{"id":4204,"date":"2012-10-14T19:51:51","date_gmt":"2012-10-14T18:51:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4204"},"modified":"2012-11-22T16:59:54","modified_gmt":"2012-11-22T15:59:54","slug":"le-nozze-di-figaro-die-hochzeit-des-figaro-koln-oper-palladium","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4204","title":{"rendered":"LE NOZZE DI FIGARO \u2013 DIE HOCHZEIT DES FIGARO &#8211; K\u00f6ln, Oper &#8211; Palladium"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Opera buffa in vier Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte nach der Kom\u00f6die <em>La folle journ\u00e9e<\/em> von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (1778), UA: 1. Mai 1786 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Benjamin Schad, B\u00fchne: Tobias Flemming, Kost\u00fcme: Stephan F. Rinke, Licht: Nicol Hungsberg<\/p>\n<p>Dirigent: Konrad Jungh\u00e4nel, G\u00fcrzenich-Orchester und Chor, Chorleitung: Andrew Ollivant<\/p>\n<p>Solisten: Mark Stone (Graf Almaviva), Maria Bengtsson (Gr\u00e4fin Rosina), Ofelia Sala (Susanna), Matias Tosi (Figaro), Adriana Bastidas Gamboa (Cherubino), Hilke Andersen (Marcellina), Martin Koch (Basilio), Ji-Hyun An (Barbarina) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Oktober 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Koeln-Figaro.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4205\" title=\"Koeln-Figaro\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Koeln-Figaro.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Koeln-Figaro.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Koeln-Figaro-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt: <\/strong>s. bei vielen anderen Rezensionen<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die ganze B\u00fchnenbreite verschlie\u00dft eine Wand mit einer T\u00fcr in der Mitte. Auf die linke Seite der Wand hat man nach Strichm\u00e4nnchen-Manier Mann und Frau nebeneinander mit Kreide gezeichnet. H\u00e4tte man beim Strichm\u00e4nnchen eine Unterhose eingezeichnet, w\u00fcrde der mit r\u00f6tlicher Farbe gemalte Penis aus dieser betr\u00e4chtlich herausragen.<\/p>\n<p>Beim Erklingen der Ouvert\u00fcre kommen alle Darsteller von links auf die B\u00fchne und gehen oder rennen an der Wand vorbei, wobei viele davon beim Blick auf die Strichm\u00e4nnchen den Kopf drehen und oft kopfsch\u00fcttelnd weitergehen. Dieses Vorbeidefilieren wird sooft wiederholt, bis die Ouvert\u00fcre beendet ist. Links steht ein Schaukelpferd mit breitem R\u00fccken, das als Brautbett dienen soll.<\/p>\n<p>Nach dem Entfernen der Wand erscheint ein rechteckiges Zimmer mit einer quadratischen Kiste in der Mitte. Jede der drei W\u00e4nde hat eine T\u00fcr. Sp\u00e4ter zerfallen die Zimmerw\u00e4nde nach und nach in einzelne Holzelemente. Am Ende ist die B\u00fchne leer. Dann werden an Seilen von der B\u00fchnendecke acht Frauenk\u00f6rper herabgelassen. Sie alle sind nackt, haben riesige Hinterteile, gewaltige Schenkel und Br\u00fcsten. Die K\u00f6pfe sind eher klein geraten. Sie h\u00e4ngen bis zum Schlu\u00df senkrecht oder waagerecht \u00fcber den K\u00f6pfen der handelnden Personen.<\/p>\n<p>Die Herren tragen Anz\u00fcge, Figaro wei\u00dfes Hemd, Hosentr\u00e4ger und schwarze Hose, Susanna kleidet ein halblanges, graues Kleid, die Gr\u00e4fin zeigt sich im wei\u00dfen ausgestellten Spitzenrock. Basilio kommt mit Stoffgamaschen und Jackett, etwa nach der Art eines J\u00e4gers, daher.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In rasender Geschwindigkeit begleitet die Ouvert\u00fcre das Defilee der Darsteller auf der B\u00fchne, deren Schreie gelegentlich die Musik \u00fcbert\u00f6nen. Die Bl\u00e4ser m\u00fchen sich, beim Rasen mitzuhalten, was nicht immer gelingt. Die Pauke zeigt knallend ihr K\u00f6nnen, was im Verlauf auch S\u00e4ngerstimmen fast erschl\u00e4gt (Graf Almaviva bei <em>Vedr\u00f2 mentre io felice \u2026 sospiro,\u00a0 <\/em>3. Akt<em>).