{"id":4118,"date":"2012-07-31T09:19:28","date_gmt":"2012-07-31T08:19:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4118"},"modified":"2012-11-24T11:00:47","modified_gmt":"2012-11-24T10:00:47","slug":"tiroler-festspiele-2012-erl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4118","title":{"rendered":"Tiroler Festspiele 2012, Erl"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Regie\/Dirigent: Gustav Kuhn, Orchester und Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl, Choreinstudierung: Marco Medved<\/p>\n<p><strong><em>Tannh\u00e4user und der S\u00e4ngerkrieg auf Wartburg<\/em><\/strong> (Pariser Fassung)<\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto R. Wagner, UA: 1845 Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Gazheli (Landgraf Hermann), Gianluca Zampieri (Tannh\u00e4user), Michael Kupfer (Wolfram), Ferdinand von Bothmer (Walther), Julian Orlishausen (Biterolf), Wolfram Wittekind (Heinrich), Michael Doumas (Reinmar), Nancy Wei\u00dfbach (Elisabeth), Mona Somm (Venus), Michelle Buscemi (Hirt), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Juli 2012 (Premiere, Wiederaufnahme)<\/p>\n<p><strong><em>Lohengrin<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto R. Wagner; UA: 28. August 1850 Weimar.<\/p>\n<p>Solisten: Andrea Silvestrelli (K\u00f6nig Heinrich), Ales Briscein (Lohengrin), Susanne Geb (Elsa), Thomas Gazheli (Telramund), Elena Suvorova (Ortrud), Michael Kupfer (Heerrufer)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Juli 2012 (Neuproduktion)<\/p>\n<p><strong><em>Parsifal<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner Libretto R. Wagner, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 1882 Bayreuth.<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Gazheli (Amfortas), Michael Doumas (Titurel), Johannes Schmidt (Gurnemanz), Michael Baba (Parsifal), Michael Kupfer (Klingsor), Mona Somm (Kundry), Michaela Bregantin (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Juli 2012 (Wiederaufnahme)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Tiroler Festspiele Erl wurden 1998 mit <em>Rheingold<\/em> er\u00f6ffnet. Gustav Kuhn ist seitdem der Intendant, Dirigent und Regisseur. Neben dem bisher genutzten Passionsspielhaus, das alle sechs Jahre f\u00fcr die Passionsspiele ben\u00f6tigt wird, wurde noch ein Winterfestspielhaus errichtet, das neben einem der gr\u00f6\u00dften Orchestergr\u00e4ben auch Garderoben und Probenr\u00e4ume bereit h\u00e4lt. Das Passionsspielhaus selbst verf\u00fcgt \u00fcber keinen Orchestergraben, deshalb sitzt das Orchester und der Chor gestaffelt auf mehreren Podien im Hintergrund der B\u00fchne, w\u00e4hrend der schmale Streifen zwischen Orchester und Zuschauerraum f\u00fcr die halbszenische Darstellung verwendet wird. Die Pausengastronomie ist einfach, ein mond\u00e4nes Publikum wie in Salzburg oder Bayreuth findet man hier nicht.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Erl-Lohengrin.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4119\" title=\"Erl-Lohengrin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Erl-Lohengrin.gif\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Erl-Lohengrin.gif 235w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Erl-Lohengrin-201x300.gif 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eine dominante Rolle in der Neuinszenierung des <strong><em>Lohengrins<\/em><\/strong> \u00fcbernimmt der Schwan: <strong>Claudia Czyz<\/strong> t\u00e4nzelt ihn, omnipr\u00e4sent, \u00fcber die B\u00fchne, was manchmal doch etwas zu viel des Guten ist. Sie zieht nicht nur Lohengrin an einer Kette aus der Versenkung, sondern auch eine Taube in Gestalt eines Jungen. Dieser wird an dieser Kette aus der Versenkung gezogen. Diese Taube bringt dann Lohengrin in die Gralswelt zur\u00fcck. Die Kampfszene zwischen Lohengrin und Telramund findet etwas r\u00e4tselhaft im Halbdunkel statt, die Kost\u00fcme k\u00f6nnen zeitlich nicht zugeordnet werden. Auf Speere und Schwerter wird verzichtet.<\/p>\n<p>Erl kann durchaus musikalisch und mit s\u00e4ngerischen Leistungen punkten. Da ist die erfreuliche \u00dcberraschung mit <strong>Ales Briscein<\/strong> als Lohengrin. Ein technisch perfekter lyrischer Tenor, intonations- und h\u00f6hensicher gef\u00fchrt. <strong>Susanne<\/strong> <strong>Geb<\/strong> beindruckt mit einer glockenklaren Mittellage als Elsa, st\u00f6\u00dft jedoch, besonders in den H\u00f6hen, an ihre Grenzen indem sie leiser wird und tremoliert. <strong>Thomas Gazhelli<\/strong> (Telramund) k\u00e4mpft sich mit einem sehr harten Heldenbariton durch den Abend, am Ende ist er deutlich heiser. Im besonderen Gegensatz dazu steht die stimmliche Leistung von <strong>Elena Suvorova<\/strong>. Sie leiht der mitleidlos agierenden Intrigantin Ortrud die passende Stimme. Obwohl die Stimme im Grenzbereich gef\u00fchrt wird (die<em> Entweihten G\u00f6tter<\/em> erzeugen beinahe Schmerzen), bleiben doch die T\u00f6ne intonationssicher und wortverst\u00e4ndlich. Eine Entdeckung ist <strong>Michael Kupfer<\/strong> als Heerrufer. Er ist ein durchschlagsstarker und doch lyrischer Bariton, der seine Rolle gestalten kann und doch immer wortverst\u00e4ndlich ist. <strong>Andrea Silvestrelli<\/strong> als K\u00f6nig Heinrich mu\u00df man als vokalen Ausfall einsch\u00e4tzen. Das Klangvolumen erinnert nur noch an vergangene Tage, er pa\u00dft auch nicht in die Gesangsgruppen. Bemerkenswert, da\u00df auch die Nebenrollen wie Edle und Edelknaben klangsch\u00f6n besetzt sind.