{"id":414,"date":"2008-11-09T11:04:15","date_gmt":"2008-11-09T09:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=414"},"modified":"2008-11-11T21:55:26","modified_gmt":"2008-11-11T19:55:26","slug":"leipzig-oper-aida","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=414","title":{"rendered":"Leipzig, Oper &#8211; AIDA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi, Oper in vier Akten und sieben Bildern, Libretto von Antonio Ghislanzoni nach einem Szenario von Auguste Meriette, UA: 24. Dezember 1871, Opernhaus Kairo<br \/>\nRegie: Peter Konwitschny, B\u00fchne J\u00f6rg Kossdorff, Kost\u00fcme Michaela Mayer-Michnay<br \/>\nDirigent: Axel Kober, das Gewandhausorchester, Chor der Oper Leipzig, Choreinstudierung S\u00f6ren Eckhoff<br \/>\nSolisten: James Moellenhoff (K\u00f6nig), Natascha Petrinsky (Amneris), Sylvie Valayre (Aida), Carlo Ventre (Radam\u00e8s), Danilo Rigosa (Ramfis), Paolo Gavanelli (Amonasro), Michael Chu (ein Bote), Viktorija Kaminskaite (Priesterin)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 1. November2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"leipzig-aida.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/leipzig-aida.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"leipzig-aida.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/leipzig-aida.jpg\" \/><\/a>Die Handlung spielt in \u00c4gypten zur Regierungszeit Ramses\u2019 III. zwischen 1198-1166, in einer Zeit, in der die \u00c4gypter mehrmals gegen aufst\u00e4ndische V\u00f6lker im S\u00fcden des Landes Krieg f\u00fchrten. Radam\u00e8s, Feldherr des K\u00f6nigs, liebt die \u00e4thiopische K\u00f6nigstochter Aida, die gefangen worden war und am Hof des Pharao als Sklavin lebt. Aber auch Amneris, die \u00e4gyptische K\u00f6nigstochter, liebt Radam\u00e8s. Weiterer Konfliktstoff ist die Vaterlandsliebe von Aida und Radam\u00e8s zu ihren Heimatl\u00e4ndern. Der \u00e4thiopische K\u00f6nig Amonasro, der bei den K\u00e4mpfen in \u00e4gyptische Gefangenschaft geraten ist, \u00fcberredet seine Tochter Aida, aus Radam\u00e8s den Angriffsplan gegen die wieder angreifenden \u00c4thiopier herauszulocken. Daher mu\u00df Radam\u00e8s bei der Schlacht gegen die \u00c4thiopier desertieren. Doch er wird verhaftet und zum Tode durch Ersticken in einer unterirdischen Grabkammer verurteilt. In diese gelangt aber auch Aida und beide sterben gemeinsam.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEin kahler wei\u00df get\u00fcnchter Saal mit einem in der Mitte stehenden Sofa, bedeckt mit \u00fcberlanger roter Samtdecke, ist Schauplatz der gesamten Oper. Eine T\u00fcr links aus Zuschauerperspektive ist der einzige Zugang. Das jubelnde \u00e4gyptische Heer und \u2013 sp\u00e4ter im zweiten Akt die gefangenen \u00c4thiopier \u2013 bleiben unsichtbar. Die Ch\u00f6re aus dem Off (B\u00fchnenintergrund) h\u00f6rt man zu Anfang \u00fcber Lautsprecher (!), sp\u00e4ter hinter Scheidew\u00e4nden. Nur einmal \u00f6ffnet sich die Hinterwand des Zimmers und zeigt den Chor mit einem Dirigenten davor, der wiederum vor sich einen Monitor hat, auf dem er den Dirigenten aus dem Graben sieht, dessen Dirigat er f\u00fcr den Chor mit seinen Armen sichtbar macht. Vor dem Chor ist ein Orchester plaziert. Das ist aber auch das einzige Mal, da\u00df man den Chorgesang ohne die Abd\u00e4mpfung durch Vorh\u00e4nge h\u00f6rt. Die Triumphtrompeten spielt man von den seitlich \u00fcber dem Parkett h\u00e4ngenden Logentrib\u00fcnen. Am Opernende gehen Aida und Radam\u00e8s auf den durch eine Videoleinwand sichtbar gemachten Leipziger Hauptbahnhofvorplatz mit all den abfahrenden Autos und Stra\u00dfenbahnen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Carlo Ventre<\/strong> (Radam\u00e8s) hat eine laute Stimme. Diese setzt er so ein, da\u00df man meint, in einer Puccini-Oper zu sein. Die Stimme wird in den H\u00f6hen eng und gepre\u00dft. Durch ungenaue Artikulation