{"id":4095,"date":"2012-08-20T13:57:36","date_gmt":"2012-08-20T12:57:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4095"},"modified":"2012-08-21T16:37:10","modified_gmt":"2012-08-21T15:37:10","slug":"carmen-see-festspiele-berlin-seebuhne-wannsee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4095","title":{"rendered":"CARMEN &#8211; See Festspiele Berlin, Seeb\u00fchne Wannsee"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 3 Akten und 4 Tableaus, Libretto: Henri Meilhac u. Ludovic Hal\u00e9vy; UA: 3. M\u00e4rz 1875 Paris<\/p>\n<p>Regie: Volker Schl\u00f6ndorff, B\u00fchnenbild: Volker Hintermeier, Lichtdesign: Guido Petzold, Kost\u00fcme: Roy Spahn, Choreinstudierung: Ud Joffe; Dirigent: Judith Kubitz, Kammerakademie Potsdam, Neuer Kammerchor Potsdam<\/p>\n<p>Solisten: Erica Brookhyser (Carmen), Christian Schleicher (Don Jos\u00e9), Michael Bachtadze (Escamillo), Anna Pisareva (Mica\u00ebla), Anna G\u00fctter (Frasquita), Anna Pisareva (Merc\u00e9d\u00e8s), Vincenzo Neri (Moral\u00e8s), Ingo Witzke (Zuniga), David Pichlmaier (Dancairo),\u00a0 Marco Alves dos Santos(Remendado), u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. August 2012 (B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Seefestspiel-Carmen.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4096\" title=\"Seefestspiel-Carmen\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Seefestspiel-Carmen.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Seefestspiel-Carmen.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Seefestspiel-Carmen-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die See Festspiele am Wannsee in Berlin starteten im vergangenen Jahr durchaus erfolgreich mit Mozarts Zauberfl\u00f6te, so da\u00df man mit gespannten Erwartungen in die diesj\u00e4hrige Saison gehen konnte (OPERAPOINT 4\/2011). Im zweiten Anlauf hat man nun Starregisseur Volker Schl\u00f6ndorff als Zugpferd auserkoren, um das umstrittene Festival auf die B\u00fchne zu hieven, umstritten deshalb, da die See-Festspiele Berlin von Anfang an unter keinem guten Stern standen. So konnte bereits im vergangenen Jahr die B\u00fchne nicht, wie zun\u00e4chst geplant, bei Potsdam aufgebaut werden. Man verlegte kurzerhand den Austragungsort zum Wannsee. Auch hier konnte die B\u00fchne nicht, wie vorgesehen, im See selber aufgebaut, sondern mu\u00dfte aus Umweltschutzaspekten weit von ihm entfernt am Festland errichtet werden. Auf Grund der Querelen mit den Verwaltungen sollten 2012 erst gar keine neuen Festspiele stattfinden. Man entschied sich doch anders und auch in diesem Jahr gab es wieder Streit um die Lage der B\u00fchne. Um allen Streitigkeiten des Naturschutzes aus dem Weg zu gehen, schob man die B\u00fchne noch weiter aufs Festland. Daf\u00fcr brechen auf die Veranstaltungen hochgerechnet insgesamt 9.600 Pl\u00e4tze und somit rund 400.000 Euro an Einnahmen weg. So ist f\u00fcr den Konzertveranstalter Peter Schwenkow auch nach zwei Veranstaltungen am Wannsee endg\u00fcltig Schlu\u00df. Man pr\u00fcft f\u00fcr die Zukunft andere Veranstaltungsorte. Eine kulturelle Watsche f\u00fcr den Berliner Senat, der damit ein qualitativ ausbaubares Event im Kulturkalender verliert, aber auch f\u00fcr den Veranstalter, der sich in Zukunft im Vorhinein wohl gr\u00fcndlicher \u00fcber Schutzzonen und Auflagen informieren wird.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Sergeant Don Jos\u00e9 verf\u00e4llt in blinde Liebe zu der in einer Zigarrenfabrik arbeitenden Zigeunerin Carmen. Dar\u00fcber vergi\u00dft er seine Vors\u00e4tze, zu seiner Mutter zur\u00fcckzukehren und das Bauernm\u00e4dchen Mica\u00ebla zu heiraten. F\u00fcr Carmen geht Jos\u00e9 sogar ins Gef\u00e4ngnis, damit jene einer Verhaftung entgeht, und er schlie\u00dft sich, wieder auf freiem Fu\u00df, einer Schmugglerbande um Carmen an, um bei ihr sein zu k\u00f6nnen. Auch der Stierk\u00e4mpfer Escamillo ist in Liebe zur verf\u00fchrerischen Carmen entbrannt. Vor der Stierkampfarena in Sevilla kommt es schlie\u00dflich zum Showdown. Carmen gesteht Jos\u00e9, da\u00df sie allein Escamillo liebe und mit ihm ein neues Leben beginnen werde. In verzweifelter Wut ersticht Jos\u00e9 seine Geliebte, f\u00fcr die er alles aufzugeben bereit war.