{"id":426,"date":"2008-11-24T16:53:32","date_gmt":"2008-11-24T14:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=426"},"modified":"2008-11-25T16:57:57","modified_gmt":"2008-11-25T14:57:57","slug":"bonn-opernhaus-das-pariser-leben-la-vie-parisienne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=426","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; DAS PARISER LEBEN &#8211; LA VIE PARISIENNE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880) Op\u00e9ra-bouffe in f\u00fcnf Akten; Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Halevy; UA 31. Oktober 1866, Theatre du Palais Royal, Paris. Bonner Fassung: Bernd Wilms<br \/>\nRegie: Andrea Schwalbach, B\u00fchne: Anne Neuser, Kost\u00fcme: Stephan von Wedel; Licht: Max Karbe, Choreographie: Rafaele Giovanola<br \/>\nDirigent: Wolfgang Lischke, Beethoven Orchester Bonn, Chor des Theaters Bonn, Choreinstudierung: Ulrich Zippelius;<br \/>\nSolisten: Roland Silbernagl (Baron de Gondremarck), Nina V. Vodop&#8217;yanova (Baronin de Gondremarck), Tansel Akzeybek (Gardefeu), Paul Brady (Bobinet), Anjara I.Bartz (Metella), Klaus Brantzen (Frick), Julia Novikova (Gabrielle), Julia Kamenik (Pauline), G\u00fcnter Alt (Madame de Quimper-Karadec), Mark Rosenthal (Der Brasilianer), Marianne Freiburg (Leonie). Ulrike Gmeiner (Louise), Brigitte Jung (Clara), Jeannette Katzer (Josephine), Anna Schwentner (Caroline), Katrin Schyns (Augustine), Annabel Cuny (Albertine), B\u00e4rbel Stenzenberger (Charlotte), Ladislav Rajn (Henri), Olaf Reinecke (Pierre)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 16. November 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkungen<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/bonn-das-pariser-leben.jpg\" TITLE=\"bonn-das-pariser-leben.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/bonn-das-pariser-leben.jpg\" ALT=\"bonn-das-pariser-leben.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Jacques Offenbach gilt in Deutschland publikumswirksam als Operettenkomponist, da es f\u00fcr die von ihm bevorzugte Gattung der mehraktigen Op\u00e9ra-bouffe keine ad\u00e4quate deutsche Bezeichnung gibt. Offenbachs \u201eOperetten\u201c sind durchweg Einakter in der Bedeutung \u201eKleine Oper\u201c. Der Wortwitz der franz\u00f6sischen Librettisten Meilhac und Hal\u00e9vy l\u00e4\u00dft sich nur schwer ins Deutsche \u00fcbertragen, so da\u00df man sich in Bonn zu der deutschsprachigen Fassung mit manchen Platit\u00fcden von Bernd Wilms entschlo\u00df, obwohl der Text h\u00e4ufig nicht zu verstehen war. Die neue Offenbach Edition von Christophe Keck bildet die Grundlage f\u00fcr die musikalische Einstudierung. Von den verschiedenen dort angegebenen Versionen stellt die Oper Bonn eine sinnvolle und \u00fcberzeugende Fassung zusammen, die das un\u00fcberschaubare Durcheinander doch nicht ganz entwirren kann.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nMit Schiff, Flugzeug und TGV treten Baronin und Baron de Gondremarck aus Schweden ihre Reise an, um das elegante Paris, aber auch das anr\u00fcchige Pariser Leben kennen zu lernen. Am Gare de l&#8217;Ouest bietet der Lebemann Gardefeu seinen Dienst als Fremdenf\u00fchrer an und geleitet die ahnungslosen und erwartungsfreudigen Schweden in sein Palais als feinere Filiale des Grandhotels, wo die fr\u00f6hliche Table d&#8217;h\u00f4te einen Vorgeschmack auf das rauschende Fest im Haus der abwesenden Madame de Quimper-Karadec am folgenden Abend bietet. Dieses Fest m\u00f6chte der Baron nat\u00fcrlich ohne seine Gattin genie\u00dfen. Die exquisit verkleidete Dienerschaft mimt vornehme Pariser Lebensart, die im Champagnerrausch, mit Hochwerfen der Beine und Einblicken in die R\u00fcschenunterw\u00e4sche sowie mit einer jener Galopps endet, die ja erst nach Offenbachs Tod mit <em>Cancan<\/em> bezeichnet wurden. Der ganze Schwindel fliegt auf, als unerwartet die Hausherrin Madame de Quimper-Karadec in der &#8222;Lasterh\u00f6hle&#8220; erscheint. Baron de Gondremarck erkennt zornig den Streich, den man ihm gespielt hat, w\u00e4hrend sich die Baronin zur eleganten Pariser Dame aufgeschwungen hat: Wunderbar! <em>Das Pariser Leben<\/em>!