{"id":4212,"date":"2012-10-15T20:50:56","date_gmt":"2012-10-15T19:50:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4212"},"modified":"2012-12-14T15:11:55","modified_gmt":"2012-12-14T14:11:55","slug":"medee-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4212","title":{"rendered":"M\u00c9D\u00c9E &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs \u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704), Lyrische Trag\u00f6die in f\u00fcnf Akten mit Prolog, Libretto: Thomas Corneille, UA: 4. Dezember 1693 Paris, Acad\u00e9mie de Musique<\/p>\n<p>Regie: Pierre Audi, B\u00fchne: Jonathan Meese, Kost\u00fcme: Jorge\u00a0 Jara,\u00a0 Dramaturgie:\u00a0 Willem Bruls, Licht:: Jean Kalman, Choreographie: Kim Brandstrup<\/p>\n<p>Dirigent: Emmanuelle Ha\u00efm, Le Concert d\u2019Astr\u00e9e und Chor d\u2019Astr\u00e9e<\/p>\n<p>Solisten: Mich\u00e8le Losier \u00a0(M\u00e9d\u00e9e, La Gloire), Anders Dahlin (Jason), St\u00e9phane Degout (Oronte,) Sophie Karth\u00e4user\u00a0 (Cr\u00e9use\/La Victoire), Laurent Naouri (Cr\u00e9on), Aur\u00e9lia Legay (N\u00e9rine\/Bellone), Elodie Kimmel (Cl\u00e9one), Katherine Watson (eine Italienerin\/ein Gespenst\/eine Sch\u00e4ferin), Beno\u00eet Arnould\u00a0 (Arcas\/ ein B\u00fcrger), Cl\u00e9mence Olivier (Amour)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Oktober 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Paris-Medee.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4213\" title=\"Paris-Medee\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Paris-Medee.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"242\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Paris-Medee.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Paris-Medee-300x207.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Erst nachdem zu jener Zeit \u00fcblichen Huldigungsprolog an Louis XIV. beginnt die eigentliche Handlung:<\/p>\n<p>M\u00e9d\u00e9e ist \u00fcberzeugt, da\u00df ihr Mann Jason, Prinzessin Cr\u00e9use, die Tochter K\u00f6nigs Cr\u00e9on liebt, obwohl letztere K\u00f6nig Orontes Gemahlin werden soll. Zum Schein macht M\u00e9d\u00e9e gute Miene zum b\u00f6sen Spiel und zeigt sich sogar bereit, Cr\u00e9use ihr prachtvolles Sonnenkleid zu schenken. Insgeheim aber verst\u00e4ndigt sie Oronte, da\u00df Cr\u00e9on ihn hintergeht und seine Tochter mit Jason verm\u00e4hlen will, und schw\u00f6rt blutige Rache. Sie ruft die h\u00f6llischen M\u00e4chte zu Hilfe, vergiftet das Sonnenkleid, das Cr\u00e9use tragen soll und treibt Cr\u00e9on, der sie vertreiben will, durch Zauberei in den Wahnsinn. In seiner Verblendung t\u00f6tet Cr\u00e9on Oronte und dann sich selbst. Cr\u00e9use stribt unter schrecklichen Qualen im Sonnenkleid. Und um Jason wirklich alles zu nehmen, ermordet M\u00e9d\u00e9e auch ihre gemeinsamen Kinder. Dann steckt sie die Stadt in Brand setzt und verschwindet in ihrem Feuerwagen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Pierre Audis Regie ist statisch, Jonathan Meeses B\u00fchnenbild f\u00fcr ein \u201eEnfant terrible\u201c eher neutral. Die B\u00fchne ist \u00fcbers\u00e4t mit Tarpezbl\u00f6cken, die umgekehrt zu S\u00e4rgen werden. Die B\u00fchnenbilder bestehen aus verschiebbaren wei\u00dfen Kulissenw\u00e4nden. In der ersten und letzten Szene h\u00e4ngt ein gelber Mond in blauer Farbe im Hintergrund, sonst sind es gro\u00dfe Auge-Nase-Mund Reproduktionen. In milit\u00e4rischen Momenten senken sich drei wei\u00dfe Riesen-Eiserne-Kreuze \u00fcber die B\u00fchne, dann wieder ist es ein hoher Monumentsockel, auf dem Amor landet. Die Kost\u00fcme sind eher kontempor\u00e4r gehalten: Cr\u00e9on in schwarzem Anzug mit goldenem \u00dcberwurf, M\u00e9d\u00e9e auch ganz in schwarz, Kleid, Str\u00fcmpfe und St\u00f6ckelschuhe, auch schwarze, glatte Haare mit Juliette-Gr\u00e9co-Frisur, manchmal dar\u00fcber ein weinroter Regenmantel. Cr\u00e9use schwarz und dann in gr\u00fcnem Sonnenkleid.