{"id":402,"date":"2008-10-27T20:33:39","date_gmt":"2008-10-27T18:33:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=402"},"modified":"2008-10-27T20:33:39","modified_gmt":"2008-10-27T18:33:39","slug":"bremen-theater-rienzi-%e2%80%93-der-letzte-der-tribunen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=402","title":{"rendered":"Bremen, Theater  &#8211; RIENZI \u2013 DER LETZTE DER TRIBUNEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); gro\u00dfe tragische Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto von Richard Wagner; UA: 20.10.1842, Dresden.<br \/>\nRegie: Katharina Wagner, Ausstattung: Tilo Steffens<br \/>\nDirigent: Christoph Ulrich Meier, Bremer Philharmoniker, Chor und Extrachor des Theaters Bremen, Alsfelder Vokalensemble Bremen<br \/>\nSolisten: Mark Duffin (Cola Rienzi), Patricia Andress (Irene, Rienzis Schwester), Pavel Kudinov (Steffano Colonna), Tamara Klivadenko (Adriano), Loren Lang (Paolo Orsini), Franz Becker-Urban (Kardinal Raimondo), Christian-Andreas Engelhardt (Baroncelli), Alberto Albarran (Cecco del Vecchio), Nadja Stefanoff (Ein Friedensbote).<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 11.Oktober 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bremen-rienzi.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/bremen-rienzi.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bremen-rienzi.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/bremen-rienzi.jpg\" \/><\/a>Die Handlung 1347 und 1354. Cola di Rienzo, p\u00e4pstlicher Notar, genannt Rienzi, und spielt um in Rom. Rienzi stellt sich gegen die verfeindeten Familien der Orsini und Colonna, die die R\u00f6mer terrorisieren und f\u00fchrt die R\u00f6mer in einem Aufstand gegen die Adligen. Nach dem Sieg wird er um Volkstribun ernannt. Doch der Adel plant ein Attentat auf Rienzi, das durch den Verrat von Adrianos, Colonnas Sohn, scheitert. Der Tribun begnadigt sie gegen den Willen der R\u00f6mer.<br \/>\nAber die Adligen greifen Rom mit einer Armee an. Doch Rienzi siegt. Orsini und Colonna sind in der Schlacht gefallen. Rienzi wird als Sieger gefeiert. Doch Adrianowill seinen Vater Steffano Colonna r\u00e4chen.<br \/>\nAdriano versucht, die R\u00f6mer gegen Rienzi aufzuhetzen.<br \/>\nRienzi erfleht den Segen Gottes f\u00fcr seine Herrschaft. Die Situation ist hoffnungslos: nur Irene, Rienzis Schwester, h\u00e4lt noch zu ihm. Es kommt zum Aufstand: Das Volk setzt das Kapitol in Brand,  Rienzi und Irene kommen um.<br \/>\n<strong>Vorbemerkungen zur Auff\u00fchrung in Bremen<\/strong><br \/>\nEine endg\u00fcltige Spielfassung des Rienzi ist nicht vorhanden, da die Originalpartitur seit dem Krieg verschollen ist. Die hier zwischen Regie und musikalischer Leitung entstandene Spielfassung einer gedruckten Ausgabe stellt den Chor in den Mittelpunkt, was bedeutet, da\u00df zwar fast alle Chorszenen Verwendung fanden, doch einzelne Nummern wurden gek\u00fcrzt. Ob dies schon der Weisheit letzter Schlu\u00df ist in Hinsicht auf zuk\u00fcnftige Auff\u00fchrungen, die bei den Bayreuther Festspiele stattfinden sollen, mu\u00df offen bleiben.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDer im Mittelpunkt stehende Chor bringt es mit sich,  da\u00df der Chor die komplette Breite der B\u00fchnenrampe einnimmt und die handelnden Personen an den Rand dr\u00e4ngt. Platz bleibt nur f\u00fcr eine \u00fcberdimensionale Roma-Minerva-Statue, die den Aufstieg und Fall des Volkstribun Rienzi karikiert: Zuerst eine klassizistische Statue, am Ende ein Manga-Poster mit knappem Slip.