{"id":4280,"date":"2012-11-11T22:27:40","date_gmt":"2012-11-11T21:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4280"},"modified":"2012-11-17T22:29:13","modified_gmt":"2012-11-17T21:29:13","slug":"orpheus-in-der-unterwelt-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4280","title":{"rendered":"ORPHEUS IN DER UNTERWELT &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffon in 2 Akten, Libretto: Hector Cr\u00e9mieux u. Ludivic Hal\u00e9vy; in deutscher Sprache (von Carolyn Sittig, Kai We\u00dfler und Laura Scozzi), UA: 1858 Paris (erste Fassung), 1874 Paris (zweite Fassung)<\/p>\n<p>Regie: Laura Scozzi, B\u00fchne: Juliette Blondelle, Kost\u00fcme: Jean-Jacques Delmotte<\/p>\n<p>Dirigent: Gabor Kali, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Einstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Martin Platz (Orpheus), Leah Gordon (Eurydike), Leila Pfister (\u00d6ffentliche Meinung), Tilman Lichdi (Pluto), Martin Berner (Jupiter), Angelika Straube (Juno), Monika Reinhard (Diana), Lussine Levoni (Venus), Michaela Maria Mayer (Cupido), Tobias Link (Mars), Philip Carmichael (Merkur), Richard Kindley (Hans Styx) u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. November 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/N\u00fcrnberg-Orpheus.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4281\" title=\"N\u00fcrnberg-Orpheus\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/N\u00fcrnberg-Orpheus.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/N\u00fcrnberg-Orpheus.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/N\u00fcrnberg-Orpheus-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Orpheus und Eurydike haben sich auseinander gelebt. Orpheus, der die Nymphe Chloe verehrt, freut sich, da\u00df seine Frau von Pluto, der sich als Aristeus ausgegeben hat, in die Unterwelt entf\u00fchrt wird. Die \u00f6ffentliche Meinung jedoch verlangt von ihm, da\u00df er Eurydike von den G\u00f6ttern zur\u00fcckerbittet. Zusammen mit dem Olymp tritt Orpheus die Reise in die Unterwelt an. Dort versucht Jupiter Eurydike f\u00fcr sich selber in Gestalt einer Fliege zu entf\u00fchren. Von Pluto ermahnt, sie Orpheus zur\u00fcckzugeben, stellt er jenem die Bedingung, sich bei Verlassen des Hades nicht umzublicken, sonst m\u00fcsse Eurydike in der Unterwelt verbleiben. Als Jupiter einen Blitzstrahl entsendet, blickt sich Orpheus doch noch um, und Eurydike verweilt voller Freude von nun an bei den G\u00f6ttern.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns in einem Hochhaus unserer Tage. Im Erdgescho\u00df betreibt das Sozialamt N\u00fcrnberg ein B\u00fcro, gleich nebenan hat Eurydike einen Sch\u00f6nheitssalon. Im ersten Stock residiert, neben Orpheus Geliebter, Pluto alias Aristeus mit seinem Zerberus alias (dem gut dressierten) Sch\u00e4ferhund Bongo. W\u00e4hrend des Vorspiels kommen die vier zur Sache und stellen viel k\u00f6rperlichem Einsatz das Kamasutra nach. Auf der Dachterrasse residieren die G\u00f6tter in einem Altersheim im Schlafanzug, mit Rollstuhl, Gehhilfe und Infusionsgalgen. F\u00fcr g\u00f6ttlichen Glanz sorgt Gott pers\u00f6nlich, der mit der schwangeren Maria und Joseph die Immobilie \u00fcbernimmt. In der Tiefgarage betreibt Pluto eine Cannabis-Plantage. F\u00fcr die Verteilung des Stoffes sorgt Hans Styx alias Adolf Hitler, unterst\u00fctzt durch Josef Stalin, Gaddafi und Bin Laden. Im Koksnebel wird der Galopp zu einem H\u00f6llen-Getrampel mit Gehhilfen, durch den auch Michael Jackson, die Beatles, Amy Winehouse oder Andy Warhol toben.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Abend leidet wesentlich darunter, da\u00df Gabor Kali keinen Zugang zu dieser \u201eheiteren franz\u00f6sischen Operette\u201c findet. Ohne Esprit, ohne Tempo, stellenweise zu gedehnt versanden die vielen musikalischen Kostbarkeiten und Einf\u00e4lle Offenbachs in einem Grauschleier, der sich \u00fcber den Abend senkt. Szenenapplaus gibt das m\u00fcde Publikum kaum von sich, erst zum H\u00f6llengalopp wacht man auf, der leider nicht wiederholt wird. Einzig die Gags auf der B\u00fchne reizen das Publikum zu Reaktionen.<\/p>\n<p>Darunter leiden auch die Darsteller, wirken \u00fcber weite Strecken bla\u00df und zu leise. Den besten Eindruck hinterl\u00e4\u00dft noch der Mozart-Tenor <strong>Tilman Lichdi<\/strong> mit einem durchschlagsstarken Pluto mit Liebesglut, Ausdruck und Betonung \u2013 er hat sowohl lyrische als auch d\u00e4monische Momente. Auch der sonst so wortstarke <strong>Martin Berner <\/strong>als Jupiter wirkt gehemmt. V\u00f6llig bla\u00df bleibt <strong>Martin Platz<\/strong> in der Hauptrolle des Orpheus, von der Gluck-Arie <em>Ach ich habe sie verloren<\/em> bleibt ihm nur die Titelzeile. Auf sich aufmerksam machen kann <strong>Leah Gordon<\/strong> als Eurydike im kurzen Rock, als sehr verspielter Sopran, mit warmer und leichter lyrischer Stimme, technisch sauber und leuchtenden hohen Lagen \u2013 auch wenn man ihr etwas mehr Volumen und weniger Tremolo w\u00fcnscht. Erw\u00e4hnenswert <strong>Richard Kindley<\/strong> als Hans Styx, der darstellerisch als dummer Adolf \u00fcberzeugen kann und stimmlich mit <em>Als ich noch Prinz war von Arkadien<\/em> die Langeweile kurzfristig vertreiben kann. Dagegen ist <strong>Angelika Straube <\/strong>die Jupiter-Gattin Juno mit Haaren auf den Z\u00e4hnen, die auch den hysterisch keifenden Ton sehr gut trifft.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Selten ist eine solch heftige Publikumsreaktion zu erleben: gespalten zwischen pro und contra. Mag sein, da\u00df 22:30 auch f\u00fcr N\u00fcrnberg als Ende einer Vorstellung sp\u00e4t ist, aber so leer ist eine Premierenfeier schon lange nicht mehr gewesen. Daf\u00fcr ist das benachbarte Weinlokal Bocksbeutelstuben voll, die Wirtin eine \u201eKlagemauer\u201c: Humor mag eine zwiesp\u00e4ltige Angelegenheit sein und nicht jeder Witz kann ankommen.<\/p>\n<p>Beklagt wird vor allem das fehlende Feuer und Tempo in der Musik. Aber: F\u00fcr die Karnevalszeit in Franken auf jeden Fall die richtige Veranstaltung!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: In der H\u00f6lle (Tiefgarage) ist der Teufel los.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffon in 2 Akten, Libretto: Hector Cr\u00e9mieux u. 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