{"id":416,"date":"2008-11-11T23:36:00","date_gmt":"2008-11-11T21:36:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=416"},"modified":"2008-11-12T23:41:57","modified_gmt":"2008-11-12T21:41:57","slug":"essen-aalto-theater-das-rheingold","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=416","title":{"rendered":"Essen, Aalto-Theater &#8211; DAS RHEINGOLD"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Richard Wagner (1813-1883), Vorabend zum B\u00fchnenfestspiel Der Ring des Nibelungen<br \/>\nUA: 22. September 1869, M\u00fcnchen<br \/>\nRegie: Tilman Knabe, B\u00fchnenbild: Alfred Peter, Kost\u00fcme: Kathi Maurer; Dirigent: Stefan Soltesz, die Essener Philharmoniker<br \/>\nSolisten: Almas Svilpa (Wotan), Jochen Schmeckenbecher (Alberich), Rainer Maria R\u00f6hr (Loge), Heiko Trinsinger (Donner) u.a.<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 8. November 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/essen-rheingold.jpg\" TITLE=\"essen-rheingold.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/essen-rheingold.jpg\" ALT=\"essen-rheingold.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die Riesen Fasolt und Fafner haben f\u00fcr G\u00f6ttervater Wotan eine Burg gebaut. Hochm\u00fctig verweigert er ihnen den vereinbarten Lohn: Freia, seine Schw\u00e4gerin. Feuergott Loge schl\u00e4gt einen Kompromi\u00df vor: Der Nibelung Alberich habe das Gold der Rheint\u00f6chter geraubt und sich daraus einen Ring geschmiedet, der ewige Macht verleihe. Wie w\u00e4re es, wenn Wotan Alberich diesen Ring abn\u00e4hme und damit die Riesen bezahlte? Wotan ist wenig begeistert, doch als die Riesen Freia als Pfand mitnehmen, ger\u00e4t er in Zugzwang: Nur unter Freias Hand gedeihen die \u00c4pfel, die den G\u00f6tter ewige Jugend spenden. Durch Loges List bringt Wotan den Ring an sich. Alberich verflucht den Ring: Er soll fortan jedem Tr\u00e4ger Verderben bringen. Wotan hofft, die Riesen mit den von Alberich angeh\u00e4uften Reicht\u00fcmern abspeisen zu k\u00f6nnen. Als sie auch den Ring fordern, gibt Wotan ihn erst auf Rat der weisen Erda heraus. Fafner t\u00f6tet Fasolt im Streit um das Gold &#8211; Alberichs Fluch hat sein erstes Opfer gefordert. Unger\u00fchrt ziehen die G\u00f6tter in ihre neue Burg, Walhall, ein.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nRegisseur <strong>Tilman Knabe<\/strong> siedelt die Oper in einem Milieu an, das an eine Mischung aus Der K\u00f6nig von St. Pauli und Krimiserien mit sozialkritischem Anspruch nach Bella Block erinnert. Hier regieren Geld, schneller Sex und Brutalit\u00e4t. Sympathietr\u00e4ger gibt es keine, ob es nun Wotan ist, der K\u00f6nig vom Kiez, die dem horizontalen Gewerbe nachgehenden Rheint\u00f6chter oder der auf einer M\u00fcllhalde hausende Alberich, der Stra\u00dfenkinder f\u00fcr sich arbeiten l\u00e4\u00dft. Eine ironisch gebrochene, distanzierte Sicht auf das drastische Geschehen erlauben der bewu\u00dfte Einsatz von Klischees und die Beibehaltung von Fantasy-Elementen wie Alberichs Tarnkappe oder die hier an eine Voodoo-Priesterin erinnernde Erda. Die Geschichte ist f\u00fcr Knabe mit dem Einzug der G\u00f6tter in Walhall abgeschlossen: Die Inszenierung der \u00fcbrigen Ring-Teile \u00fcbernehmen andere Regisseure (\u00c4hnliches hatte man vor Jahren in Stuttgart mit dem Ring gemacht), eine optische oder interpretatorische Klammer ist nicht geplant.