{"id":432,"date":"2008-11-29T23:22:04","date_gmt":"2008-11-29T21:22:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=432"},"modified":"2008-11-30T23:31:46","modified_gmt":"2008-11-30T21:31:46","slug":"leipzig-oper-der-fliegende-hollander","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=432","title":{"rendered":"Leipzig, Oper &#8211; DER FLIEGENDE HOLL\u00c4NDER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 2. Januar 1843 in Dresden.<br \/>\nRegie: Michael von zur M\u00fchlen, B\u00fchnenbild: Natascha von Steiger, Kost\u00fcme: Dorothee Scheiffarth<br \/>\nDirigent: Leopold Hager, Gewandhausorchester und Chor der Oper Leipzig<br \/>\nSolisten: James Moellenhoff (Donald), Edith Haller (Senta), Michael Baba (Erik), Susan Maclean (Mary), Dan Karlstr\u00f6m (Steuermann), Wolfgang Brendel (Holl\u00e4nder), Peggy Pl\u00e4tzer (S\u00fcdwind, Engel)<br \/>\nBesuchte zweite Vorstellung: 14. November 2008 ( Premiere am 11. Oktober)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"leipzig-fliegender-hollande.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/leipzig-fliegender-hollande.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"leipzig-fliegender-hollande.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/leipzig-fliegender-hollande.jpg\" \/><\/a>Das Schiff des Daland sucht Schutz vor einem Sturm in einer Bucht. W\u00e4hrend die Mannschaft ruht, landet auch das Schiff des Holl\u00e4nders, der einst die Natur und Gott herausgefordert hatte und dazu verdammt ist, ewig auf See zu sein. Alle sieben Jahre darf er an Land, um eine Frau zu finden, die ihn durch ihre Treue erl\u00f6st. Deshalb wirbt er bei Daland um dessen Tochter Senta. Daland, beeindruckt von den Sch\u00e4tzen des Holl\u00e4nders, stimmt zu.<br \/>\nDie M\u00e4dchen zuhause erwarten singend und spinnend die R\u00fcckkehr ihrer zur See fahrenden Liebsten. Senta bittet ihre Amme Mary vom Fliegenden Holl\u00e4nder zu erz\u00e4hlen, sie f\u00fchlt sich berufen, den \u201earmen Mann\u201c zu erl\u00f6sen. Senta wird vom jungen J\u00e4ger Erik umworben. Pl\u00f6tzlich erscheint ihr Vater mit dem Holl\u00e4nder, und sofort verlieben sich beide ineinander. Man r\u00fcstet zum Hochzeitsfest. Herausfordernd will man auch die Mannschaft des Holl\u00e4nders einladen, doch aus dem Schiff schallt nur be\u00e4ngstigendes geisterhaftes Dr\u00f6hnen zur\u00fcck. Erik erinnert Senta, da\u00df sie ihm Treue gelobt habe, was Senta erschrocken leugnet. Der Holl\u00e4nder hat das Gespr\u00e4ch mitgeh\u00f6rt und ist sich sicher, da\u00df Senta ihm nicht die erhoffte Treue halten kann und eilt zu seinem Schiff. Doch Senta setzt ihm nach, verk\u00fcndet ihm treu bis zum Tod zu sein und st\u00fcrzt sich vom Felsen ins Meer.<br \/>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><br \/>\nSelten wurde eine Premiere so heftig in der Presse kritisiert, hier wegen brutaler Videofilme im Hintergrund. Daraufhin wurde die n\u00e4chste Vorstellung abgesetzt, zwei besonders blutr\u00fcnstige Video-Filme gestrichen und James Johnson gab wegen des Gel\u00e4chters des Publikums bei seiner Auftritts-Arie seine Titel-Rolle zur\u00fcck: Das Publikum kann mit schwarzen Engelsfl\u00fcgeln f\u00fcr den Holl\u00e4nder nichts anfangen. So fand die Erstauff\u00fchrung der ge\u00e4nderten Fassung mehr als einen Monat nach der Premiere