<\/p>\n<p>Unheimlich, der Chor in schwarzen, enganliegenden Kost\u00fcmen mit grauen Querstreifen auf der Brust , der in sehr wirksamer Choreographie als einziges lebhaftes Element, teils laufend, teils wie Insekten kriechend, die B\u00fchne bev\u00f6lkert.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mich\u00e8le Losier<\/strong> bew\u00e4ltigt mit reicher, wechselvoller Stimme die schwierige, alle \u00fcberragende Titelrolle. Besonders eindrucksvoll im dritten Akt, in dem sie s\u00e4mliche Gem\u00fctslagen der emotionellen Heldin durchl\u00e4uft, von lyrischer Liebeshoffnung <em>Vous avez l\u2019exil (<\/em>2. Szene) bis zu wilder Vergeltungs- und Mordsucht <em>Noires filles du Styx (<\/em>5. Szene). Man h\u00e4tte sich jedoch manchmal bei ihr weniger Vibrato gew\u00fcnscht. <strong>Anders Dahlin<\/strong> wirkt mit sch\u00f6ner hoher, in den H\u00f6hen manchmal eher d\u00fcnner Tenorstimme (eigentlich <em>haute-contre \u00e0 la fran\u00e7aise<\/em>) notwendigerweise etwas bla\u00df neben der Furie M\u00e9d\u00e9e. <strong>Sophie Kartha\u00fcser<\/strong>, die uns vor zwei Jahren in Cavallis <em>La Callisto<\/em> erfreute, war auch hier wieder mit reiner klarer Sopranstimme eine bewegende Cr\u00e9use, wie im Duett mit Jason im vierten Akt (2. Szene) <em>Ah! <\/em><em>Que d\u2019attraits. <\/em><strong>Laurent Naouri<\/strong> singt und spielt einen verschlagenen Cr\u00e9on, besonders eindruckvoll in der Wahnsinnsszene <em>Noires divinit\u00e9s (<\/em>4. Akt, 9. Szene). <strong>St\u00e9phane Degout<\/strong> ist mit warmer, voller Baritonstimme der redliche K\u00f6nig Oronte. Zu erw\u00e4hnen sei noch <strong>Katharine Watson<\/strong>\u00a0 in der fr\u00f6hlichen italienischen Arie <em>Chi teme d\u2019amore <\/em>(2. Akt, 7. Szene).<\/p>\n<p>Emmanuelle <strong>Ha\u00efm <\/strong>dirigiert das ausgezeichnete Ensemble <em>Le concert et le ch\u0153ur d\u2019Astr\u00e9e<\/em>. Es f\u00e4llt auf, da\u00df in der Partitur grausame Szenen auf der B\u00fchne oft von h\u00f6chst heiteren Tanzweisen im Orchester begleitet werden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Weder Charpentier, noch sein Librettist (j\u00fcngerer Bruder von Pierre Corneille) stand im Dienste Ludwigs XIV. Der K\u00f6nig erschien aber dennoch zur Premiere und war sogar einigerma\u00dfen beeindruckt von dieser Oper, die nicht nur blutr\u00fcnstig, sondern entgegen aller Tradition bis zum Ende an der perversen Trag\u00f6die festh\u00e4lt, in der es kein happy end gibt. Die mehr oder weniger Guten sterben, die b\u00f6se Zauberin hingegen (wenn auch bis zu einem gewissen Grad entschuldbar) triumphiert in ihrer Rache. Lange hat sich die Oper dennoch nicht auf der B\u00fchne gehalten und ist erst zwei Jahrhunderte sp\u00e4ter wieder entdeckt worden.<\/p>\n<p>Ein denkw\u00fcrdiger Abend!<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Ruth Walz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: v.l.n.r.: St\u00e9phane Degout (Oronte), Sophie Karth\u00e4user (Cr\u00e9use), Anders Dahlin (Jason)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704), Lyrische Trag\u00f6die in f\u00fcnf Akten mit Prolog, Libretto: Thomas Corneille, UA: 4. 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