{"id":4077,"date":"2012-08-01T12:29:49","date_gmt":"2012-08-01T11:29:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4077"},"modified":"2012-09-16T12:09:17","modified_gmt":"2012-09-16T11:09:17","slug":"orlando-paladino-stockholm-schlosstheater-drottningholm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4077","title":{"rendered":"ORLANDO PALADINO &#8211; Stockholm, Schlo\u00dftheater Drottningholm"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Joseph Haydn (1732 \u2013 1809), <em>Dramma Eroicomico<\/em> in drei Akten, Libretto: Nunziato Porta, UA: 1782 Eszterh\u00e1za<\/p>\n<p>Regie: Sigrid T\u2019Hooft, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Stephan Dietrich, Licht: Arne \u00c5kerstr\u00f6m<\/p>\n<p>Dirigent: Mark Tatlow, Drottningholmsteaterns Orkester<\/p>\n<p>Solisten: Ditte H. Andersen (Eurilla, Hirtenm\u00e4dchen), Pietro Spagnoli (Rodomonte, K\u00f6nig von Barbarien), Kirsten Blaise (Angelica, K\u00f6nigin von Kathay), Tuva Semmingsen (Alcina, Zauberin), Magnus Staveland (Medoro, Sarazenenkrieger), Daniel Ralphsson (Pasquale, Orlandos Knappe), Rickard S\u00f6derberg (Orlando, Franz\u00f6sischer Kreuzritter), Lars Johansson Brissman (Charon, F\u00e4hrmann der Unterwelt)<\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: 29. Juli 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Stockholm-Orlando.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4078\" title=\"Stockholm-Orlando\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Stockholm-Orlando.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Stockholm-Orlando.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Stockholm-Orlando-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6nigin Angelica und ihr Liebhaber Medoro sind vor Orlandos Eifersucht in ein entlegenes Haus im Wald geflohen. Rodomonte, der K\u00f6nig von Barbarien (Afrika), sucht die beiden, um sie vor Orlando zu besch\u00fctzen. Angelica wendet sich in ihrer Verzweiflung an ein Zauberbuch, woraufhin Alcina erscheint. Sie verspricht daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df niemand zu Schaden kommen sollte. Als Orlando eintrifft, kommt es beinahe zum Blutbad, aber Alcina verzaubert Orlando, so da\u00df die anderen entkommen k\u00f6nnen. In der Verwirrung verlaufen sich alle im Wald. Wieder begegnen sie sich, und wieder mu\u00df Alcina Orlando verzaubern. Seine Wut ist weiter ungeb\u00e4ndigt. Schlie\u00dflich bringt Alcina ihn zu Charon, dem F\u00e4hrmann zur Unterwelt, und bittet diesen darum, Orlandos Raserei mit Wasser aus dem Flu\u00df des Vergessens wegzuwaschen. Danach erkennt Orlando niemanden mehr, er hat seine Liebe zu Angelica vergessen. Er schlie\u00dft Frieden mit Rodomonte, Angelica und Medoro k\u00f6nnen ihre Flucht aufgeben, und Orlandos Knappe Pasquale heiratet das Hirtenm\u00e4dchen Eurilla.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf der historischen Opernb\u00fchne im Schlo\u00df Drottningholm wurde ausschlie\u00dflich nach der historischen Auff\u00fchrungspraxis gearbeitet. Dabei beschr\u00e4nkte man sich nicht auf die Verwendung von Originalinstrumenten und historische Spiel- bzw. Gesangstechniken, sondern nutzte die gut erhaltene Barockb\u00fchne mit funktionierender B\u00fchnenmaschinerie f\u00fcr ein m\u00f6glichst authentisches Gesamtkonzept: Instrumente, Spieltechniken, Kost\u00fcme, B\u00fchnenbild, Requisiten, Choreographie, Mimik und Gestik, Effekte, ja selbst die Kleidung der Orchestermusiker inklusive Per\u00fccken, alles war nach den neuesten Erkenntnissen der musikhistorischen und theaterwissenschaftlichen Forschung zum 17. Jahrhundert gestaltet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Gesamtkonzept wurde von allen S\u00e4ngern gleicherma\u00dfen gut umgesetzt. Besonders <strong>Daniel Ralphsson<\/strong> (Pasquale) viel positiv auf. Seine