{"id":4011,"date":"2012-06-19T10:19:08","date_gmt":"2012-06-19T09:19:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4011"},"modified":"2012-06-22T10:23:36","modified_gmt":"2012-06-22T09:23:36","slug":"die-zauberin-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4011","title":{"rendered":"DIE ZAUBERIN &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Peter Tschaikowsky (1840-1893), Oper in vier Akten. Libretto: \u00a0Ippolt V. Schpazinski, in russischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 1887 St. Petersburg<\/p>\n<p>Regie: Tatjana G\u00fcrbaca, B\u00fchne\/Licht: Klaus Gr\u00fcnberg, Kost\u00fcme: Marc Weeger, Silke Willrett<\/p>\n<p>Dirigent: Johannes Pell, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Erfurt, Choreinstudierung: Andreas Ketelhut<\/p>\n<p>Solisten: Juri Batukov (F\u00fcrst Nikita), Olga Savova, (F\u00fcrstin Eupraxia Romanovna), Markus Petsch (Prinz Juri), Vazgen Ghazaryan (Mamyrov), St\u00e9phanie M\u00fcther (Nenila), Florian G\u00f6tz (Ivan Zuran), Ilia Papandreou (Kuma), Sebastian Pilgrim (Foka), Daniela Gerstenmeyer (Polja), Marwan Shamiyeh (Balakin), Nils St\u00e4fe (Potap), Saya Lee (Lukasch), Dario S\u00fc\u00df (Kitschiga), J\u00f6rg Rathmann (Paisi\/Kudma)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Juni 2012 (Premiere am 2. Juni)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Erfurt-Zauberin.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4012\" title=\"Erfurt-Zauberin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Erfurt-Zauberin.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Erfurt-Zauberin.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Erfurt-Zauberin-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die junge Witwe Nastasia, genannt Kuma, betreibt au\u00dferhalb der Stadt eine Gastwirtschaft, in der fr\u00f6hliches Treiben herrscht. Mamyrov, der unbeliebte Schreiber des F\u00fcrsten, bezichtigt sie der Zauberei und will deren unmoralische Wirtschaft schlie\u00dfen. Der F\u00fcrst Nikita kontrolliert Kumas Wirtschaft, doch diese wickelt den F\u00fcrsten um den Finger und gibt Mamyrov der L\u00e4cherlichkeit preis. Daf\u00fcr weckt Mamyrov die Eifersucht der F\u00fcrstin, da der F\u00fcrst Kuma zu seiner Geliebten machen will. Kuma aber hat sich in Prinz Juri verliebt. Als dieser bei seinen Eltern in Ungnade f\u00e4llt, weil er sich f\u00fcr ungerecht behandelte B\u00fcrger einsetzt, \u00fcberzeugt er Kuma, gemeinsam mit ihm zu fliehen. Doch aus Eifersucht vergiftet die F\u00fcrstin Kuma und der F\u00fcrst t\u00f6tet seinen Sohn.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Tatjana G\u00fcrbaca verlegt die Handlung in eine surreale und absurde Traumwelt: Kumas Wirtschaft ist ein wei\u00df gekachelter mit Graffitis beschmierter K\u00fchlraum, in dem sich Bierk\u00e4sten stapeln. Ein Tapeziertisch bildet die Theke. Der zweite Akt spielt im E\u00dfzimmer des F\u00fcrstenhauses, der Tisch dient auch als Schreibtisch f\u00fcr allerlei Akten, bis die Bierkisten den grauen Vorhang durchbrechen und das w\u00fctende Volk eindringt. Kumas Wohnung ist ein seelenloser Kubus in einer Plattenhaussiedlung mit einem wei\u00dfen E\u00dftisch. Als sich Kuma und Prinz Juri verlieben, ger\u00e4t er in Schr\u00e4glage.