds w\u00e4chst Siegfried bei Mime, dem Bruder Alberichs auf. Mime trachtet danach, an den Hort der Nibelungen zu gelangen, der vom Riesen Fafner beh\u00fctet wird, welcher sich mittels des Tarnhelms in einen Drachen verwandelt hat. Der G\u00f6ttervater Wotan hat mittlerweile einen Gro\u00dfteil seiner Macht verloren und zieht als rastloser Wanderer durch die Welt. Bei einer Frage und Wette verliert Mime, der nicht wu\u00dfte, da\u00df Siegfried selbst sein Schwert neu schmieden werde, sein Leben an denjenigen, der das F\u00fcrchten nie gelernt hat. Siegfried erschl\u00e4gt furchtlos den Drachen, nimmt sich auf den Rat eines Waldvogels hin Ring und Tarnhelm und erschl\u00e4gt Mime. Das V\u00f6glein f\u00fchrt ihn schlie\u00dflich zum Br\u00fcnnhildenfels, wo Siegfried auf Wotan trifft, der ihn am Weitergehen hindern will. Siegfried zerschl\u00e4gt Wotans Speer, Symbol seiner Allmacht. Dann bahnt er sich den Weg durch das Feuer, erweckt Br\u00fcnnhilde und nimmt sie zur Frau.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der Clown Siegfried ist mit einem Teddy auf ein blutbeflecktes Krankenhausbett gefesselt, w\u00e4hrend Mime und Wotan als G\u00f6tter in Wei\u00df in der Wett-Szene die Weltpolitik der Ring-Tetralogie erfragen. Im weiteren bekommt der Zuschauer die M\u00f6glichkeit, auf einem Fernsehbildschirm Billig-Pornos zu schauen, w\u00e4hrend Mime mit der Antwort ringt, wer denn nun Nothung neu schmieden k\u00f6nne. Alberich erscheint in der Gestalt Adolf Hitlers. Die Maskierung hat einen leichten Hang zur Komik, in der gestischen Umsetzung wirkt diese Personifizierung allerdings eher monumental. Der Kampf Siegfrieds mit Fafner spielt sich auf einer Meta-Ebene als Marionettentheater ab. Ein h\u00fcpfender Drache und ein t\u00e4nzelnder Siegfried en miniature entscheiden hier \u00fcber das weitere Schicksal von G\u00f6ttern und Menschen. In der Haupthandlung bleiben ein zweigeteilter Torso Fafners und ein enthaupteter Mime zur\u00fcck, indes Siegfried Purzelb\u00e4ume und R\u00e4der schlagend dem Waldvogel folgt. Die statuenhafte Erda erinnert in ihrem Strahlenkranz ikonographisch an das Apokalyptische Weib. Ebenso symbolschwanger ist eine leuchtende Hand, die den Ring skizziert, als Tarnhelm hat man einen \u00fcbergro\u00dfen schwarzen Zylinder gew\u00e4hlt; beides liegt vergessen am B\u00fchnenrand. In einem \u00fcberdimensionalen wei\u00dfen Kleid schwebt in der Schlu\u00dfszene Br\u00fcnnhilde im offenen B\u00fchnenraum, w\u00e4hrend Siegfried vergebens versucht, sich mit einer Leiter anzun\u00e4hern.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dan Ettingers <\/strong>Dirigat<strong> <\/strong>wirkt an mancher Stelle noch etwas unentschlossen in der Wahl der Tempi und in der dramatischen Ausdeutung der Leitmotive. Im zweiten und dritten Akt jedoch steigert sich die Ausdifferenzierung vor allem in der Erda-Szene und der Wiedererweckung Br\u00fcnnhildes. Insbesondere die Behandlung gro\u00dffl\u00e4chiger Farbtableaux wie die d\u00fcstere Welt der Nachtalben im Gegensatz zur Naturidylle des Waldwebens lassen aufhorchen. <strong>Uwe Eik\u00f6tter<\/strong> als Mime wirkt in weiten Teilen seiner Interpretation etwas brav und wenig malizi\u00f6s, wie auch <strong>J\u00fcrgen M\u00fcller<\/strong> als Siegfried wird er leider oftmals von den Klanglawinen des Orchesters \u00fcberrollt. M\u00fcller ist in den heroischen Momenten wie der Schmiede-Szene etwas zur\u00fcckhaltend, das Duett mit Br\u00fcnnhilde dagegen gelingt ihm mit emotionaler \u00dcberzeugungskraft. <strong>Judith N\u00e9meths<\/strong> Timbre ist mit warmer Tiefe und schillernder H\u00f6he gesegnet. Auch im Fortissimo-Bereich ist ihr Ausdruck weich und geschmeidig. <strong>Antje Bitterlich<\/strong> als Waldvogel verf\u00fcgt \u00fcber eine ungemein beweglich-schwebende H\u00f6he und eine Leichtigkeit der Stimmf\u00fchrung. <strong>Edna Prochnik<\/strong> verleiht ihrer Partie als Erda mit einer rauen, gaumenlastigen Stimme einen individuellen kassandrahaften Charakter. Der d\u00fcstere Held des Abends war zweifellos <strong>J\u00fcrgen Linn<\/strong>, der kurzfristig die Premierenpartie Alberichs \u00fcbernahm. Seine Artikulation ist \u00fcberragend klar, sein Ausdruck verteufelt authentisch. Auch hat er an keiner Stelle gegen den opulenten Orchesterapparat anzuk\u00e4mpfen \u2013 die Stimme ist raumf\u00fcllend. Auch <strong>Thomas Jesatko<\/strong> (Wotan) machte seiner Partie alle Ehre. Die etwas im K\u00f6rper verankerte Stimme spiegelte einen besonnenen, v\u00e4terlichen Herrscher wider, der insbesondere im Gegensatz zu Linns Alberich den starken Kontrast von Licht- und Schwarzalben zur Geltung brachte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die oftmals beschworene Aufteilung in Mythos und M\u00e4rchen wird in Achim Freyers Inszenierung zu einem Wechselspiel von Horrorfilm und Harlekinade. Die Bilder sind stark, doch an mancher Stelle l\u00e4\u00dft dieser \u201edisguised symbolism\u201c den Zuschauer im Dunkeln. Nach einem umstrittenen Beginn mit <em>Rheingold<\/em> hat das Mannheimer Ring-Konzept an innerer Stringenz gewonnen, was beim Schlu\u00dfapplaus gleicherma\u00dfen f\u00fcr Buhs und Bravos sorgte. Nach reiflicher \u00dcberlegung ist das Fazit durchaus: Bravo!<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Uwe Eik\u00f6tter (Mime), J\u00fcrgen M\u00fcller (Siegfried)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Richard Wagner (1813\u20131883), Musikdrama in drei Aufz\u00fcgen, Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto vom Komponisten, UA: 16. 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