{"id":406,"date":"2008-11-04T22:44:24","date_gmt":"2008-11-04T20:44:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=406"},"modified":"2008-11-06T22:50:53","modified_gmt":"2008-11-06T20:50:53","slug":"nurnberg-staatstheater-benvenuto-cellini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=406","title":{"rendered":"N\u00fcrnberg, Staatstheater &#8211; BENVENUTO CELLINI"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hector Berlioz (1803-1869); Oper in zwei Akten von De Wailly und Barbier; UA: 1838, Paris<br \/>\nRegie und Choreographie: Laura Scozzi, B\u00fchne: Barbara de Limburg, Kost\u00fcme: Jean Jacques Delmotte<br \/>\nDirigent: Guido Johannes Rumstadt, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, T\u00e4nzer des Ballett-Ensembles.<br \/>\nSolisten: Jean-Francis Monvoisin (Benvenuto Cellini, Goldschmied), Rainer Zaun (Giacomo Balducci, p\u00e4pstlicher Schatzmeister), Melih Tepretmez (Fieramosca, Bildhauer), Hrachuhi Bassenz (Teresa, Tochter von Balducci), Jordanka Milkova (Ascanio, Lehrling von Cellini), Guido Jentjens (Papst Clemens VII), Kalle Kanttila (Franceso, Handwerker), Vladislav Solodyagin (Bernardino, Handwerker), Richard Kindley (Pompeo, M\u00f6rder).<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 18.Oktober 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"nurnberg-benvenuto-cellini.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/nurnberg-benvenuto-cellini.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"nurnberg-benvenuto-cellini.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/nurnberg-benvenuto-cellini.jpg\" \/><\/a>Teresa, Tochter des P\u00e4pstlichen Schatzmeisters Balducci, liebt den K\u00fcnstler und Schweren\u00f6ter Benvenuto Cellini. Dieser hat vom Papst Clemens VII. den Auftrag, eine Perseus-Statue zu gie\u00dfen, arbeitet aber nicht daran und fordert statt dessen einen weiteren Vorschu\u00df. Balducci w\u00fcrde gerne seine Tochter mit dem Bildhauer Fieramosca verheiraten. Cellini will Teresa im Trubel des Karnevals entf\u00fchren. Fieramosca belauscht diesen Plan und versucht seinerseits, ebenfalls Teresa auf dem Karneval-Theaterfest zu rauben. Der Plan scheitert. Cellini t\u00f6tet im Handgemenge Pompeo, kann aber fliehen. Am Aschermittwoch kehrt Cellini in sein Atelier zur\u00fcck, da erscheint der Papst und gew\u00e4hrt er ihm eine Gnadenfrist bis zum Abend \u2013 dann mu\u00df die Statue endlich gegossen sein. Es scheint alles gut zu gehen, selbst ein Ausstand seiner Arbeiter kann g\u00fctlich beendet werden, pl\u00f6tzlich aber mangelt es an Bronze. Erst durch die Opferung seiner Kunstwerke kann der Perseus zu Ende gegossen werden. Cellini erh\u00e4lt Absolution bzgl. des Mordes und die Hand seiner Teresa.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nZugegeben, die Inhaltsangabe l\u00e4\u00dft auf ein etwas dr\u00f6ges Werk schlie\u00dfen bzw. eine m\u00e4\u00dfig unterhaltsame  Karnevalskom\u00f6die. <strong>Laura Scozzi<\/strong> verlegt die Handlung abstrahiert ins Hier und Heute, macht eine bunte, durchgeknallte Karnevalsgroteske daraus. Damit beweist sie, da\u00df durch Anwendung aller konventionellen M\u00f6glichkeiten unterhaltsames, werkgetreues und niveauvolles Theater m\u00f6glich ist. Sie zitiert dazu Elemente der Commedia dell\u2019 arte mit klassischem Ballett, modernistische Tanzstile, die \u00e4tzende Karnevals-Satire unserer Tage und die Kino-Meisterwerke Hollywoods und Italiens. Dazu geh\u00f6rt auch eine