{"id":430,"date":"2008-11-28T23:14:50","date_gmt":"2008-11-28T21:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=430"},"modified":"2008-11-30T23:47:59","modified_gmt":"2008-11-30T21:47:59","slug":"theater-erfurt-der-richter-und-sein-henker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=430","title":{"rendered":"Erfurt, Theater &#8211; DER RICHTER UND SEIN HENKER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Franz Hummel; Oper (in 12 Szenen und 1 Vorspiel); Text von Sandra Hummel; Urauff\u00fchrung und Auftragswerk des Theaters Erfurt.<br \/>\nRegie\/Choreographie: Rosamund Gilmore, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Carl Friedrich Oberle<br \/>\nDirigent: Gerd Herklotz, Philharmonisches Orchester und Opernchor Erfurt<br \/>\nSolisten: Petteri Falck (B\u00e4rlach), Marwan Shamiyeh (Tschanz), Alice Rath (Anna), Robert W\u00f6rle (Gastmann), Mate Solyom-Nagy (Frau Sch\u00f6nler), Dario S\u00fc\u00df (Lutz), Olaf M\u00fcller (D\u00fcrrenmatt), Manuel Meyer (Pfarrer), Stefan Wey (von Schwendi), Reinhard Becker (Diener) u.a.<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 8. November 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/erfurt-der-richter-und-sein.jpg\" TITLE=\"erfurt-der-richter-und-sein.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/erfurt-der-richter-und-sein.jpg\" ALT=\"erfurt-der-richter-und-sein.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die Handlung orientiert sich am Kriminalroman Der Richter und sein Henker von Friedrich D\u00fcrrenmatt, ein linearer Handlungsfaden ist allerdings nicht zu finden. Nach Vorspiel im Niemandsland bringt D\u00fcrrenmatt nach und nach seine Figuren ins Spiel: Kommissar Tschanz ist im Gespr\u00e4ch mit der gebrochenen Anna, der Verlobten des ermordeten Polizisten Schmied. Gastmann und Kommissar B\u00e4rlach streiten \u00fcber den Zufall: Vor Jahren konnte B\u00e4rlach einen Mord nicht nachweisen, nun will er Gastmann durch einen Zufall zu Fall bringen. Polizeichef Lutz erkundigt sich bei B\u00e4rlach \u00fcber dessen Gesundheitszustand, der nicht zum Besten ist, und den Fortgang der Ermittlungen. Anna h\u00e4ngt Ihren Gedanken \u00fcber Ihren toten Verlobten nach. Tschanz sinniert \u00fcber seinen toten Kollegen, den er um seine Bildung und die sch\u00f6ne Anna beneidete. Auf einer Party bei Gastmann entdecken die reichen G\u00e4ste, da\u00df der tote Schmied in ihren Kreisen als Dr. Prantl ermittelte. B\u00e4rlach verk\u00fcndet Gastmann sein nahes Ende, er w\u00fcrde f\u00fcr ein Verbrechen gerichtet, das er nicht begangen hat. Gastmann verlacht ihn. Tschanz versucht sich Anna zu n\u00e4hern, wird aber von B\u00e4rlach zur\u00fcckgewiesen. Nach einem Albtraum B\u00e4rlachs ist Tschanz entschlossen, den M\u00f6rder selbst zu stellen. Das Finale findet vor offenen Gr\u00e4bern statt: Vor der Leiche Tschanz, der sich erh\u00e4ngt hat, kommt es zu einem grotesken Totentanz.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<em>Den Handlungsverlauf der Textvorlage nur vage andeutend, lenkt die Oper die Blicke vor allem in die Abgr\u00fcnde jenseits des kriminalistischen Plots \u2013 werden die psychischen und physischen Leiden jeder einzelnen Figur h\u00f6r- und sichtbar<\/em>. Soweit die Erl\u00e4uterungen des Komponisten und des Textdichters, des Ehepaares Hummel, abgedruckt in der Theaterzeitung.