{"id":4190,"date":"2012-10-04T18:16:59","date_gmt":"2012-10-04T17:16:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4190"},"modified":"2012-10-12T09:09:59","modified_gmt":"2012-10-12T08:09:59","slug":"rusalka-cottbus-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4190","title":{"rendered":"RUSALKA &#8211; Cottbus, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k (1841-1904), Lyrisches M\u00e4rchen in 3 Akten, Libretto: Jaroslav Kvapil; UA: 31. M\u00e4rz 1901 Prag, National Theater<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchnenbild: Ralf N\u00fcrnberger, Kost\u00fcme: Johannes Haufe<\/p>\n<p>Dirigent: Evan Christ, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus<\/p>\n<p>Solisten: Judith Kuhn (Rusalka), Jens Klaus Wilde (Prinz), Ingo Witzke (Wassermann), Carola Fischer (Hexe Je\u017eibaba), Gesine Forberger (F\u00fcrstin), Jacek Strauch (F\u00f6rster), Dirk Kleinke (K\u00fcchenjunge), Carla Frick (Erste Elfe), Annemarie Schlag (Zweite Elfe), Maria Schlestein (Dritte Elfe)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Oktober 2012 (im Rahmen der Festwoche 100 Jahre Philharmonisches Orchester)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Cottbus-Rusalka.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4191\" title=\"Cottbus-Rusalka\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Cottbus-Rusalka.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Cottbus-Rusalka.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Cottbus-Rusalka-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Nixe Rusalka erlangt mit Hilfe der Hexe Je\u017eibaba die menschliche Gestalt, da sie sich in einen Prinzen verliebt hat. Der Preis daf\u00fcr ist jedoch ihre Stimme, und sie kann nie wieder in das Unterwasserreich zur\u00fcckkehren, wenn sie des Prinzen Liebe nicht erringt. Der Prinz verliebt sich in sie, doch, da sie in der Schlo\u00dfgemeinschaft wie ein Fremdk\u00f6rper scheint und sie nur verhalten seine Liebe erwidert, verst\u00f6\u00dft sie den Prinzen. Doch der Prinz bereut, und er sucht im Wald verzweifelt die Geliebte. Rusalka erl\u00f6st den Liebenden auf seine Bitte hin mit einem Todesku\u00df.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Noch bevor die Musik der in deutscher Sprache gehaltenen Auff\u00fchrung einsetzt, tritt der Wassermann in Hausschuhen und Joppe vor den Vorhang und betrachtet nachdenklich ein Notenblatt. Dieses Stilelement durchsetzt die ganze Auff\u00fchrung. So sehen die Protagonisten w\u00e4hrend ihres Gesanges immer wieder scheinbar geistesabwesend in vom Boden aufgelesene Notenbl\u00e4tter und singen von diesen ab. Die B\u00fchne selber ist in allen drei Akten vom gleichen Aufbau gepr\u00e4gt. Dabei f\u00e4llt der Blick in einen r\u00fcckw\u00e4rtig durchbrochenen Saal mit vergilbten W\u00e4nden. Eine ge\u00f6ffnete, hell erleuchtete Fallt\u00fcr im Boden symbolisiert den Nixenteich, eine schr\u00e4g im Raum angeordnete, sich darin verlierende Leiter den Mondstrahl. Mit einer schlichten T\u00fcr, die beim \u00d6ffnen den Blick auf Elektro-Sicherungsk\u00e4sten freigibt, wird das Heim der Hexe angedeutet, w\u00e4hrend ein Klavierkorpus ohne Standbeine den Einstieg in den Abgrund widerspiegelt. Die S\u00e4nger selber sind ebenso schlicht gekleidet, wobei Rusalka im ersten Akt in einem Rollstuhl sitzt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Allen voran durchschreitet <strong>Judith Kuhn<\/strong> als Rusalka mitrei\u00dfend dramatisch die Wehen, welche das Zauberwesen durchleiden mu\u00df. Dabei gelingt ihr das <em>Lied an den