umfangreiche und ungew\u00f6hnliche Zusammenstellung von Exponaten aller Kunstrichtungen (Madonna auf einem mitdenkenden Kaffeeautomaten) und eine ausgefeilte Bewegungsregie f\u00fcr Chor, Ballett und Statisten. Immer wieder entstehen eindrucksvolle und \u00fcberraschende Momente, verst\u00e4rkt durch witzige Gags und bunte Details in der Ausstattung \u2013 so viele, da\u00df man nicht alle hier schildern kann: Vom r\u00f6mischen Hausfrauen-Ballett in Sch\u00fcrze und Wischmob, von Kellneraufl\u00e4ufen wie in Filmen von Fellini bis hin zu lasziven Nonnen mit seligem Grinsen und unkonventioneller Kopfbedeckung. H\u00f6hepunkt ist das Theaterfest, das zun\u00e4chst als Auflauf von Juristen und Theaterkritikern unter gelber Per\u00fccke beginnt und in einer gnadenlosen Abrechnung mit den Fernseh-Talentshows und Volksmusiksendungen endet. Daneben detaillierte Charakterisierung der Personen. Cellini  ist der heitere Sonnyboy, Teresa die junge Naive, Balducci ist unbeholfen und ungeschickt, sein Helfer Pompeo der brutale italienische Killer und Ascanio der sympathische Aktivist.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDer Graben t\u00f6nte unter der musikalischen Leitung <strong>Guido Johannes Rumstadts<\/strong> in einer musikalischen Lebenslust, gepr\u00e4gt von franz\u00f6sischem Flair und einer leicht frivolen Erotik, die keine W\u00fcnsche offen lie\u00df. Das Tempo war italienisch flott, ohne zu \u00fcberhasten, auch in den innigen Szenen, wie dem st\u00fcrmisch beklatschten Gebet der von <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> (Theresa) und des <strong>Jordanka Milkova<\/strong> (Ascanio). Beide waren auch die \u00fcberragenden Stars des Abends mit klangsch\u00f6ner Stimme und viel Durchschlagskraft, w\u00e4hrend <strong>Jean-Francis Monvoisin<\/strong> als Cellini sehr schwach blieb und nur als Schweren\u00f6ter \u00fcberzeugen konnte. Die beiden Hauskr\u00e4fte <strong>Rainer Zaun<\/strong> (Balducci) und <strong>Guido Jentjens<\/strong> (Papst) z\u00e4hlten wieder zu den St\u00fctzen des Ensembles.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nV\u00f6llig zu Recht st\u00fcrmischer Applaus f\u00fcr eine der gelungensten und unterhaltsamsten Produktionen dieser Spielzeit, die selbst die Produktion in Salzburg in den Schatten stellt. Sie zeigt auch einen erfolgreichen Weg in die Zukunft des Theaters, weg von den befremdlichen Einf\u00e4llen des Regietheaters. Und wenn es einigen Papstgetreuen nicht gefallen haben sollte &#8211;  im Karneval ist alles erlaubt!?<br \/>\nOliver Hohlbach<br \/>\nBild: Ludwig Olah<br \/>\nDas Bild zeigt: Das Gebet des Ascanio und Theresa vor Madonna auf dem Kaffeeautomat. Im Hintergrund die Kunstsammlung des Cellini.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hector Berlioz (1803-1869); Oper in zwei Akten von De Wailly und Barbier; UA: 1838, Paris Regie und Choreographie: Laura Scozzi, B\u00fchne: Barbara de Limburg, Kost\u00fcme: Jean Jacques Delmotte Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, T\u00e4nzer<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=406\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1],"tags":[],"class_list":["post-406","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nurnberg-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/406","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=406"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/406\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}