{"id":4196,"date":"2012-10-08T20:44:45","date_gmt":"2012-10-08T19:44:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4196"},"modified":"2012-11-22T17:00:27","modified_gmt":"2012-11-22T16:00:27","slug":"pelleas-et-melisande-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4196","title":{"rendered":"PELL\u00c9AS ET M\u00c9LISANDE \u2013 Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Claude Debussy (1862-1918), Lyrisches Drama in 5 Akten, Libretto: Maurice Maeterlinck, UA 30. April 1902, Paris<\/p>\n<p>Regie: Nikolaus Lehnhoff, B\u00fchne: Raimund Bauer, Kost\u00fcme: Andreas Schmidt-Futterer, Licht: Olaf Freese<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker<\/p>\n<p>Solisten: Michaela Seliger (M\u00e9lisande), Jacques Imbrailo (Pell\u00e9as), Vincent le Texier (Golaud), Wolfgang Sch\u00f6ne (Arkel), Doris Soffel (Genevi\u00e8ve) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. Oktober 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Essen-Pelleas.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4197\" title=\"Essen-Pelleas\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Essen-Pelleas.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Essen-Pelleas.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Essen-Pelleas-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im M\u00e4rchenreich Allemonde: Golaud begegnet der geheimnisvollen M\u00e9lisande, einer sch\u00f6nen jungen Frau, deren Herkunft im Dunkeln liegt. Magisch von ihr angezogen, heiratet Golaud die Fremde und nimmt sie mit nach Hause. Seine Mutter Genevi\u00e8ve und sein Gro\u00dfvater, K\u00f6nig Arkel, nehmen sie freundlich auf. Vor allem aber zwischen Golauds Halbbruder Pell\u00e9as und M\u00e9lisande entsteht eine innige Beziehung. Der eifers\u00fcchtige Golaud fordert Pell\u00e9as auf, M\u00e9lisande in Ruhe zu lassen, zumal sie schwanger sei. Trotzdem kommen sich die beiden immer n\u00e4her. Au\u00dfer sich t\u00f6tet Golaud schlie\u00dflich seinen Bruder. M\u00e9lisande stirbt, kurz nachdem sie eine Tochter geboren hat.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme lassen Mittelalter und M\u00e4rchenwelt erahnen, mit einigen Ankl\u00e4ngen an das <em>Fin de Si\u00e8cle<\/em>, die Entstehungszeit des Werkes. M\u00e9lisande ist ein Fremdk\u00f6rper: W\u00e4hrend die Bewohner von Allemonde in schweren Samt gewandet sind (von dem Pell\u00e9as sich in der Szene unter M\u00e9lisandes Fenster vor\u00fcbergehend befreit), tr\u00e4gt sie ein leichtes, schillerndes Kleid. Damit gleich sie einer Meerjungfrau, ein Eindruck, der durch ihre Bewegungen und die Anziehungskraft, die Wasser auf sie aus\u00fcbt, noch verst\u00e4rkt wird. Das B\u00fchnenbild assoziiert mit dunkler Holzvert\u00e4felung, W\u00e4nden und Treppen b\u00fcrgerliche Enge, l\u00e4\u00dft sich aber in Teilen oder auch ganz nach hinten \u00f6ffnen: die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Pell\u00e9as und M\u00e9lisande, wenigstens vor\u00fcbergehend aus dieser klaustrophobischen Atmosph\u00e4re auszubrechen. Projektionen und Lichteffekte, bei denen ein hauchd\u00fcnner Vorhang vor der B\u00fchne eine wichtige Rolle spielt, lassen in Sekundenschnelle aus dem gediegenen Saal ein Horrorszenario wie im dritten Akt (Golaud bedroht Pell\u00e9as) werden oder die Figuren w\u00e4hrend der Szenenwechsel langsam wie in einem Nebel verschwinden. M\u00e9lisandes Tod schlie\u00dflich wird durch sechs stumme, schwarzgekleidete Frauen mit Totenkopfmasken angek\u00fcndigt, die sich im Moment des Sterbens verschleiern. M\u00e9lisande gleitet in das durch die erneut nach hinten ge\u00f6ffnete B\u00fchne