{"id":420,"date":"2008-11-20T21:53:09","date_gmt":"2008-11-20T19:53:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=420"},"modified":"2008-11-20T21:53:09","modified_gmt":"2008-11-20T19:53:09","slug":"duisburg-deutsche-oper-am-rhein-fidelio","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=420","title":{"rendered":"Duisburg &#8211; Deutsche Oper am Rhein &#8211; FIDELIO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ludwig van Beethoven, Gro\u00dfe Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Text von Josef Sonnleithner und Georg Friedrich Treitschke, Dialogfassung: Am\u00e9lie Niermeyer\/Hella Bartnig; UA: 20. November 1805 (erste Fassung) Theater an der Wien<br \/>\nRegie: Am\u00e9lie Niermeyer, B\u00fchne: Stephan Braunfels, Kost\u00fcme: Kirsten Dephoff, Licht: Volker Weinhart, Video: Stefan Bischoff\/Tim Deckers<br \/>\nDirgent: Andreas Stoehr, Duisburger Philharmoniker, Chor der Deutschen Oper am Rhein<br \/>\nSolisten: Annette Seiltgen (Leonore), Steven Harrison (Florestan), Heikki Kilpel\u00e4inen (Don Pizarro), Sami Luttinen (Rocco), Netta Or (Marzelline), Mirko Roschkowski (Jaquino), Ludwig Grabmeier (Don Fernando), Martin Shalita (1. Gefangener), Rolf Broman (2. Gefangener)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 15. November 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"duisburg-fidelio.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/duisburg-fidelio.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"duisburg-fidelio.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/duisburg-fidelio.jpg\" \/><\/a>Freiheit \u2013 ein revolution\u00e4rer Gedanke, der Beethovens Werke wie kein zweiter gepr\u00e4gt hat. Auch seine einzige Oper Leonore, die er zweimal \u00fcberarbeitet und in der letzten Fassung Fidelio oder Die eheliche Liebe betitelt, ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Denn hier beherrschen die Ideen von Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe das Geschehen:<br \/>\nLeonore schleust sich als Mann verkleidet unter dem Namen Fidelio in das Gef\u00e4ngnis des Kerkermeisters Rocco ein, weil sie ihren vor zwei Jahren zu Unrecht verhafteten Mann Florestan hier vermutet. Tats\u00e4chlich findet sie ihn in einem von allen anderen H\u00e4ftlingen abgeschotteten Gefangenen wieder und kann ihn durch Mut und den Glauben an Freiheit und Gerechtigkeit rechtzeitig aus der Inhaftierung retten.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung und Inszenierung<\/strong><br \/>\nFreiheit schl\u00e4gt sich auch in<strong> Am\u00e9lie Niermeyer<\/strong>s Inszenierung nieder. Als Intendantin des D\u00fcsseldorfer Schauspielhauses finden sich ihre Wurzeln naturgem\u00e4\u00df im Sprechtheater. So wundert es nicht, da\u00df sie gemeinsam mit der Dramaturgin <strong>Hella Bartnig<\/strong> neue Dialogtexte verfa\u00dfte, die den S\u00e4ngern schauspielerische Momente auferlegen: z.B wird Fidelios verzweifelter Versuch, das Gesicht des Gefangenen zu erkennen und gleichzeitig im Dialog mit Rocco seine Erregung zu verbergen, durch intensive Gestik und Mimik der S\u00e4ngerin besonders betont.<br \/>\nDoch auch in den gesungenen Passagen wird der Darstellung viel Raum gegeben. Vor dem B\u00fchnenbild des Architekten<strong> Stephan Braunfels<\/strong>, das schematisch k\u00fchl und trostlos wirkt \u2013 viel Varianz bleibt beim Entwurf eines zeitgen\u00f6ssischen Gef\u00e4ngnistraktes zwangsl\u00e4ufig nicht \u2013 w\u00fcrden die S\u00e4nger ohne ein solches ausgepr\u00e4gtes Spiel ohnehin verschwinden.<br \/>\nDenn ihre Kost\u00fcme (<strong>Kirsten Dephoff<\/strong>) sind bis auf Marzellines knallrote Utensilien in blassen, sich vom Hintergrund kaum abhebenden Farben gehalten.