\u00a0 Zum gro\u00dfen Showdown trifft man sich bei einer Variet\u00e9 -Zaubervorstellung bei der sich der M\u00f6nch Paisi in einen Zauberer, den Teufel und den Tod verwandelt. Kuma stirbt bei der geteilten Jungfrau, Prinz Juri wird von F\u00fcrst Nikita mit der Trennplatte aus der geteilten Jungfrau erstochen. Die Kost\u00fcme zeigen ein Ru\u00dfland unserer Tage, Kuma tr\u00e4gt einen schwarzen Pelz-Feder-Hut. Das Volk besteht auch aus einem Eisb\u00e4ren, einem nackten Fantomas, Buddhisten, M\u00f6nche, Blumenkindern, Autonomen und Militanten.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Liebling des Abends ist die \u00a0technisch brillante Sopranistin <strong>Ilia Papandreou<\/strong> (Kuma) mit ihrer sehr sicheren H\u00f6he. Die Koloraturen gelingen ihr klar und lyrisch. <strong>Juri Batukov <\/strong>(F\u00fcrst Nikita), kann die vielschichtige Rolle mit seinem Charakter-Bariton mitrei\u00dfend gestalten. Seine einschmeichelnde Stimme ist in der H\u00f6he sehr sicher, jedoch liegt die Partie f\u00fcr ihn streckenweise etwas zu tief. <strong>Olga Savova<\/strong> (F\u00fcrstin) ist ein Gast vom Mariinski-Theater und hat daher kein Problem, der \u201erussischen Seele\u201c Leben einzuhauchen. Ihr lyrischer Mezzo gewinnt an Volumen und bewegt sich in Richtung eines dramatischen Soprans. <strong>Markus Petsch<\/strong> (Prinz Juri), ist ein Tenor mit sicherem baritonalen Fundament, in der H\u00f6he hat er jedoch deutliche Probleme. Auch technisch wollen ihm dort die russischen Klangbilder nicht gelingen. <strong>Vazgen Ghazaryan<\/strong> (Mamyrov), ist ein volumenstarker Ba\u00df. Leider bleibt er zu bla\u00df um dem intriganten Minister Mamyrov d\u00e4monische Tiefe zu verleihen. <strong>Stephanie M\u00fcther <\/strong>mit ihrem vollmundigen tiefen Mezzo<strong> (<\/strong>Nenila) ist eindeutig unter Wert besetzt, w\u00e4hrend der hauseigene Charaktertenor und Faktotum <strong>J\u00f6rg Rathmann <\/strong>(Paisi) als Teufel und Zauberer den Schlu\u00dfakt als heimlicher Publikumsliebling an sich rei\u00dft. Als Paradebeispiel steht er f\u00fcr die vielen Nebenrollen, die aus dem Ensemble heraus einheitlich gut besetzt werden konnten. Auch der Chor agiert wie gewohnt sehr souver\u00e4n. <strong>Johannes Pell<\/strong> gelingt es, das Philharmonische Orchester Erfurt auf eine Reise durch die russischen Klangwelten einzustellen und mitzunehmen. F\u00fcr den Zuh\u00f6rer wurden die brillanten Kompositionseinf\u00e4lle Tschaikowskys h\u00f6rbar und zu einem Abend geformt, in dem die russische Seele kochte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Die Zauberin<\/em> \u2013 besser <em>Die Bezaubernde<\/em> \u2013 mag hierzulande nahezu unbekannt sein. Jedoch beweist diese Produktion, da\u00df Tschaikowsky auch hier f\u00fcr Qualit\u00e4t steht, n\u00e4mlich f\u00fcr Leidenschaft, f\u00fcr einf\u00fchlsame russische \u00a0Melodien, f\u00fcr brillante Orchestrierung und f\u00fcr perfekte Ensembleszenen. Der Dank des Publikums f\u00fcr diese Ausgrabung kannte keine Grenzen, die S\u00e4nger erhielten f\u00fcr ihre gro\u00dfartige Ensembleleistung (Einstudierung in russischer Sprache!) den entsprechenden Applaus, ebenso der Dirigent und das Orchester f\u00fcr die musikalische Ausgestaltung der russischen Volksseele.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Das Volk trifft sich gerne auf ein Bier bei Ilia Papandreou (Kuma).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Peter Tschaikowsky (1840-1893), Oper in vier Akten. Libretto: \u00a0Ippolt V. 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