{"id":412,"date":"2008-11-06T23:11:50","date_gmt":"2008-11-06T21:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=412"},"modified":"2008-11-06T23:12:33","modified_gmt":"2008-11-06T21:12:33","slug":"heidelberg-stadtische-buhne-phaedra","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=412","title":{"rendered":"Heidelberg, St\u00e4dtische B\u00fchne &#8211; PHAEDRA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hans Werner Henze ; Konzertoper in zwei Akten; Libretto: Christian Lehnert; UA 6. September 2007, Berlin<br \/>\nRegie: Daniel Cremer; B\u00fchnenbild: Ben Baur; Kost\u00fcme: Am\u00e9lie Sator; Beleuchtung: Ralph Schanz; Dramaturg: Ulrich Volz;<br \/>\nDirigent: Dietger Holm, Orchester: Philharmonisches Orchester der Stadt Heidelberg<br \/>\nSolisten: Carolyn Frank (Phaedra); Maraile Lichdi (Aphrodite); Yosemeh Adjei (Artemis); Emilio Pons (Hippolyt); Alejandro Armenta (Minotaurus)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 1. November 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/heidelberg-phaedra.jpg\" TITLE=\"heidelberg-phaedra.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/heidelberg-phaedra.jpg\" ALT=\"heidelberg-phaedra.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Phaedra, die Gattin des Theseus, liebt ihren Stiefsohn, den J\u00e4ger Hippolyt. Als sie diesem, von der G\u00f6ttin Aphrodite best\u00e4rkt, ihre Liebe gesteht, weist er sie zur\u00fcck. Phaedras Liebe schl\u00e4gt in Ha\u00df um, und sie beschuldigt Hippolyt bei ihrem Gatten, er habe sie vergewaltigt. Daraufhin veranla\u00dft Theseus den Tod seines Sohnes durch den Meeresgott Poseidon. Von Reue- und Verlustgef\u00fchlen geplagt, t\u00f6tet Phaedra sich schlie\u00dflich selbst. Artemis, die G\u00f6ttin der Jagd, verleiht Hippolyt neues Leben und h\u00e4lt ihn am See von Nemi in ihrem Heiligtum gefangen. Phaedra dagegen versucht gemeinsam mit Aphrodite, Hippolyt in die Unterwelt zu locken. Am Ende befreit Hippolyt sich selbst aus der Manipulation und wird zum Waldgott Virbius. Der wiedergeborene Minotaurus verk\u00fcndet einen Neuanfang und das gesamte Ensemble singt gemeinsam: Wie sind nackt geboren. Wir dingen zur Sterblichkeit vor und tanzen\u2026<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDer sehr junge Regie- und B\u00fchnenteam <strong>Daniel Cremer\/Ben Baur<\/strong> nehmen Henzes Gattung \u201eKonzertoper\u201c beim Wort und gestalten die B\u00fchne gleich einem Konzertsaal. Das Vokalquartett steht in Alltagskleidern hinter den mit Namensschildern versehenen Pulten, das Orchester ist samt ihrem Dirigenten auf der B\u00fchne plaziert. Die S\u00e4nger reden zwischen ihren Gesangspassagen miteinander, schreiben sms oder erledigen Eink\u00e4ufe.  Doch aus dem Alltag und der teilweise chaotischen Probe entwickelt sich ein Theaterspiel, denn die S\u00e4ngerin der Phaedra verliebt sich in den S\u00e4nger des Hippolyt. Eine Mischung aus dem antiken Mythos Phaedra und einer verselbst\u00e4ndigten Handlung beginnt.<br \/>\nPhaedra verteilt in ihrer Verzweiflung Blumenerde im Konzertsaal, eine Partitur wird zerrissen, die B\u00fchne immer dreckiger und chaotischer. Schlie\u00dflich spinnt Phaedra ihre Intrige gegen Hippolyt bildlich, indem sie gemeinsam mit Aphrodite den ganzen Raum mit goldenem Faden durchzieht, auch Hippolyt wird damit gefesselt. Der Umzug des Orchesters in den B\u00fchnengraben, der die Pause ersetzt, verdeutlicht die Verlegung des zweiten Aktes in die Unterwelt. Es fehlt auch in der zweiten H\u00e4lfte der Inszenierung nicht an eindr\u00fccklichen Auftritten: Den der Aphrodite in goldenem Gewand beispielsweise, die in einer Art Aufzug von oben erscheint oder den Tanz der G\u00f6tter mit antiken Masken am Hain von Nemi.<br \/>\nEingebaute Klangelemente wie das Zirpen von Zikaden oder  das Knattern einer Motors\u00e4ge sind von Henze vorgesehen, werden in der Inszenierung aber noch durch Elemente wie das Abspielen des Nessun Dorma (aus Turandot von G. Puccini) mittels eines Handys scherzhaft erweitert.<br \/>\nDie Inszenierung versucht, den Begriff der \u201eKonzertoper\u201c zu definieren und die Leidenschaft, das Leben des Opernstoffes sowie der Musik zu vermitteln. Sie wirkt dabei aber (beispielsweise durch dazu gedichtete englische Texte) zu unruhig und verdr\u00e4ngt die Atmosph\u00e4re einer Auff\u00fchrung immer wieder mit dem Bild einer unkoordinierten Probe.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nSowohl <strong>Carolyn Frank<\/strong>  (Phaedra) mit facettenreichen Mezzosopran wie auch <strong>Maraile Lichdi<\/strong> (Aphrodite) begeistern durch stimmlich herausragende Leistungen und meistern besonders ihre gemeinsamen Passagen harmonisch und wohlklingend. <strong>Yosemeh Adjei<\/strong> (Artemis) gelingt es als Countertenor leider nicht zu \u00fcberzeugen, die hohen T\u00f6ne klingen unnat\u00fcrlich und gepre\u00dft. <strong>Emilio Pons<\/strong> (Hippolyt) dagegen gl\u00e4nzt mit einer vollen, ungezwungen anmutenden Tenorstimme, scheint sich aber mit der Opferrolle des Hippolyt nicht ganz identifiziert zu haben und wirkt eher arrogant als fremdgesteuert. <strong>Alejandro Armenta<\/strong> (Minotaurus), liefert ein rollengem\u00e4\u00df kleines, aber sehr souver\u00e4nes Deb\u00fct am Heidelberger Theater. Das<strong> Orchester<\/strong>, das vor allem durch aufwendiges Schlagwerk und viel Blech auff\u00e4llt, spielte unter seinem Dirigenten <strong>Dietger Holm<\/strong>, der \u00e4hnlich einem Spielmeister alles zusammenhielt, von filigran bis dramatisch sehr einf\u00fchlsam und voller R\u00fccksicht auf die hinzugef\u00fcgten Texte des Vokalensembles.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine sehr ungew\u00f6hnliche Inszenierung, die teilweise verwirren konnte, vom Publikum aber mit langem Applaus und vielen Lachern \u00fcber eingebaute Scherze aufgenommen wurde und auf den zweiten und dritten Blick immer sinnvoller erscheint.<br \/>\nLeonore Kratz<br \/>\nBild: Markus Kaesler, das Bild zeigt Aphrodite und Hippolyt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hans Werner Henze ; Konzertoper in zwei Akten; Libretto: Christian Lehnert; UA 6. 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