<\/p>\n<p>Musikalisch spielte <strong>Gustav Kuhn<\/strong>, der auch wieder Regie f\u00fchrt, mit seinem <strong>Orchester<\/strong> und der <strong>Chorakademie <\/strong>der Tiroler Festspiele wieder die erste Geige. Die Klangfarben des Orchesters <strong>Accademia di Montegral<\/strong> sind beeindruckend vielf\u00e4ltig und unter Kuhn entsteht ein unvergleichlicher Wagner-Klang, der mittlerweile fest mit Erl assoziiert wird. Beeindruckend wie die Zusammenarbeit mit dem Chor gelang. Zwar wirkte der Chor etwas statisch und die breite Aufstellung quer \u00fcber die B\u00fchne f\u00fchrte manchmal dazu, da\u00df einzelne Stimmen herausgeh\u00f6rt werden k\u00f6nnen, jedoch ist die Abstimmung zwischen Chor, Orchester und Solisten stets einwandfrei, das Klangerlebnis der Choroper <em>Lohengrin<\/em> wunderbar. \u00dcbrigens war selten eine so vollst\u00e4ndige Fassung des <em>Lohengrins<\/em> zu h\u00f6ren. Nur der zweite Teil der Gralserz\u00e4hlung wurde Lohengrin geschenkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die auff\u00e4lligste S\u00e4ngerleistung des <strong><em>Parsifal<\/em><\/strong> in der kargen B\u00fchnenausstattung erreichte <strong>Michael Kupfer<\/strong>, der mit viel lyrischem Schmelz die Nebenrolle des Klingsors zu einem schmierigen Kuppler umwandelte und aufwertete. Gleich dahinter rangierte die Rollengestaltung des <strong>Johannes Schmidt<\/strong> als Gurnemanz \u2013 ihm gelang die Gestaltung eines Erz\u00e4hlformates. Mit solider Technik erreichte er saubere H\u00f6hen und Tiefen dieser Rolle. <strong>Thomas Gazheli<\/strong> konnte mit absoluter Textverst\u00e4ndlichkeit das Leiden des Amfortas in allen seinen Schattierungen darstellen. Die St\u00e4rken der <strong>Mona Somm<\/strong> (Kundry) lagen eindeutig in den lyrischen Erz\u00e4hlphasen, wenn sie im zweiten Akt mit tiefem Timbre Parsifal zu verf\u00fchren suchte. <strong>Michael Baba<\/strong> in der Titelrolle teilte sich seine Kr\u00e4fte ein und hatte am Ende eine sehr eng gef\u00fchrte glanzlose Stimme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr das umfangreiche <strong><em>Tannh\u00e4user<\/em><\/strong>-Bacchanal der Pariser Fassung gibt es in Erl kein klassisches Ballett, sondern eher das Schaulaufen von zehn Damen, die \u00fcber schwarzer Unterw\u00e4sche eine Kappe mit Glitterumhang trugen oder besser ablegten.<\/p>\n<p>Die dominanteste Stimme hatte <strong>Michael Kupfer<\/strong> als Wolfram: lyrisch und mit viel samtener Ausstrahlung, ohne Anstrengung in den H\u00f6hen und sicherer Tiefe. Da konnte <strong>Gianluca Zampieri<\/strong> in der Titelpartie fast mithalten. Mit viel tenoralem Glanz teilte er sich die Partie klug ein, gestaltete die Rom-Erz\u00e4hlung als wahren Minnegesang und war \u00a0sp\u00fcrbar am Ende seiner Kr\u00e4fte. Als beste Damenstimme \u2013 und umjubelt gefeiert \u2013 wurde <strong>Nancy Wei\u00dfbach<\/strong> als Elisabeth, ein Sopran mit viel Klangvolumen. So gelang die <em>Hallenarie<\/em> zwar nicht jugendlich glockenklar, aber immerhin mitrei\u00dfend. Gleich dahinter \u2013 mit sch\u00f6nem tiefem und erotischem Timbre \u2013 gab <strong>Mona Somm<\/strong> der Venus Gestalt. Wenig \u00fcberzeugend war <strong>Thomas Gazheli<\/strong>. Die Rolle des Landgrafen ist bei einem wenig klangverliebten Heldenbariton nicht in den besten H\u00e4nden. Weithin gelobt stellte die Chorakademie ihre Pr\u00e4zision in den Stimmgruppen als homogener Klangk\u00f6rper unter Beweis. Gustav Kuhns Pl\u00e4doyer f\u00fcr die <em>Pariser Fassung<\/em> \u00fcberzeugt auch das heftig tobende Publikum.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Erl steht f\u00fcr den geradlinigen Blick auf das Werk Wagners. Es kann sich wegen \u00a0der einhelligen Beifallswogen der Zuh\u00f6rer das Wort <em>Werktreue<\/em> zueignen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Tom Benz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ales Briscein (Lohengrin)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regie\/Dirigent: Gustav Kuhn, Orchester und Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl, Choreinstudierung: Marco Medved Tannh\u00e4user und der S\u00e4ngerkrieg auf Wartburg (Pariser Fassung) von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto R. 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