statt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung von <strong>zur M\u00fchlen<\/strong> dreht sich um zwei Aussagen: Zum einen geht es darum, da\u00df der Holl\u00e4nder durch die H\u00e4usermeere unserer Zeit streift, in denen Daland und seine Mannschaft (eben die Menschheit) zu stranden droht. Die Damenwelt dagegen wird kritisiert, da\u00df sie f\u00fcr die Ern\u00e4hrung durch Fleisch steht \u2013 und f\u00fcr die Fleischversorgung durch Schlachth\u00f6fe. Die Untermalung durch Filmszenen, die die industrielle Massentierhaltung kritisiert, geht allerdings in einer Gewalt- und Blut-Orgie unter. Die gestrichenen Filmeinspielungen stammen aus diesem Bereich, hingegen lies die beeindruckende Untermalung des Anfangs mit Autolichtern auf innerst\u00e4dtischen Autobahnen noch Hoffnung aufkommen. Auch die Darstellung der Beziehung zwischen Senta und Holl\u00e4nder als v\u00f6llig lieblos und nur von Daland erzwungen, hatte einen gewissen Aussagewert. Aber sp\u00e4testens die personifizierte Erscheinung des S\u00fcdwinds als leichtes M\u00e4dchen nach ach lieber S\u00fcdwind blase doch lies Zweifel aufkommen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nEinen Monat nach der Premiere besteht schon wieder dringender Probenbedarf: Im Zusammenspiel liegen Orchester, Chor und Solisten teilweise um Takte auseinander. Starke Unsicherheiten auch im Orchester in fast allen Stimmgruppen, ein ungew\u00f6hnlicher Vorgang f\u00fcr das Gewandhausorchester und unverst\u00e4ndlich gegen\u00fcber den bisherigen Vorstellungen der Oper Leipzig.<br \/>\nEine sichere Bank ist dagegen der Chor und die Solisten. Sie bieten eine solide Leistung!. Umjubelter Star des Abends ist <strong>James Moellenhoff<\/strong> , Mitgliede der Leipziger Oper, als Daland, der mit seinem Ba\u00df eine wohlt\u00f6nende Tiefe erreicht, in der H\u00f6he keine Probleme hat und die Rolle \u00fcberzeugend stimmlich und darstellerisch gestalten kann. Mindestens genauso gut ist der Einspringer <strong>Wolfang Brendel<\/strong> in der Titelrolle, der bez\u00fcglich der Inszenierung deutlich kritische Distanz zeigte. Entdeckung des Abends ist <strong>Michael Baba<\/strong> als Erik, der mit einem zart schmelzenden lyrischem Tenor auch im forte die Herzen der Zuh\u00f6rer im Sturm eroberte. <strong>Edith Haller<\/strong> ist ein dramatischer Sopran, der technisch sicher in der Ballade gl\u00e4nzen konnte, jedoch manchmal eine Sch\u00e4rfe in der H\u00f6he zeigt. <strong>Dan Karlstr\u00f6m<\/strong> ist als Nachwuchss\u00e4nger mit dem Steuermann auf dem richtigen Weg, wenn er auch eher mit Pfeife und Muskelshirt beeindruckte.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDieser Holl\u00e4nder ist keinesfalls ein Theaterskandal, sondern eine \u00e4u\u00dferst schwache Vorstellung, die vom Publikum mit Gel\u00e4chter quittiert wird. Und der inflation\u00e4re Einsatz nichtssagender Videofilme und des weiblichen Nackedeis waren nach anf\u00e4nglicher Erheiterung sp\u00e4testens nach der dritten wackelnden Runde \u00fcber die B\u00fchne deutlich \u00fcberzogen: Der Gedanke an Laientheater kam auf.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: Andreas Birkigt: Das Bild zeigt Senta mit dem Weltuntergang<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 2. Januar 1843 in Dresden. 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