{"id":4253,"date":"2012-11-08T21:16:18","date_gmt":"2012-11-08T20:16:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4253"},"modified":"2012-11-22T16:57:23","modified_gmt":"2012-11-22T15:57:23","slug":"elektra-chicago-civic-opera-house","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4253","title":{"rendered":"ELEKTRA &#8211; Chicago, Civic Opera House"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in einem Akt, Libretto von Hugo von Hofmannsthal<\/p>\n<p>UA: 25. Januar 1909\u00a0 Dresden,\u00a0 S\u00e4chsische Staatsoper<\/p>\n<p>Regie: David McVicar, Kost\u00fcme\/B\u00fchne: John Macfarlane, Licht: Jennifer Tipton, Choreographie: August Tye<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Andrew Davis, Lyric Opera Orchestra<\/p>\n<p>Solisten: Christine Goerke (Elektra), Emily Magee (Chrysothemis), Jill Grove (Klyt\u00e4mnestra), Alan Held (Orest), Roger Honeywell (Aegisth), Jason Stearns (Pfleger des Orest), Victoria Livengood (Erste Magd), J\u2019Nai Bridges (Zweite Magd), Cecelia Hall (Dritte Magd), Rebecca Nash (Vierte Magd), Tracy Cantin (F\u00fcnfte Magd) \u00a0u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. November 2012<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Chicago-Elektra.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4254\" title=\"Chicago-Elektra\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Chicago-Elektra.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Chicago-Elektra.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Chicago-Elektra-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Klyt\u00e4mnestra, die k\u00f6nigliche Mutter von Elektra und Chrysothemis, hat mit ihrem neuen Liebhaber Aegisth ihren Ehemann Agamemnon umgebracht. Seitdem herrschen finstere Verh\u00e4ltnisse: Elektra ist von Rachegel\u00fcsten besessen, w\u00e4hrend ihre Mutter von Verfolgungswahn gepeinigt wird. Schwester Chrysothemis versucht sich derweil, mit der Situation zu arrangieren. In einer Unterhaltung teilt Elektra ihrer Mutter mit, da\u00df nur ihr Tod sie von ihrer Paranoia befreien kann. Elektra setzt diesbez\u00fcglich alle Hoffnungen auf ihren Bruder Orest. Dieser wurde ausw\u00e4rtig seelenlos gro\u00dfgezogen und soll die Rache an Klyt\u00e4mnestra und Aegisth vollbringen. Nachdem zun\u00e4chst sein Tod gemeldet wird, taucht er doch verkleidet am Hof auf. Er vollzieht die Tat, in den K\u00e4mpfen geht der Palast in Flammen auf. Elektra verf\u00e4llt dem Wahn und stirbt, ebenso wie ihre Schwester Chrysothemis.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Vor Beginn der Auff\u00fchrung verdeckt ein massiver blauer Vorhang die B\u00fchne. Doch an einer Stelle l\u00e4\u00dft dieser bereits ein wenig B\u00fchne sichtbar werden: Bereits hier deutet ein gro\u00dfer Steinhaufen eine zerst\u00f6rte Welt an. Das best\u00e4tigt sich: Auf der linken Seite zeigt sich schr\u00e4g angeordnet ein massives, glattes Portal mit einer imposanten Treppe. Doch der Gesamteindruck ist kalt und abweisend: Selbst das Becken vor dem Tor, was zu Beginn von den M\u00e4gden gereinigt werden soll, ist mit Schutt angef\u00fcllt. Ein gigantisches Eisengitter im Tor verdeutlicht zudem den Eindruck, da\u00df sich die darin Lebenden von der Au\u00dfenwelt abschirmen wollen. Laut Programmheft sind die Kost\u00fcme an der Mythologie Afrikas angelehnt, zugleich wird aber betont, da\u00df man die Handlung nicht an eine konkrete Zeit oder