<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nTrotz Flugzeug und TGV erleben wir eine Reise in nostalgische Vergangenheit. <strong>Anne Neuser<\/strong> deutet mit ihren B\u00fchnenbildern den Beginn des industriellen Zeitalters an mit zahlreichen R\u00e4derwerken, die zusammen mit den k\u00f6stlich exotisch bemalten W\u00e4nden der Innenr\u00e4ume und der winterlichen Eisbahn sowie den Kost\u00fcmen von <strong>Stephan von Wede<\/strong>l einen herrlichen Rahmen f\u00fcr die fast revueartige Regie von <strong>Andrea Schwalbach<\/strong> bieten. Sie verlangt den Darstellern einen bewundernswerten K\u00f6rpereinsatz ab, der trotzdem noch das Singen zul\u00e4\u00dft. (Auf den Proben soll es sogar Verrenkungen und Zerrungen gegeben haben.) Gelegentlich schleicht sich vor allem bei den Dialogen Langeweile ein und nach der Pause kommt erst richtig Schwung auf mit den anr\u00fcchig-hinrei\u00dfenden Tanzszenen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Wolfgang Lischke<\/strong> und das <strong>Beethovenorchester Bonn<\/strong> bieten gleich mit der Ouvert\u00fcre den federnden und rhythmisch gepr\u00e4gten Offenbach-Klang und eine mitrei\u00dfende Schlu\u00dfsteigerung. Leider erf\u00fcllen sich die gehegten Erwartungen nicht immer, manches ger\u00e4t zu pauschal oder geht im B\u00fchnentrubel unter.<br \/>\nAber Wolfgang Lischke h\u00e4lt Orchester und B\u00fchne mit sicherer Hand zusammen, was bei quirligen Szenenabl\u00e4ufen nicht selbstverst\u00e4ndlich ist. In der Pariser Urauff\u00fchrung waren alle Rollen mit Ausnahme der Gabriele mit singenden Schauspielern besetzt. So ist es durchaus legitim, da\u00df die Oper Bonn diese Tradition mit einem Opern- und Schauspielensemble ber\u00fccksichtigt. <strong>Roland Silbernagl <\/strong>als Baron de Gondremarck setzt mit seiner leicht angerauhten Stimme mehr auf Sprechgesang, einige Intonationstr\u00fcbungen werden durch sein Spiel ausgeglichen. <strong>Nina V. Vodop&#8217;yanova<\/strong> gestaltet mit leichter Stimme die Entwicklung der Baronin de Gondremarck von der schwedischen Landfrau zur mond\u00e4nen Dame. <strong>Tansel Akzeybek<\/strong> und <strong>Paul Brady<\/strong> sind die Lebem\u00e4nner Gardefeu und Bobinet mit noblen Stimmen. Als Metella &#8211; eine Rolle, die selbst eine Regine Crespin nicht verschm\u00e4hte &#8211; begeistert <strong>Anjara I. Bartz <\/strong>mit ihrem geheimnisvollen Walzer-Rondeau Um <em>Mitternacht beginnt das Fest<\/em>, eine der sch\u00f6nsten Melodien Offenbachs. J<strong>ulia Novikova<\/strong> bietet h\u00f6hensichere Koloraturen und eine gem\u00fctvolle <em>Tyrolienne<\/em>. <strong>Julia Kamenik<\/strong> ist stimmsch\u00f6n im Duett mit dem Baron. Madame de Quimper-Karadec, eigentlich ein Mezzosopran, \u00fcbernimmt <strong>G\u00fcnter Alt<\/strong> mit wuchtiger Gestalt, urkomischem Spiel und rauhem Sprechgesang, die in der <em>Liebesnacht <\/em>Gel\u00e4chter hervorrufen. <strong>Mark Rosenthal<\/strong> als Brasilianer kann es kaum erwarten, in Paris zu sein. Sein Auftritt geriet nicht so effektvoll wie Offenbach ihn angelegt hat, aber hier mag der etwas schwerf\u00e4llige deutsche Text mitgespielt haben. <strong>Klaus Brantzen<\/strong> singt den Schuster Frick, der zum Tafelmajor aufsteigt und mit seinem gassenhauer\u00e4hnlichen Couplet <em>Ich bin der Major<\/em> \u00fcberzeugt. Den zahlreichen kleineren Rollen der Dienerschaft darf man ein Pauschallob als temperamentvolles und stimmsch\u00f6nes Ensemble aussprechen. Auch die T\u00e4nzer sorgen f\u00fcr Pariser Charme und Atmosph\u00e4re.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nJubel und Begeisterung eines Publikums, das seine Paris-Vorstellungen best\u00e4tigt fand, f\u00fcr Offenbachkenner eher entt\u00e4uschend und bisweilen in Klamauk ausartend. Auf jeden Fall ein Kassenmagnet f\u00fcr die tollen Tage. Ist es f\u00fcr manche auch der Volkstrauertag, an dem die Premiere stattfand?<\/p>\n<p>Hans-Georg B\u00fcchel<br \/>\nBild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt: Schuster Frick (Klaus Brantzen) Schuster Frick bringt Gabriele (Julia Novikova)<br \/>\nauf dem Akkordeon ein St\u00e4ndchen. Oben in der Szene zwei T\u00e4nzer des Ensembles.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880) Op\u00e9ra-bouffe in f\u00fcnf Akten; Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Halevy; UA 31. Oktober 1866, Theatre du Palais Royal, Paris. Bonner Fassung: Bernd Wilms Regie: Andrea Schwalbach, B\u00fchne: Anne Neuser, Kost\u00fcme: Stephan von Wedel; Licht: Max Karbe,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=426\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52,1],"tags":[],"class_list":["post-426","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bonn-opernhaus-allgemein","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=426"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/426\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}