<br \/>\nDie Aspekte der B\u00fchnengestaltung sind durchweg nachvollziehbar, stellt ein Gef\u00e4ngnis wahrlich einen tristen Ort dar. Aber gerade das ist es ja nicht, was Beethoven in seiner Oper abgebildet haben wollte. Vielmehr sagt seine emotionsgeladene Musik \u2013 energische, akzentreiche Rhythmen stehen im Dualismus zu h\u00f6chst lyrischen Melodief\u00fchrungen \u2013 da\u00df selbst in einer solchen Umgebung gro\u00dfe Gef\u00fchle und revolution\u00e4res Gedankengut m\u00f6glich sind. W\u00e4hrend zu Beginn der Oper das kleinb\u00fcrgerliche Leben Roccos durch einfache Liedelemente ausgedr\u00fcckt wird, emanzipiert sich im zweiten Akt auch in den Singstimmen ein melodramatischer bis symphonischer Stil: je angespannter die Situation wird, desto flirrender und erregter wird der Orchesterton und um so anspruchsvoller werden die Gesangspartien.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Andreas Stoehr<\/strong> und die <strong>Duisburger Philharmoniker<\/strong> wissen dies genau zu gestalten \u2013 doch nicht die S\u00e4nger. Sie singen zwar das, was in den Noten steht \u2013 jedoch nicht mehr. Sauber, aber kalt wie die Gef\u00e4ngniskulisse, interpretiert <strong>Annette Seiltgen<\/strong> die Leonore. Allerdings ist nicht offensichtlich, ob ihre Gef\u00fchlskargheit auf Nicht-K\u00f6nnen oder Nicht-D\u00fcrfen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, ob das zum Spiel angehalten Sein das gef\u00fchlvolle Singen beeintr\u00e4chtigt. Gleiches gilt f\u00fcr die anderen Interpreten: <strong>Heikki Kilpel\u00e4inen<\/strong> (Don Pizarro) wirkt l\u00e4cherlich, wenn er seine Wutausbr\u00fcche fast \u00fcbertrieben spielt, seine Stimme aber nicht \u00fcber das Orchester reicht. <strong>Netta Or<\/strong> (Marzelline) bringt den n\u00f6tigen Charme f\u00fcr ihre Rolle mit, ihr Timbre ist jedoch zu metallen und energisch, um die jugendliche Verliebte auch stimmlich auszuf\u00fcllen. Man wundert sich, was <strong>Sami Luttinen<\/strong> dazu bewegt hat, seinen Rocco streckenweise unsauber zu intonieren. \u00dcberhaupt ist die Anlage dieser Figur fragw\u00fcrdig: Warum wird Rocco durchweg als Trottel dargestellt? Schlie\u00dflich ist er es doch, an dessen Person der Weg zur Zivilcourage vollzogen wird, der sich vom Befehlsempf\u00e4nger zum moralischen Beispiel mausert. Und auch der Minister (<strong>Ludwig Grabmeier<\/strong>) als Parodie auf den Politiker per se, der sich mit fremden Blumen schm\u00fcckt und peinliche Geb\u00e4rden an den Tag legt, wirkt deplaziert. Einziger Lichtblick ist <strong>Steven Harrison<\/strong> als Florestan, der seine Partie zumindest mit etwas mehr Leben f\u00fcllt, als seine Mits\u00e4nger ihre Rollen.<br \/>\nDen <strong>Chor<\/strong> in den einzelnen Zellen aufzustellen, ist dramaturgisch sinnvoll. Doch akustisch birgt es Nachteile: Konsonanten werden nicht gemeinsam abgesprochen, auch sind einzelne Stimmen aufgrund ihrer r\u00e4umlichen Disposition herauszuh\u00f6ren, was den sonst homogenen Klang des Chores durchbricht.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nFreiheit in der Inszenierung sollte nicht so weit gehen, da\u00df eine entscheidende Ebene des St\u00fcckes verloren geht. Das Publikum schien sich in seiner Unschl\u00fcssigkeit ob des Urteils \u00fcber diese Interpretation einig: Kurzer Vorhang zu verhaltenem Applaus.<\/p>\n<p>Christine Lauter<br \/>\nBild: Eduard Straub<br \/>\nDas Bild zeigt Annette Seiltgen (Leonore) und Netta Or (Marzelline) vor den Zellen des Chores.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig van Beethoven, Gro\u00dfe Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Text von Josef Sonnleithner und Georg Friedrich Treitschke, Dialogfassung: Am\u00e9lie Niermeyer\/Hella Bartnig; UA: 20. 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