einfallende Licht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der scheidende Generalmusikdirektor <strong>Stefan Soltesz<\/strong> l\u00e4\u00dft die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> zu Beginn seiner letzten Spielzeit aus dem Vollen sch\u00f6pfen: Die Leidenschaft, die sich hinter der nur scheinbaren emotionalen Zur\u00fcckhaltung der Partitur verbirgt, ist beispielhaft herausgearbeitet. Wunderbar zart sind die ruhigen Momente, von beinahe schmerzhafter Sprengkraft die Ausbr\u00fcche. Dabei l\u00e4\u00dft Soltesz, nicht wie mancher Kollege, ein verwaschen ineinanderflie\u00dfendes Klangbild h\u00f6ren, sondern liefert h\u00f6chste Pr\u00e4zision, die den feingliedrigen Rhythmen und raffinierten Details der Musik gerecht wird. Hier und da fehlt es ein wenig an Brillanz, an Farbs\u00e4ttigung \u2013 und trotzdem: ungetr\u00fcbter H\u00f6rgenu\u00df! Dazu passen die gro\u00dfartigen S\u00e4nger, an der Spitze <strong>Michaela Seliger <\/strong>(M\u00e9lisande) als einziges Essener Ensemblemitglied unter G\u00e4sten! Meisterhaft gelingt ihr die Balance zwischen Naivit\u00e4t, Verst\u00f6rtheit und Ekstase \u2013 und ihr warmer, vor allem bei <em>Mes longs cheveux descendent \u2013 Meine langen Haare fallen herab<\/em> intensiv leuchtender Mezzo braucht internationale Vergleiche ohnehin nicht zu scheuen. Noch st\u00e4rker ist <strong>Vincent le Texier<\/strong> (Golaud): Ein Bariton von schockierender Kraft, dabei mitunter verbl\u00fcffend sanft und verletzlich. Golauds selbstzerst\u00f6rerische Grausamkeit spielt le Texier bis zur Ersch\u00f6pfung. Kein Wunder, da\u00df er neben seinem Landsmann Laurent Naouri derzeit der gefragteste Interpret dieser Rolle ist. Das Gegenst\u00fcck zu le Texiers Golaud ist der junge Bariton <strong>Jacques Imbrailo<\/strong> (Pell\u00e9as), der Pell\u00e9as\u2018 Unschuld glaubhaft verk\u00f6rpert und sich mit weich dahinstr\u00f6mender Stimme m\u00fchelos zu ekstatischen H\u00f6hen aufschwingt (<em>C\u2019est le dernier soir \u2013 Dies ist der letzte Abend<\/em>). <strong>Doris Soffel<\/strong> (Genievi\u00e8ve) und <strong>Wolfgang Sch\u00f6ne<\/strong> (Arkel) schlie\u00dflich, beide auf eine lange Karriere zur\u00fcckblickend, sind immer noch wunderbare S\u00e4ngerdarsteller, ohne nennenswerte stimmliche Verschlei\u00dferscheinungen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der kaum weniger als S\u00e4nger und Orchester bejubelte Regisseur <strong>Nikolaus Lehnhoff<\/strong> verzichtet auf eine \u201eDeutung\u201c und l\u00e4\u00dft dem St\u00fcck seine r\u00e4tselhafte, d\u00fcstere Atmosph\u00e4re. Daf\u00fcr kann sich die Musik ungehindert entfalten. Szenische Spannung entsteht durch intensive Bilder und ein raffiniertes Spiel mit Licht und Dunkel (Lichteffekte: <strong>Olaf Freese<\/strong>). Und wenn am Ende des dritten Aktes Golauds Schatten vor die B\u00fchne projiziert wird und sich drohend auf das Publikum zuzubewegen scheint, ist das \u00e4u\u00dferst effektvolles, fast verst\u00f6rendes Theater. Dazu eine musikalische Leistung, die kaum W\u00fcnsche offen l\u00e4\u00dft: Das Aalto Theater h\u00e4tte die Me\u00dflatte f\u00fcr diese Spielzeit kaum h\u00f6her legen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Herman und Cl\u00e4rchen Baus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Vincent le Texier (stehend, Golaud), Jacques Imbrailo (P\u00e9lleas) und Michaela Seliger (M\u00e9lisande)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Claude Debussy (1862-1918), Lyrisches Drama in 5 Akten, Libretto: Maurice Maeterlinck, UA 30. 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