{"id":428,"date":"2008-11-27T23:08:13","date_gmt":"2008-11-27T21:08:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=428"},"modified":"2008-11-30T23:47:21","modified_gmt":"2008-11-30T21:47:21","slug":"landestheater-coburg-werther","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=428","title":{"rendered":"Coburg, Landestheater  &#8211; WERTHER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jules Massenet (1868-1912); Lyrisches Drama in vier Akten von Edouard Blau nach Johann Wolfgang von Goethe; UA: 1892 , Wien (in deutscher Sprache, 1893,Paris<br \/>\nRegie: Robert Lehmeier, Ausstattung: Tom Musch<br \/>\nDirigent: Alois Seidlmeier, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Kinderchor<br \/>\nSolisten: Milen Bozhkov (Werther), Franziska Rabl (Charlotte), Marek Reichert (Albert), Sofia Kallio (Sophie), Jason Nandor-Tomory (Johann), Christian Sturm (Schmidt), Michael Lion (Le Bailli, Amtmann)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 7.November 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/coburg-werther.jpg\" TITLE=\"coburg-werther.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/coburg-werther.jpg\" ALT=\"coburg-werther.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Bereits im Sommer studiert der Amtmann mit seinen Kindern Weihnachtslieder ein. Die \u00e4lteste Tochter Charlotte hat nach dem Tod der Mutter deren Rolle \u00fcbernommen und k\u00fcmmert sich r\u00fchrend um die j\u00fcngeren Geschwister. Werther begleitet Charlotte auf ein Fest, da ihr Verlobter Albert noch auf Reisen ist. Werther gesteht Charlotte seine Liebe. Diese hat auch Gef\u00fchle f\u00fcr ihn, hatte jedoch ihrer Mutter am Sterbebett versprochen, Albert zu heiraten.<br \/>\nAlbert und Charlotte sind nun verheiratet. Albert bietet Werther seine Freundschaft an, doch er kann seine Gef\u00fchle nicht kontrollieren. Charlotte r\u00e4t ihm, bis Weihnachten fortzugehen. Werther hat seinen Selbstmord klar vor Augen.<br \/>\nCharlotte liest voll Trauer wieder und wieder die Briefe Werthers. Weder die Schwester Sophie, noch Gebete k\u00f6nnen sie aufmuntern. Werther will Charlotte ein letztes Mal sehen. Er sucht sie auf und offenbart ihr seinen Todeswunsch. Charlotte weist ihn endg\u00fcltig zur\u00fcck. Brieflich bittet Werther Albert um die Leihgabe seiner Pistolen. Er bittet Charlotte sie ihm zu \u00fcbergeben. Sie versucht Werther zu finden, erreicht ihn jedoch zu sp\u00e4t. Im Moment seines Todes gesteht auch Charlotte ihre Liebe. Werther stirbt in ihren Armen \u2013 in der Weihnachtsnacht, aus der Ferne t\u00f6nt das Weihnachtslied der Kinder.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEin Einheitsb\u00fchnenbild, ver\u00e4nderbar durch Hubpodien und so immer wieder offen f\u00fcr neue Auftrittsm\u00f6glichkeiten, sowie ein Traum von einem rosa Nylonvorhang erweckt Assoziationen an die \u00c4sthetik der 50er Jahre. Auch alle Kost\u00fcme, vom Bademantel des Vaters bis hin zu den Kost\u00fcmen Charlottes und Sophies, \u00fcber die eleganten Smokings von Albert und Werther, \u00fcber die Golfanz\u00fcge von Johann und Schmidt: alles ist stimmig. <strong>Robert Lehmeier<\/strong> verwendet eine schwarz-wei\u00dfe Zeichnung der Charaktere, die ged\u00e4mpften Farben d\u00e4mpfen auch die Stimmung. Es gibt kaum Bewegung, nur eine stark reduzierte Gestik, die \u00e4u\u00dfere Handlung ist nur angedeutet: So findet der Ball nur mit Lichteffekten statt, w\u00e4hrend die Teilnehmer fast statisch im Raum stehen und ihre Beziehung zueinander reflektieren. Der Kinderchor am Anfang fungiert als harmlose Einleitung. Schon in der Ballszene nimmt das Schicksal eindrucksvoll seinen Lauf als die gescheiterte Dreiecksbeziehung Albert-Werther-Charlotte deutlich wird. Charlotte liebt Werther auf einer anderen Ebene als Albert. Werther wird das nie verstehen, nie \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Das Ende des zweiten Akts macht klar, da\u00df der gro\u00dfe Erfolg dieser Geschichte dem voyeuristischen Interesse am Leid unserer Mitmenschen verdankt, ohne wirklich Helfen zu wollen oder zu k\u00f6nnen: Johann und Schmidt sehen feixend dem Leiden Werthers zu. Der komplette vierte Akt ist nur dem Liebestod von Werther in den Armen Charlottes am Weihnachtsabend gewidmet. Diese gnadenlose Weihnachtsgeschichte ist dank der bis ins letzte durchdachten Personenf\u00fchrung und einer genialen Lichtregie von <strong>Klaus Br\u00f6ck<\/strong> eine sehr gelungene Weihnachtsoper.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nAn diesem Abend gibt es f\u00fcr diese geschlossene Leistung auf hohem Niveau nichts auszusetzen. <strong>Milen Bozhkov<\/strong> verf\u00fcgt als Werther \u00fcber eine strahlend sch\u00f6ne Mittellage mit unendlicher Mitleidsphase, <strong>Franziska Rabl<\/strong> (Charlotte) \u00fcber einen wundersch\u00f6nen Mezzo mit dem sie ihre innere Zerrissenheit wunderbar gestalten kann, <strong>Sofia Kallio<\/strong> (Sophie) ist ein zur\u00fcckhaltender weicher Sopran, <strong>Marek Reichert<\/strong> (Albert) ein in allen Lagen \u00fcberzeugender Bariton und <strong>Michael Lion<\/strong> \u00fcberzeugt mit sonorer Stimme. Auch die Nebenrollen sind ausgezeichnet besetzt. Das <strong>Orchester<\/strong> unter <strong>Alois Seidlmeier<\/strong> zaubert einen wunderbaren Abend mit viel weichem franz\u00f6sischem Charme, wenn es auch manchmal etwas zu laut wird. Extra zu loben ist, da\u00df es ihm gelingt, die Spannungsspitze des Leidens \u00fcber alle vier Akte zu halten. Besonders erw\u00e4hnenswert: der gut vorbereitete <strong>Kinderchor<\/strong>.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin Abend der zu Recht mit frenetischem Applaus f\u00fcr S\u00e4nger, Kinderchor, Dirigent, Orchester und Regie endet. Eine der seltenen Sternstunden der Oper, die auch die Frage aufwirft, weshalb dieses geniale St\u00fcck so selten gespielt wird.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: Henning Rosenbusch<br \/>\nDas Bild zeigt Charlotte und Ihre Geschwister (Kinderchor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jules Massenet (1868-1912); Lyrisches Drama in vier Akten von Edouard Blau nach Johann Wolfgang von Goethe; UA: 1892 , Wien (in deutscher Sprache, 1893,Paris Regie: Robert Lehmeier, Ausstattung: Tom Musch Dirigent: Alois Seidlmeier, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Kinderchor Solisten:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=428\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[],"class_list":["post-428","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-coburg-landestheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/428\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}