<\/em><\/p>\n<p>Von Anfang an ist Matias Tosis (Figaro) Stimme kehlig belegt, besonders in den H\u00f6hen. Leider bleibt das bis zum Ende. <em>Se vuole ballare \u2013 wenn Sie tanzen wollen<\/em> (1. Akt) kommt h\u00f6lzern gestelzt einher, ohne irgendwelche dynamische Abstufung, ohne Ironie oder \u00dcbermut. Die tiefen T\u00f6ne erklingen allerdings deutlich, rund und wohlt\u00f6nend.<\/p>\n<p>Das Duettino Marcellina\/Susanne <em>Via resti servita \u2013 nach Ihnen, Gn\u00e4digste<\/em>, gestalten die beiden S\u00e4ngerinnen <strong>Hilke Andersen\/Claudia Rohrbach<\/strong> ohne Anmut und Leichtigkeit.<\/p>\n<p>Nun wartete man auf Cherubinos <em>Non so pi\u00f9 cosa son \u2013 ich wei\u00df nicht mehr, wer ich bin <\/em>(1.Akt, 5. Szene)<em>. <\/em>Vom mozartischen Kontrast Piano\/Forte ist kaum davon etwas h\u00f6rbar. Das ganze Singen bleibt eher im Forte. Die wunderbar \u201eseufzenden\u201c Pausen gegen Ende werden angelernt, doch ohne jedes Sentiment \u00a0wiedergegeben Zu sp\u00fcren ist kaum ein kein Hauch der Verunsicherung dieses weder jugendlichen und noch erwachsenen Wesens (einmalig in der gesamten Opernmusik). Mit <em>Voi che sapete che cosa \u00e8 amor \u2013 ihr, die ihr wi\u00dft, was Liebe bedeutet<\/em> (2. Akt, 2. Szene) macht die S\u00e4ngerin mit Legato, deutlicherer Aussprache und Tongebung wieder einiges gut.<\/p>\n<p><strong>Mark Stone<\/strong> (Graf) bleibt vieles in Dynamik mit seiner volumin\u00f6sen Stimme schuldig. In der kleinen Koloratur zum Schlu\u00df des Allegro (3. Akt, 4. Szene) <em>Ah no, lasciarti in pace \u2013 ah, nein, dich in Frieden lassen<\/em> deutet er die Triolen nur an und der Kadenz-Triller verschwindet in einem Vibrato. Insgesamt vermittelt er dennoch einen w\u00fctenden, eifers\u00fcchtigen Mann recht gut.<\/p>\n<p>Schon zum Beginn des zweiten Akts l\u00e4\u00dft <em>Porgi amor \u2013 gib Liebe<\/em> aufhorchen. <strong>Maria Bergtsson<\/strong> (Gr\u00e4fin) gestaltet dann <em>Dove sono i bel momenti \u2013 wo sind die sch\u00f6nen Augenblicke<\/em> (3. Akt, 8. Szene, bei der Auff\u00fchrung vorgezogen) so ergreifend, da\u00df sicher die Herzen der S\u00e4ngerenthusiasten h\u00f6her schlagen. Hier stimmt pl\u00f6tzlich alles: im Orchester h\u00f6rt man deutlich Oboe und Fagott, das Tempo stimmt, das An- und Abschwellen und der Klang von Maria Bergtssons Soprans kommen perfekt. Ihre Sehnsucht nach Liebe \u00fcbertr\u00e4gt sich auf die Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p>Am Opernende kriechen beinahe alle S\u00e4nger auf allen Vieren. Vielleicht f\u00fcrchten sie sich vor den \u00fcber ihnen h\u00e4ngenden aufgedunsenen Frauenk\u00f6rper? Ein Singen in dieser Haltung grenzt dabei an Akrobatik. So ist auch ein sachgerechtes Urteil unm\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Regisseur und sein Team haben sicher einen Geschmack voller Humor. Doch ihn zu verstehen w\u00fcrde sich vielleicht erst nach einem detaillierten Vortrag des Regisseurs erschlie\u00dfen. Vielleicht f\u00fchlten sich die S\u00e4nger auch nicht ganz wohl in ihrer Haut, denn einige von ihnen leisteten bei anderer Gelegenheit (<em>Alcina,<\/em> 16. Juni 2012) sehr viel mehr. Eine tolle Auff\u00fchrung f\u00fcr den <em>Tollen Tag!<\/em><\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild Zeigt: Das Ensemble<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Opera buffa in vier Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte nach der Kom\u00f6die La folle journ\u00e9e von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (1778), UA: 1. 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