Mond<\/em> mit pulsierend dynamischer Eindringlichkeit, gepaart mit strahlend getragener Leuchtkraft. Die von ihrem sich weit \u00f6ffnenden Sopran sanft durchwebten lyrischen Passagen runden den Eindruck einer herausragend besetzten Titelpartie ab. Auch <strong>Jens Klaus Wilde<\/strong> (Prinz) gelingt es bisweilen stimmliches Feuer zu entfachen. Jedoch liegen seine St\u00e4rken eindeutig in den weniger durch Spitzent\u00f6ne gepr\u00e4gten Passagen, da seine Stimme in diesen Bereichen schnell gepre\u00dft wirkt und schmal ausl\u00e4uft. Die Arie <em>Wundersames Traumbild<\/em> leidet so in den oberen Lagen unter starkem Volumenverlust und bei seinem letzten Auftritt wird der erzwungene Druckaufbau in den H\u00f6hen stark von fahlen Dissonanzen gest\u00f6rt. Der schlanke Ba\u00df von <strong>Ingo Witzke<\/strong> ist im <em>Lied des Wassermanns<\/em> von klarem Duktus gepr\u00e4gt, wobei man sich jedoch insbesondere in der unteren Tonlage mehr stimmliches Tiefenfundament und volumin\u00f6se F\u00fclle w\u00fcnschen w\u00fcrde. <strong>Carola Fischer<\/strong> zeigt auf der B\u00fchne eindringlich eine Hexe, der man selber lieber nicht begegnen m\u00f6chte. Auch gesanglich wei\u00df sie mit kompakt gehaltener, farblich schillernde Stimmf\u00fchrung zu \u00fcberzeugen, ebenso wie Sopranistin <strong>Gesine Forberger<\/strong> (F\u00fcrstin). Auffallend ist vor allem die starke Besetzung in den Nebenrollen. Hier seien insbesondere <strong>Carla Frick, Annemarie Schlag<\/strong> und <strong>Maria Schlestein<\/strong> als Elfen hervorgehoben, die mit ihrem Gesang zu verzaubern wissen. <strong>Jacek Strauch<\/strong> (F\u00f6rster) besitzt zudem einen fulminant raumgreifenden Bariton, der mit erdiger F\u00fclle aufhorchen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Das <strong>Philharmonische Orchester<\/strong> unter <strong>Evan Christ<\/strong> atmet Dvo\u0159\u00e1ks Musik dynamisch mitrei\u00dfend bis zum letzten Akkord. Da steigen vor dem geistigen Auge in den Bl\u00e4sern die Nebel auf und Tanzen bei den Streichern die Elfen auf den b\u00f6hmischen Lichtungen. Nur in den Tutti ist es bisweilen zu gut gemeint, denn hier \u00fcbert\u00f6nt zu stark akzentuiertes schrilles Blech die ansonsten warm eingebetteten Farbkompositionen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die n\u00fcchtern-trocken und \u00e4u\u00dferst langatmig gestaltete Inszenierung ist durch ein Konglomerat scheinbar wahllos gew\u00e4hlter Stilmittel weder vision\u00e4r zukunftsweisend, noch inspirierend m\u00e4rchenbetont. Ein beleuchtetes Loch als See, eine auf Theaterb\u00fchnen scheinbar omnipr\u00e4sente in den Raum ragende Leiter und ein kahler Raum, der zugleich Wald und Schlo\u00df darstellen soll, besitzen weder eing\u00e4ngige Interpretationstiefe noch deutlich umgesetzte M\u00e4rchenakzente. <strong>Regisseur N\u00fcrnberger<\/strong> hat somit alle dramatischen und in eine Parallelwelt eintauchenden Elemente der M\u00e4rchenoper ausgeblendet und das Werk zu Tode seziert. \u00c4u\u00dferst schade, denn vom Staatstheater Cottbus h\u00e4tte man auf Grund der teilweise sehr guten Opern-Umsetzungen der letzten Spielzeiten mehr erwartet.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Marlies Kross<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Carola Fischer (Je\u017eibaba), Judith Kuhn (Rusalka) und Ingo Witzke (Wassermann)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k (1841-1904), Lyrisches M\u00e4rchen in 3 Akten, Libretto: Jaroslav Kvapil; UA: 31. 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