{"id":4135,"date":"2012-08-31T12:47:04","date_gmt":"2012-08-31T11:47:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4135"},"modified":"2012-09-07T12:57:23","modified_gmt":"2012-09-07T11:57:23","slug":"bayreuther-festspiele-2012","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4135","title":{"rendered":"Bayreuther Festspiele 2012"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>DER FLIEGENDE HOLL\u00c4NDER <\/strong><\/p>\n<p>Romantische Oper<\/p>\n<p>Regie: Jan Philipp Gloger, B\u00fchne: Christof Hetzer, Kost\u00fcme: Karin Jud<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Einstudierung: Eberhard Friedrich (gilt f\u00fcr alle Opern)<\/p>\n<p>Solisten: Franz-Josef Selig (Daland), Adrianne Pieczonka (Senta), Michael K\u00f6nig (Erik), Samuel Youn (Holl\u00e4nder) u.a.<\/p>\n<p><strong>LOHENGRIN<\/strong><\/p>\n<p>Romantische Oper<\/p>\n<p>Regie: Hans Neuenfels, B\u00fchne: Reinhard von der Thannen<\/p>\n<p>Dirigent: Andris Nelsons<\/p>\n<p>Solisten: Wilhelm Schwinghammer (K\u00f6nig Heinrich), Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Annette Dasch (Elsa) u.a.<\/p>\n<p><strong>TRISTAN UND ISOLDE<\/strong><\/p>\n<p>Handlung in drei Aufz\u00fcgen<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne: Christoph Marthaler<\/p>\n<p>Dirigent: Peter Schneider<\/p>\n<p>Solisten: Irene Theorin (Isolde), Robert Dean Smith (Tristan), Jukka Rasilainen (Kurwenal), Kwangchul Youn (K\u00f6nig Marke), Michelle Breedt (Brang\u00e4ne) u.a.<\/p>\n<p><strong>TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG<\/strong> (DRESDNER FASSUNG)<\/p>\n<p>Gro\u00dfe romantische Oper<\/p>\n<p>Regie: Sebastian Baumgarten, B\u00fchne: Joep van Lieshout, Video Christopher Kondek<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann<\/p>\n<p>Solisten: G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Landgraf Hermann), Torsten Kerl (Tannh\u00e4user), Michael Nagy (Wolfram), Lothar Odinius (Walther), Thomas Jesatko (Biterolf), Camilla Nylund (Elisabeth), Michelle Breedt (Venus) u.a.<\/p>\n<p><strong>PARSIFAL<\/strong><\/p>\n<p>B\u00fchnenweihfestspiel<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne : Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan<\/p>\n<p>Solisten: Detlef Roth (Amfortas), Diogenes Randes (Titurel), Kwangchul Youn (Gurnemanz), Burkhard Fritz (Parsifal), Thomas Jesatko (Klingsor), Susan Maclean (Kundry) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrungen: Vom 24. bis zum 28.August 2012<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Bayreuther Festspiele gibt es seit 1876. Richard Wagner wollte das Publikum zwingen, sich in einer Provinzstadt auf das Werk zu konzentrieren. Die heutigen Eigent\u00fcmer des \u201eGr\u00fcnen H\u00fcgels\u201c sind die Bundesrepublik, das Land Bayern, die Stadt Bayreuth und die M\u00e4zenaten-Vereinigung <em>Freunde von Bayreuth<\/em>. Da aber die Bausubstanz am Festspielhaus br\u00f6ckelt, ist Sanierungsbedarf in Millionenh\u00f6he zu erwarten. Doch will keiner der Beteiligten diese \u00fcbernehmen. Die Sanierung der Villa Wahnfried \u2013 Wagners Wohnhaus, jetzt Museum \u2013 wird ebenfalls nicht bis 2013 fertig.<\/p>\n<p>Bayreuth ist immer noch dieses Provinznest. Dieser Eindruck wurde unterstrichen mit dem \u201efreiwilligen Verzicht\u201c des Evgeny Nikitin, Hauptdarsteller im <em>Fliegenden Holl\u00e4nder<\/em>. Zu erw\u00e4hnen ist, da\u00df Nikitin in den kommenden Spielzeiten an der M\u00fcnchner Staatsoper und der Met singen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Der fliegende Holl\u00e4nder<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bayreuth-Holl\u00e4nder.