ist kaum ein Wort zu verstehen. Das w\u00e4re insofern wichtig gewesen, da die \u00dcbertitelung nur einen verk\u00fcrzten Text zeigte. Auch <strong>Sylvie Valayres<\/strong> (Aida) Aussprache  ist undeutlich. Ihre Stimme ist weder strahlend noch lyrisch. Hinzu kommen Intonationstr\u00fcbungen. Ein Lichtblick ist <strong>Natascha Petrinsky<\/strong> (Amneris), die ihre Stimme gut in die H\u00f6he f\u00fchrte und als Marilyn-Monroe-Erscheinung auch in ihrer szenischen Aktion \u00fcberzeugt. Die besten S\u00e4nger sind die Herren, allen voran <strong>Paolo Gavanelli <\/strong>(Amonasro). Mit vollendeter Textaussprache f\u00fchrt er seine Stimme geschmeidig durch alle Lagen. Hinzu kommt seine \u00fcberzeugende Darstellung als gefangener \u00c4thiopier. Ebenso lobenswert ist <strong>Danilo Rigosa<\/strong> (Ramfis) mit einer je nach der Situation geschickt eingesetzten klaren Stimme. Trotz den etwas kurzen Passagen \u00fcberzeugt James Moellenhoff als K\u00f6nig in Gesang und B\u00fchnenaktion. Auffallend gut <strong>Viktorija Kaminskaite<\/strong> in ihrem klar intonierten Gesang als Priesterin, da ihre Sopranstimme sich sehr gut f\u00fcr die Wiedergabe der \u201e\u00e4gyptischen\u201c Gebete eignet. Leider mu\u00df man auf die anderen T\u00e4nzerinnen des ber\u00fchmten Priesterinnenballetts verzichten. Aber Frau Kaminskaite bringt trotz der langweiligen Zimmerumgebung ein wenig Leben in das Geschehen, auf das man ansonsten weitgehend verzichten mu\u00df. Die S\u00e4nger m\u00fcssen allerdings auf ein gut funktionierendes <strong>Orchester<\/strong> verzichten: entweder ist es zu laut oder zeichnet schlecht. Eine Gesangsst\u00fctze durch Dirigent <strong>Axel Kober <\/strong>ist kaum bemerkbar. Aber was eigentlich das schlimmste ist: in keinem Augenblick bemerkt man ein Federn oder Schwingen der Verdischen Musik.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\n<em>Aida<\/em> ist v\u00f6llig ihrer Atmosph\u00e4re, besonders der von Verdi beachteten Couleur locale beraubt. Was \u00fcbrig bleibt, bereitet meist Langweile. Glaubt man eigentlich mit der Reduzierung auf ein Kammerspiel die Handlung besser verstehbarer zu machen? Dennoch verzichtet das Regieteam nicht ganz auf  Pyramiden und Sphinx, da man im Nilakt (3. Akt) diese auf die Hinterwand des kahlen Zimmers mit Palmen projiziert. Von einer neuen Sicht auf die Oper ist in Pausengespr\u00e4chen die Rede. Verdi hat ja gerade das Schicksal der ungl\u00fccklich Liebenden vor dem Glanz und Gold des Pharaonenhofs darstellen wollen, um durch diesen Kontrast die Ausweglosigkeit des Schicksals  der Liebenden dem Zuschauer deutlich vor Augen zu f\u00fchren. In dem von Verdi  und Ghislanzoni erdachten Ambiente kommt das Leiden von Aida und Radam\u00e8s doch eindrucksvoller zur Geltung als in einem Zimmer mit wei\u00dfen W\u00e4nden? Gibt es nicht andere Verdiopern, die man entkleiden kann, ohne da\u00df die Substanz der ganzen Oper so Schaden leidet wie bei <em>Aida<\/em>? Die Zuschauer empfangen dann auch den Chefregisseur Konwitschny mit ohrenbet\u00e4ubendem langanhaltendem Buh, was dieser mit Grinsen quittiert. Sollen die Zuschauer zuk\u00fcnftig mit faulen Eiern werfen? Es ist ja \u00fcbrigens keine Premiere, denn die Inszenierung wurde erstmals 1994 in Graz und 1995 in Meiningen gezeigt. Hat sie durch ihr ehrw\u00fcrdiges Alter an Attraktivit\u00e4t gewonnen? Diese Frage m\u00f6ge sich jeder Zuschauer selbst beantworten.<br \/>\nDr. Olaf  Zenner<br \/>\nBild: Andreas Birkigt<br \/>\nDas Bild zeigt: James Moellendorf (der K\u00f6nig), Danilo Rigosa (Ramfis), Carlo Ventre (Radam\u00e8s), Sylvie Valayre (Aida), Paolo Gavanelli (Amonasro), Natascha Petrinsky (Amneris)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi, Oper in vier Akten und sieben Bildern, Libretto von Antonio Ghislanzoni nach einem Szenario von Auguste Meriette, UA: 24. 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