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie Auff\u00fchrung tr\u00e4gt ein musikalisch hochkar\u00e4tiges Ensemble, dem der Regisseur einiges abverlangt: Auf der viergeteilten B\u00fchne sind alle ununterbrochen in Aktion. In erster Linie geh\u00f6rt der Abend <strong>Jochen Schmeckenbecher<\/strong> (Alberich): Sein robuster Bariton \u00fcberdeckt m\u00fchelos das Orchester, ist dabei kantabel gef\u00fchrt und bemerkenswert modulationsf\u00e4hig. Auch Schmeckenbechers schauspielerischer Totaleinsatz pr\u00e4gt sich ein. In <strong>Rainer Maria R\u00f6hr<\/strong> hat das Aalto-Theater einen \u2013 der heutigen Besetzungspraxis entsprechend \u2013 stimmlich leichtgewichtigen, zum Buffo-Fach neigenden Loge. Sein kaltes, geschmeidiges Timbre kommt dem Intriganten hervorragend zugute. <strong>Almas Svilpa<\/strong> (Wotan) hat das Potential f\u00fcr Wagners zentrale Bariton-Rollen. Jedoch lassen starke Vokal- und Diphtongverf\u00e4rbungen (ein aus zwei Vokalen gebildeter Laut)  seinen Gesang mitunter schwerf\u00e4llig wirken. Un\u00fcberh\u00f6rbar ist auch eine gewisse Anstrengung in der H\u00f6he und im Forte. Ob es am Lampenfieber lag oder ob der junge S\u00e4nger mit dem Wotan noch \u00fcberfordert ist &#8211; jedenfalls lief <strong>Heiko Trinsinger<\/strong> (Donner) Svilpa den Rang ab: Seine Stimme vereint Durchschlagskraft und noble Gesangslinie.<br \/>\n<strong>Stefan Soltesz<\/strong> und die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> n\u00e4hern sich Wagners Partitur mit fl\u00fcssigen Tempi und fast t\u00e4nzerischer Leichtigkeit \u2013 eine bis auf kleine Patzer bei den Blechbl\u00e4sern homogene Leistung. Ein Abstrich: \u00dcber Passagen, die eigentlich eine spannungssteigernde Zur\u00fccknahme des Tempos erfordern, wie z.B. das erstmalige Auftreten des Fluchmotivs bei Fasolts Tod, geht Soltesz etwas zu beil\u00e4ufig hinweg.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Erwartungen an den neuen Essener Ring sind hoch \u2013 wurde das Aalto-Theater doch erst k\u00fcrzlich von Kritikern zum besten Opernhaus im deutschsprachigen Raum gew\u00e4hlt. Musikalisch ist ein solider Grundstock gelegt. Und auch Tilman Knabes intensive, mitunter absto\u00dfende Bilder, f\u00fcgen sich dank der profunden Kenntnis von Partitur und Text zu einem stimmigen Ganzen. Da\u00df sich das Publikum am Ende in zwei Lager teilt, hat einen einfachen Grund: Schockeffekte wie die Vorf\u00fchrung sexueller Praktiken verschiedener Couleur sind einfach \u00fcberfl\u00fcssig.<br \/>\nDie Inszenierung der Walk\u00fcre \u00fcbernimmt Dietrich Hilsdorf, Premiere ist im Mai 2009. Der komplette Ring wird 2010 zu sehen sein.<br \/>\nDr. Eva Maria Ernst<br \/>\nBild: Matthias Jung<br \/>\nDas Bild zeigt: Rainer Maria R\u00f6hr (Loge), Jochen Schmeckenbecher (Alberich), Heiko Trinsinger (Donner)<br \/>\nund Barbara Kozelj (Flo\u00dfhilde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Richard Wagner (1813-1883), Vorabend zum B\u00fchnenfestspiel Der Ring des Nibelungen UA: 22. 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