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4136\" title=\"Bayreuth-Holl\u00e4nder\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bayreuth-Holl\u00e4nder.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bayreuth-Holl\u00e4nder.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Bayreuth-Holl\u00e4nder-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Musikalisch ist die Vorstellung begl\u00fcckend \u2013 besonders Dank <strong>Samuel Youn<\/strong>, der die Titelpartie mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t gestaltet. Sicher hat der helle Ba\u00dfbariton seine St\u00e4rken in den h\u00f6heren Lagen, aber Youn gelang mit immer wortverst\u00e4ndlicher Aussprache eine glaubw\u00fcrdige Darstellung des Gesch\u00e4ftsmanns. <strong>Adrianne Pieczonka<\/strong> versucht sich mit ihrem leuchtenden jugendlichen Sopran im dramatischen Fach. Leider ist die Stimme zu schmal, zu eindimensional. Je mehr sie forciert, desto schneidender klingt es. <strong>Franz-Josef Selig<\/strong> gestaltet gekonnt den biederen Daland. Er gestaltet die Rolle mit vollt\u00f6nendem Ba\u00df und vielen Klangfarben. <strong>Michael K\u00f6nigs<\/strong> Mittellage klingt samtig weich, das Forte und die H\u00f6hen sind allerdings br\u00fcchig. Eine ideale Symbiose erlebt man zwischen <strong>Christian<\/strong> <strong>Thielemann<\/strong> und dem <strong>Festspielorchester<\/strong>. Absolut perfekt das Zusammenspiel trotz auffallend vieler allzu schnellen Tempi-Wechsel oder etwas zu ausgedehnten Generalpausen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im <strong><em>Parsifal<\/em> <\/strong>zeigt <strong>Kwangchul Youn<\/strong> als Gurnemanz eine saubere Artikulation und <strong>Detlef Roth<\/strong> bringt mit seinem lyrischen Bariton, der reich an Unterschwingungen ist, wohlklingenden Glanz. <strong>Susan Maclean<\/strong> (Kundry) gestaltet ihre Rolle mit hochdramatischem Sopran und viel Durchschlagskraft. Dar\u00fcber hinaus freut man sich \u00fcber einen<strong> Chor<\/strong>, der hinsichtlich Klangbild und Zusammenspiel Ma\u00dfst\u00e4be setzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Produktion des <strong><em>Tannh\u00e4users<\/em><\/strong> ist auch durch die \u00dcbernahme des Dirigats durch <strong>Christian Thielemann<\/strong> nicht zu retten. Die Gasanlage mit Alkoholdestillation hat mit der Suche nach wahrer Liebe nichts zu tun. S\u00e4ngerisch ist die Neubesetzung des Tannh\u00e4users durch <strong>Torsten Kerl<\/strong> und der Venus durch <strong>Michelle Breedt<\/strong> ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Gewinn ist der samtige lyrische Bariton<strong> Michael Nagy<\/strong> als Wolfram, ebenso <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> (Landgraf) mit jugendlich dynamischem Ba\u00df bei sehr tiefem Timbre und <strong>Camilla Nylund<\/strong> mit ihrem hellen Sopran. Leider neigte sie in der <em>Hallenarie<\/em> zum tremolieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Lohengrin<\/em><\/strong> spielt in einem Genlabor und ist wegen der liebevoll gezeichneten Ratten umstritten &#8211; der Bezug zwischen Ratten und Brabant bleibt unklar. Musikalisch umjubelt, denn <strong>Klaus Florian Vogt <\/strong>in der Titelrolle und <strong>Anette Dasch<\/strong> als Elsa sind momentan