<br \/>\nNur zusammen mit der Inhaltsbeschreibung wird verst\u00e4ndlich, warum von einer geradlinigen Handlung nicht geredet werden kann. Aber auch die Inszenierung von <strong>Rosamund Gilmore<\/strong> kann die Motivation der Handelnden nicht erl\u00e4utern. Es wird keine Spannung erzeugen. Insgesamt weist das St\u00fcck erm\u00fcdende L\u00e4ngen auf, allein die abschlie\u00dfende Beerdigungsszene zieht sich mehrere Minuten hin. Auch f\u00fchrt die Doppelung der Hauptrollen mit den T\u00e4nzern als Schatten zu einem regelrechten Gewimmel auf der B\u00fchne und zu erheblichen Irritationen im Publikum, z.B. als sich die Schatten gemeinsam zum Sterben auf den Boden legen und gelangweilt (?) auf den Boden klopfen, geht die Handlungslinie in Verwirrung unter. Daher w\u00e4re der Titel \u201eSieben Darsteller suchen eine Handlung\u201c eher angebracht. Etwaige \u00c4hnlichkeiten mit D\u00fcrrenmatts Werk bleiben selten und rein zuf\u00e4llig.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n\u00dcber die Leistungen der S\u00e4nger kann man wenig sagen, da zum einen das St\u00fcck \u00fcber weite Teile im Parlando- oder Sprechgesang l\u00e4uft, zum anderen aufgrund der Inszenierung elektronisch verst\u00e4rkt wurde, obwohl die Akustik des Hauses normalerweise ausgezeichnet ist.<br \/>\nDas <strong>Orchester<\/strong> unter der Leitung von <strong>Gerd Herklotz<\/strong> untermalte \u00fcber weite Strecken nur den Sprechgesang und konnte nur in der Begleitung der Solost\u00fccke \u00fcberzeugen und seine Leistungsst\u00e4rke unter Beweis stellen. Ein solches Solost\u00fcck war die Glanznummer des St\u00fcckes, das <strong>Mate Solyom-Nagy<\/strong> als Frau Sch\u00f6nler (unterst\u00fctzt durch ihren Schatten Michael Kitzeder) unter starkem Beifall bzw. Gel\u00e4chter des Publikums vortrug: <em>Vom Himalaja blickt man herunter<\/em>. Das hatte zwar nichts mit dem St\u00fcck zu tun, aber der Tanzauftritt der beiden als Reinigungsduo mit Staubsauger war wirklich unterhaltsam. Auch musikalisch kann man dieses Solost\u00fcck als kompositorischen H\u00f6hepunkt bezeichnen \u2013 zusammen mit den <em>Br\u00fccken am Bosporus<\/em> und dem <em>Solothurner Polizistenlied<\/em>. Auch ein kurzer Auftritt einer Blas- und Jazzkapelle war zwar musikalisch bewegend, doch f\u00fcr den Fortgang des St\u00fccks weniger wichtig. Die gute Leistung der <strong>Alice Rath<\/strong> als Anne, die ein gro\u00dfes Pensum hatte, mu\u00df man an dieser Stelle lobend erw\u00e4hnen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nTrotz des gro\u00dfen Aufwandes und redlichsten Bem\u00fchens des Theaters Erfurt nur freundlich verhaltener Beifall f\u00fcr ein Scheitern auf mittlerem Niveau. Nietzsche kritisierte einmal die von ihm ungeliebten Wagner-Opern als Ignoranz auf allen Ebenen. Von Langeweile hat er aber nichts gesagt.<br \/>\nDas St\u00fcck erreicht leider nie das Niveau der Erz\u00e4hlung D\u00fcrrenmatts. Es ist eher dem absurden Theater mit slapstickhaften Revueeinlagen zuzurechnen. In dem angek\u00fcndigten Zyklus der Literaturopern des Theaters Erfurt ist es kein Glanzpunkt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: L. Edelhoff<br \/>\nDas Bild zeigt: Die Beerdigungsszene zum Schlu\u00df mit Regenschirmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Franz Hummel; Oper (in 12 Szenen und 1 Vorspiel); Text von Sandra Hummel; Urauff\u00fchrung und Auftragswerk des Theaters Erfurt. 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