{"id":4159,"date":"2012-09-17T07:52:39","date_gmt":"2012-09-17T06:52:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4159"},"modified":"2012-09-20T08:03:40","modified_gmt":"2012-09-20T07:03:40","slug":"aida-dessau-anhaltisches-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4159","title":{"rendered":"AIDA &#8211; Dessau, Anhaltisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Oper in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni und Camille du Locle, UA: 24. Dezember 1871 Kairo, Opernhaus<\/p>\n<p>Regie: Christian von G\u00f6tz, B\u00fchne: Britta Bremer, Kost\u00fcme: Katja Schr\u00f6pfer, Choreographie: Gabriella Gilardi, Dramaturgie: Felix Losert<\/p>\n<p>Dirigent: Antony Hermus, Orchester: Anhaltische Philharmonie, Opernchor und Extrachor, Choreinstudierung: Helmut Sonne, Ballettkompagnie des Anhaltischen Theaters<\/p>\n<p>Solisten: Iordanka Derilova (Aida), Sung Kyu Park (Radames), Rainer B\u00fcsching (Der K\u00f6nig), Rita Kapfhammer (Amneris), Kyung-Il Ko (Ramfis), Ulf Paulsen (Amonasro)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. September 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Dessau-Aida.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4160\" title=\"Dessau-Aida\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Dessau-Aida.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Dessau-Aida.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Dessau-Aida-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Aida, Tochter des \u00e4thiopischen K\u00f6nigs Amonasro, ist Gefangene des Pharaos und liebt den \u00e4gyptischen Hauptmann Radames. Auch die Pharaonentochter Amneris liebt Radames und vermutet in Aida eine Rivalin. Aidas Liebe zu Radames kommt in Konflikt mit der Tatsache, da\u00df Radames Heerf\u00fchrer gegen ihr Volk, die \u00c4thiopier, wird. Aidas Vater ist Gefangener der \u00c4gypter. Er wird Zeuge des Gespr\u00e4chs von Radames und Aida, in dem er ihr den geheimen Angriffsplans der \u00c4gypter mitteilt, wodurch die \u00c4gypter die rebellierenden Nubier endg\u00fcltig besiegen wollen. Dadurch hat Radames ungewollt sein Vaterland verraten. W\u00e4hrend Aida und ihr Vater entkommen, wird Radames gefangen und zum Tode verurteilt. Aida versteckt sich in der Gruft, in der Radames lebendig begraben wird, um mit ihrem Geliebten in den Tod zu gehen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christian von G\u00f6tz<\/strong> hat den historischen Stoff ins heutige \u00c4gypten versetzt, das Krieg um Wasser f\u00fchrt. Von dem auf den Vorhang projektierten Zitat al-Sadats <em>Wenn \u00c4gypten noch einmal Krieg f\u00fchrt, dann f\u00fcr Wasser.<\/em> Bis zum versiegenden Wasserspender, verdurstenden Statisten und aus XXL-Cups schl\u00fcrfenden Clanmitgliedern, ist das Wasser ein st\u00e4ndiges Motiv. Der Pharao und der Oberpriester Ramfis treten von Milit\u00e4rs umgeben auf, Bilder. Bilder, wie sie dem Publikum aus Fernsehsendungen vertraut sind, werden gezeigt. Abweichungen vom Libretto unterstreichen die Grausamkeiten des Milit\u00e4rs: Die vom K\u00f6nig begnadeten \u00e4thiopischen Gefangenen werden mit Benzin \u00fcbergossen und verbrannt. Mit der Asche \u00fcbersch\u00fcttet sich Aida. Die Flucht mit dem Vater endet f\u00fcr beide in einem Blutbad.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch gesehen, zeigen sich S\u00e4nger und Orchester gleicherma\u00dfen den Anforderungen gewachsen. Generalmusikdirektor <strong>Antony Hermus<\/strong> f\u00fchrt die Anhaltische Philharmonie pr\u00e4zise, ohne die S\u00e4nger aus dem Blick zu verlieren. Er dirigiert Verdi differenziert und verhaltenen, weniger mit Pauken und Trompeten. Trotz ihrer Kost\u00fcmierung gelingt <strong>Rita Kapfhammer <\/strong>(Amneris) die ganz und gar \u00fcberzeugende Darstellung der selbstverliebten, dekadenten Diktator-Tochter. Sie singt die Rolle der Amneris mit konzentrierter Tongebung, weniger majest\u00e4tisch, mehr mit dramatischer Intensit\u00e4t. <strong>Iordanka Derilova<\/strong> (Aida) hat eine Stimme von ungew\u00f6hnlicher Durchschlagkraft, die in den gro\u00dfen Chorszenen das Ensemble \u00fcberstrahlt. Sie meistert hohe Partien wie das exponierte C in der Nilarie <em>O patria mia \u2013 O mein Vaterland <\/em>(3. Akt) problemlos. Zuweilen geraten die T\u00f6ne in der hohen Stimmlage etwas scharf, und die tiefen T\u00f6ne dieser Partie sind zu schwach. Im<em> Per chi piango? per chi prego? &#8230;- F\u00fcr wen weine ich? <\/em><em>F\u00fcr wen bete ich? &#8230; <\/em>(1. Akt) fehlt die Verletzlichkeit, die die Sopranistin mit allzu theatralischen Gesten und Aktionen zu kompensieren sucht. Die gesangliche Leistung von <strong>Sung-Kyu Park <\/strong>(Radames) steht in starkem Kontrast zu der h\u00f6lzernen Darstellung, mit der er entscheidende Szenen verspielt. Man nimmt ihm den kriegsversessenen Milit\u00e4r eher ab als den sehns\u00fcchtigen Liebhaber. Der Tenor wei\u00df seine gewaltige Stimme einzusetzen und ist treffsicher in den T\u00f6nen, abgesehen von der gef\u00fcrchteten ersten Arie <em>Celeste Aida &#8211; Himmlische Aida <\/em>(1. Akt, 1. Szene). <strong>Kyung-Il Ko<\/strong> als finsterer Oberpriester Ramfis meistert seine Ba\u00dfpartie mit einer sowohl m\u00e4chtigen wie klangsch\u00f6nen Stimme. <strong>Ulf Paulsen<\/strong> (Amonasro) singt mit einem volumin\u00f6sen, warmen Ba\u00df die Vaterrolle. Ein szenischer wie musikalischer H\u00f6hepunkt sind die Chorszenen im ersten Finale der Tempelszene (1. Akt) und im zweiten Finale der Siegesfeier (2. Akt) durch die Ch\u00f6re.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die moderne Lesart des St\u00fcckes l\u00e4\u00dft gerade die Hauptakteure in allzu ungewohntem Licht erscheinen. Die emotionale Ergriffenheit h\u00e4lt sich im Rahmen. Mit lang anhaltendem Applaus wurde die musikalische Leistung von S\u00e4ngern, Chor und Orchester bedacht. Hingegen zeigten die lautstarken Buh-Rufe des Publikums beim Auftritt des Regieteams, da\u00df allein die Akteure, nicht die teilweise widerspr\u00fcchliche, allzu plakative Regie, der Dessauer <em>Aida<\/em> zu einem Erfolg verholfen haben.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Claudia Heysel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Iordanka Derilova (Aida), Ulf Paulsen (Amonasro) und Chor<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Oper in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni und Camille du Locle, UA: 24. 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