klare, kernige Tenorstimme modifizierte er um der komischen Rolle willen h\u00e4ufig zu einem Qu\u00e4ken, aber an einigen Stellen, besonders w\u00e4hrend seiner anspruchsvollen Arie im zweiten Akt, konnte er sein ganzes s\u00e4ngerisches K\u00f6nnen beweisen \u2013 dabei ist er noch Gesangsstudent an der Musikhochschule. Ebenso gl\u00e4nzend agierte <strong>Ditte H. Andersen <\/strong>(Eurilla) mit hellem, beweglichem Sopran. Etwas dunkler gef\u00e4rbt war der warme Sopran von <strong>Kirsten Blaise <\/strong>(Angelica), die allerdings erst nach der Pause zu H\u00f6chstform auflief \u2013 davor gerieten ihr gelegentlich das Vibrato und die Dynamik au\u00dfer Kontrolle. Der runde, klangvolle Alt von <strong>Tuva Semmingsen <\/strong>(Alcina) komplettierte das Frauentrio wunderbar, wobei ein sparsamerer Gebrauch des Vibratos durchaus angemessen gewesen w\u00e4re. Mit angenehm weichem lyrischem Tenor gestaltete <strong>Magnus Staveland <\/strong>(Medoro) den schmachtenden Gem\u00fctszustand seiner Rolle. <strong>Pietro Spagnoli<\/strong> (Rodomonte) wies einen f\u00fcr einen Buffo-Ba\u00df ein wenig untypisch metallischen, aber durchaus vollt\u00f6nenden Klang auf. In der Titelrolle \u00fcberzeugte <strong>Rickard S\u00f6derberg <\/strong>(Orlando) mit facettenreichem Tenor und schauspielerischem Geschick. Alle S\u00e4nger zeigten eine ausgezeichnete Textartikulation.<\/p>\n<p>Das Orchester unterst\u00fctzte die S\u00e4nger stets hervorragend. <strong>Mark Tatlow <\/strong>dirigierte und bediente in den Rezitativen gleichzeitig das Cembalo. Da\u00df er ein Spezialist f\u00fcr die Musik des 18. Jahrhunderts ist, mu\u00dfte er nicht erst an diesem Nachmittag beweisen. Unter seiner souver\u00e4nen Leitung spielte das Ensemble schwungvoll und mit viel Ausdruck. Der Kontakt zwischen S\u00e4ngern und Instrumentalisten war eng und intensiv, besonders dann, wenn Haydn kleine musikalische Dialoge zwischen beiden Gruppen vorgesehen hatte. Kleinste Intonationsprobleme fielen kaum auf und taten dem exzellenten Gesamteindruck keinen Abbruch.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Als Haydn Portas Libretto vertonte, waren alle schematischen Rollenfiguren und Handlungsabl\u00e4ufe in der klassischen italienischen Oper bereits seit langem etabliert \u2013 und konnten deshalb leicht karikiert und ins l\u00e4cherliche gezogen werden. Selten gelingt es allerdings heutzutage, die komischen Szenen und Elemente so darzustellen, da\u00df wir in unserer modernen Welt dar\u00fcber lachen k\u00f6nnen (Darin liegt wohl auch ein Grund daf\u00fcr, da\u00df diese Oper so selten auf den Spielpl\u00e4nen steht). Gerade das ist hier aber wunderbar gelungen \u2013 das internationale Publikum am Schlo\u00dftheater Drottningholm lachte herzhaft und ausgelassen. Alle Elemente der historisch orientierten Auff\u00fchrung f\u00fcgten sich im zeitgen\u00f6ssischen Milieu gro\u00dfartig zusammen, so da\u00df man sich wirklich vorstellen konnte, wie sich die adelige Gesellschaft auf Schlo\u00df Eszterh\u00e1za von Hofkapellmeister Haydn und seinem Ensemble im Jahr 1782 belustigen lie\u00df.<\/p>\n<p>Anna-Juliane Peetz-Ullman<\/p>\n<p>Bild: Mats B\u00e4cker<\/p>\n<p>Das Bild zeigt:\u00a0Pietro Spagnoli \u00a0(Rodomonte), Ditte H. Andersen (Eurilla), Tuva Semmingsen (Alcina), Rickard S\u00f6derberg (Orlando), Daniel Ralphsson (Pasquale), Kirsten Blaise (Angelica), Magnus Staveland (Medoro), v. l. n. r.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Joseph Haydn (1732 \u2013 1809), Dramma Eroicomico in drei Akten, Libretto: Nunziato Porta, UA: 1782 Eszterh\u00e1za Regie: Sigrid T\u2019Hooft, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Stephan Dietrich, Licht: Arne \u00c5kerstr\u00f6m Dirigent: Mark Tatlow, Drottningholmsteaterns Orkester Solisten: Ditte H. 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