die besten Darsteller dieser Rollen. <strong>Wilhelm Schwinghammer <\/strong>(K\u00f6nig Heinrich) kann \u00fcber weite Strecken mit Georg Zeppenfeld mithalten, der bislang die Rolle sang. Der Heerrufer ist die zweite Rolle von <strong>Samuel Youn<\/strong>, die er neben dem Holl\u00e4nder gesungen hat &#8211; mit gen\u00fcgend heldischen Glanz in der Stimme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Tristan und Isolde<\/em><\/strong> wurde von Anfang an wenig gesch\u00e4tzt, weil die Idee, schnell alternde Personen zu zeigen, haupts\u00e4chlich Langeweile verbreitete und keine tragische Liebesgeschichte tragen konnte. S\u00e4ngerisch k\u00f6nnen hier nur die M\u00e4nner \u00fcberzeugen, <strong>Robert Dean Smith <\/strong>und<strong> Jukka Rasilainen<\/strong>, die mit ausdauernder lyrischer Stimme immer noch zu den besten Tristan und Kurwenal-Darstellern unserer Tage z\u00e4hlen. Sch\u00f6nheit und lyrischen Glanz k\u00f6nnen weder <strong>Irene Theorin<\/strong> (Isolde), noch <strong>Michelle Breedt<\/strong> (Brang\u00e4ne) verbreiten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jan Philipp Glogers<\/strong> <em>Holl\u00e4nder<\/em> als Neuinszenierung ist bodenst\u00e4ndig solide, detailverliebt und nicht bierernst. Sie scheitert daran, da\u00df die werkimmanente Kapitalismuskritik dominiert und die Liebesbeziehung zwischen Senta und Holl\u00e4nder zu kurz kommt.<\/p>\n<p>Neben der <strong>Kinderoper<\/strong>, die mittlerweile bei Erwachsenen sich gro\u00dfer Beliebtheit erfreut, mu\u00df man abseits vom Festspielhaus auf die Suche nach Festspielw\u00fcrdigem gehen. So ist das Schauspiel <em>Richard! Mein Leben!<\/em> (Studiob\u00fchne Bayreuth, Regie Uwe Hoppe) eine kongeniale Auseinandersetzung mit dem Wirken Wagners bis in unsere Tage: <em>Aktuelle Inszenierungen? Das allerdings ist ein Elend. Aber irgendwie ist es auch sehr lustig und befriedigend zu erleben, was meine Opern so alles aushalten<\/em>.<\/p>\n<p>2013 kommt der <em>Ring <\/em>zum 200. Geburtstag des Meisters. Allerdings ist das Vertrauen in die Regie Frank Castorfs gering. Auch die Jugendwerke (in Kooperation mit Leipzig), die in der Sportarena (!) \u201eOberfrankenhalle\u201c aufgef\u00fchrt werden, hinterlassen bei Preisen bis zu 500 Euro Kopfsch\u00fctteln. Das Geburtstagskonzert im Festspielhaus am 22. Mai 2012 ist allerdings bereits ausverkauft.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Adrianne Pieczonka (Senta), Franz-Josef Selig (Daland), Samuel Youn (Holl\u00e4nder) v.l.n.r.<\/p>\n<p>( Der fliegende Holl\u00e4nder)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DER FLIEGENDE HOLL\u00c4NDER Romantische Oper Regie: Jan Philipp Gloger, B\u00fchne: Christof Hetzer, Kost\u00fcme: Karin Jud Dirigent: Christian Thielemann, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Einstudierung: Eberhard Friedrich (gilt f\u00fcr alle Opern) Solisten: Franz-Josef Selig (Daland), Adrianne Pieczonka (Senta), Michael K\u00f6nig<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4135\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[173,116],"tags":[],"class_list":["post-4135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bayreuther-festspiele","category-musikfestivals"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4135"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4175,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4135\/revisions\/4175"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}