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Freilichtb\u00fchne wird im Hintergrund von einem gro\u00dfen F\u00e4cher eingenommen, deren Segmente im unteren Bereich auf- und zugeschoben werden k\u00f6nnen. Der F\u00e4cher ist dar\u00fcber im Halbkreis begehbar und mit einem oberen Zugang versehen. Daneben steht eine durchbrochene, in Nebel geh\u00fcllte Ruine sowie ein Wohnwogen, der in der Bergszene und im letzten Akt durch einen Container mit Fl\u00fcchtlingen ausgetauscht wird. Auf die L\u00e4ngsseite des Containers werden zudem Filmszenen (etwa von einem Stierkampf) eingeblendet. Die Kost\u00fcme halten sich an die zeitlichen Vorgaben des St\u00fcckes.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Um es bereits vorwegzunehmen: Die Leistungen der S\u00e4nger bleiben an diesem Abend vieles schuldig, auch wenn eine objektive Beurteilung auf Grund der sich bedauerlicherweise sehr in den Vordergrund dr\u00e4ngenden Mikrofonverst\u00e4rkung erschwert ist. Die amerikanische Mezzosopranistin <strong>Erica Brookhyser<\/strong> (Carmen) kann kaum stimmlichen Glanz verbreiten. Ihr fehlt es an deutlicher Intonation und sauber ausgef\u00fchrtem Legato. Allein in der <em>Habanera<\/em> klingt ein Hauch seidigen Glanzes an. Doch ihr fehlt alles Glutvolle und wendiger Phrasierung. Bla\u00df im Ansatz und klamm in den schmalen H\u00f6hen gelingt es auch Tenor <strong>Christian Schleicher<\/strong> (Don Jos\u00e9) nicht, seiner Rolle dramatische Tiefensch\u00e4rfe zu verleihen. Irritierend schmalbr\u00fcstig und mehr unsauber gepre\u00dft als heldenhaft getragen erklingt der Bariton von <strong>Michael Bachtadze<\/strong> (Escamillo). Auch Ba\u00df <strong>Ingo Witzke<\/strong> (Zuniga) changiert extrem auf einer stimmlichen fahlen und angekratzt klingenden Farbskala, die ein breit aufgestelltes Fundament vermissen l\u00e4\u00dft. Allein die aus Minsk stammende Sopranistin <strong>Anna Pisareva<\/strong> (Merc\u00e9d\u00e8s) verspr\u00fcht jugendlich frische Strahlkraft und lyrischen Charme, von dem man sich gerne einnehmen l\u00e4\u00dft. Insgesamt lassen es fast alle Darsteller an packender B\u00fchnenpr\u00e4senz und mitrei\u00dfender Interaktion fehlen, und sie wirken schauspielerisch wie auch stimmlich reichlich verloren.<\/p>\n<p>Die <strong>Kammerakademie Potsdam <\/strong>unter <strong>Judith Kubitz<\/strong>spielt die Musik h\u00f6lzern mechanisch und bisweilen uninspiriert herunter, so, als suchte man noch nach dem richtigen Ansatz, s\u00fcdl\u00e4ndisch mitrei\u00dfendes Fieber und flirrende Hitze zu erzeugen. Emotional aufw\u00fchlend ist hier allein der \u00c4rger \u00fcber einige verpa\u00dfte Chancen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die unsinnigerweise gemischt in deutscher und franz\u00f6sischer Sprache gesungene Auff\u00fchrung wirkte insgesamt lieb- und planlos inszeniert, sich dabei in einer klischeehaften Collage starrer Szenenbilder verlierend. Das scheint auch kein Wunder zu sein \u2013 gibt doch Regisseur Schl\u00f6ndorff im Programmheft selber zu, da\u00df er \u201ekein Konzept\u201c hatte. Konzeptlos und unschl\u00fcssig verloren wirkten so auch die Leistungen der S\u00e4nger. Hier brannte in hilflos unsch\u00f6n mikrofonverst\u00e4rktem Soundambiente keine sinnliche Leidenschaft \u2013 das einzige Feuer, das auf der B\u00fchne entfacht wurde, war ein planm\u00e4\u00dfig entz\u00fcndeter Zigeunerwohnwagen. Carmens Temperament verging bereits mit den ersten Szenen der Auff\u00fchrung. Da mu\u00dfte man nicht erst die sich z\u00e4h dahinziehenden Szenenfolgen bis zu ihrer \u00e4u\u00dferst undramatisch umgesetzten Ermordung im letzten Akt abwarten.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: \u00a0Das B\u00fchnenbild mit Darstellern vor dem Wannsee-Abendhimmel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 3 Akten und 4 Tableaus, Libretto: Henri Meilhac u. Ludovic Hal\u00e9vy; UA: 3. 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