Ort binden m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr ihren B\u00fchnenmarathon teilt sich <strong>Christine Goerke <\/strong>(Elektra) die Kr\u00e4fte gut ein, sie beginnt zun\u00e4chst zur\u00fcckhaltend. Dabei \u00fcberzeugt ihre nuancierte Gestaltung der tiefen Passagen, w\u00e4hrend sie in hohen Lagen sich ohne forciertes Vibrato gegen das Orchester durchsetzen kann. Bemerkenswert gelingt ihr die Ank\u00fcndigung ihrer Mutter gegen\u00fcber, da\u00df diese sich selbst opfern mu\u00df. Ebenso herausragend das Erkennen des eigenen Bruders, wo sie trotz zur\u00fcckgenommener Lautst\u00e4rke die volle Tragf\u00e4higkeit ihrer Stimme zeigt. <strong>Emily Magee <\/strong>(Chrysothemis) steht dem in nichts nach: Eine bewegliche Stimmf\u00fchrung erm\u00f6glicht ihr, lange lyrische Linien zu zeichnen, w\u00e4hrend sie jederzeit bruchlos in ein attackierendes Register wechseln kann. Auch ihre klare Aussprache mu\u00df lobend erw\u00e4hnt werden. Ein weiterer H\u00f6hepunkt ist ihr Duett mit Elektra, kurz bevor diese sie verflucht. <strong>Jill Grove <\/strong>(Klyt\u00e4mnestra) vervollst\u00e4ndigt ein hervorragendes Damen-Trio: Ein beeindruckendes Klangvolumen paart sich mit wohl\u00fcberlegter Stimmf\u00fchrung, vor allem in den tieferen Regionen. Dazu kommt eine sehr \u00fcberzeugende schauspielerische Leistung.<\/p>\n<p><strong>Roger Honeywell <\/strong>(Aegisth) wei\u00df als lyrischer Schw\u00e4chling ohne dramatische Manneskraft zu gefallen. Von den Nebenrollen gilt es den kurzfristig eingesprungenen <strong>Bernard Holcomb <\/strong>(Junger Diener) positiv zu erw\u00e4hnen: Das Mitglied des lokalen Opernstudios \u00fcberzeugt mit hell gef\u00fchrtem Tenorklang, der ohne Anlaufschwierigkeiten gro\u00dfe Tragf\u00e4higkeit aufweist.<\/p>\n<p><strong>Sir Andrew Davis <\/strong>unterzieht im Orchestergraben mit dem <strong>Lyric Opera Orchestra <\/strong>die Partitur einer genauen Durchleuchtung: Tonale Passagen klingen lieblich s\u00fc\u00df und doch nicht klebrig, in avancierteren Momenten ert\u00f6nt ein bedrohliches Grollen. Immer wieder werden Soloinstrumente mit einzelnen Motiven aus dem Orchesterklang herausgel\u00f6st, um direkt danach wieder mit dem Gesamtklang zu verschmelzen. Ob kammermusikalische Instrumentierung oder gro\u00dfer Ton, niemals verliert der Gesamtklang seinen Vorw\u00e4rtszug. Lediglich an einigen Stellen h\u00e4tte man sich ein wenig mehr Zur\u00fcckhaltung des Orchesters gew\u00fcnscht. Anstatt gleichberechtigter Partnerschaft hat vor allem <strong>Christine Goerke <\/strong>(Elektra) immer wieder mit einem Klangvolumen aus dem Orchestergraben zu k\u00e4mpfen, die das Verfolgen der Gesangsstimmen schwierig macht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine herausragende musikalische Leistung von Solisten und Orchester. Dazu eine unaufgeregt wirkende, aber sehr spannungsvolle Inszenierung f\u00fcr einen altbekannten Stoff. Lediglich das zeitweilige Verh\u00e4ltnis zwischen Orchester zu S\u00e4ngern kann zur Geschmacksfrage werden. Doch in jedem Fall eine sehr gelungener Opernabend!<\/p>\n<p>Malte Wasem<\/p>\n<p>Bild: Dan Rest<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Klyt\u00e4mnestra (Jill Grove, hinten links), Elektra (Christine Goerke, vorne rechts)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in einem Akt, Libretto von Hugo von Hofmannsthal UA: 25. 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