<br \/>\nEs gibt viele Symbole: Je l\u00e4nger das Haar, um so gr\u00f6\u00dfer die Machtf\u00fclle. Rienzi beginnt mit Halbglatze und endet mit h\u00fcftlanger Per\u00fccke. Beim Attentat will man ihm die Per\u00fccke vom Kopf rei\u00dfen. Sein Kampfmittel ist kein Schwert, sondern ein Laubsauger, sein Parteigru\u00df der ausgestreckte Zeigefinger.<br \/>\nIn Ma\u00dfen f\u00f6rdern solche Symbole sicher das Verst\u00e4ndnis. Aber die H\u00e4ufung verwirrt f\u00fchrt zu absurden Situationen. So kommen die Kriegsgefallenen als Zombies auf die B\u00fchne und die R\u00f6mer rei\u00dfen sich die Zeigefinger ab, als sie sich von Rienzi abwenden.<br \/>\nF\u00fcr die sch\u00f6nen Momente ist der perfekt choreographierte Chor mit Statisterie zust\u00e4ndig: Der Kinderchor \u00fcberreicht im Auftrag des Friedensboten Zeichnungen an Rienzi, in der Pantomime rettet Rienzi Rom vor den Barbaren und l\u00e4\u00dft sich in einem M\u00fcllk\u00fcbel feiern. Am Opernende wird der Rienzi aufgeh\u00e4ngt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMusikalisch dominierend in dieser \u201e<strong>Chor-Oper<\/strong>\u201c ist eindeutig der zwar nicht immer bestens disponierte, daf\u00fcr aber allgegenw\u00e4rtige Chor. Bis zu 60 S\u00e4nger wollen auf der kleinen B\u00fchne akustisch und szenisch gut plaziert sein. Am Ende ist festzustellen, da\u00df der Chor zusammengefunden hat ist und im Finale einen beeindruckenden Eindruck hinterl\u00e4\u00dft.<br \/>\nEinen nicht ganz so \u00fcberzeugenden Eindruck hinterl\u00e4\u00dft das <strong>Orchester<\/strong> unter <strong>Christoph Ulrich Meier<\/strong>. Zwar kommt er mit seinem sehr flotten Tempo den Musikern und S\u00e4ngern beim \u00dcberspielen kleiner Schwierigkeiten sehr entgegen, doch ein differenzierter Eindruck will sich nicht einstellen. Weder die Blechbl\u00e4ser, noch  die Streicher kommen an diesem Abend \u00fcberhaupt zur Wirkung. Weshalb man dieses Werk nicht dem GMD des Hauses \u00fcberlie\u00df, sondern auf den in Bayreuth erfahrenen Meier zur\u00fcckgriff, ist unverst\u00e4ndlich. Aber sein Dirigat wurde schon in Bayreuth verhalten kommentiert.<br \/>\nS\u00e4ngerisch werden die Erwartungen an einer kleinen st\u00e4dtischen B\u00fchne vollauf erf\u00fcllt. <strong>Mark Duffin<\/strong> (Rienzi) fehlen zwar die technischen Mittel, die T\u00f6ne sch\u00f6n zu bilden, aber er konzentriert sich auf das Gebet des Rienzi, und Erstehe Hohe Roma neu  singt er mit Kraft sehr \u00fcberzeugend. <strong>Tamara Klivadenko<\/strong> in der Hosenrolle des Adriano erinnert stimmlich und ausdrucksm\u00e4\u00dfig an die sp\u00e4te Marika R\u00f6kk, was bedeutet, da\u00df man sie sprachlich im Gegensatz zu allen anderen nicht versteht. <strong>Patricia Andress<\/strong> ist eine solide Irene ohne H\u00f6hepunkte setzen zu k\u00f6nnen. Gl\u00e4nzen kann dagegen <strong>Nadja Stefanoff<\/strong> als Friedensbote.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nH\u00f6flicher Applaus f\u00fcr einen unterhaltsamen bunten Abend ohne wirklichen Tiefgang. Wegen des Seltenheitswertes lohnt sich der Besuch, f\u00fcr eine Renaissance des Werkes mu\u00df die Qualit\u00e4t aber besser werden.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: Saskia Horn<br \/>\nDas Bild zeigt: Mark Duffin (Rienzi) mit seinem Laubsauger auf der Siegesfeier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); gro\u00dfe tragische Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto von Richard Wagner; UA: 20.10.1842, Dresden. 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