{"id":3995,"date":"2012-06-18T14:06:25","date_gmt":"2012-06-18T13:06:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3995"},"modified":"2012-06-25T09:16:45","modified_gmt":"2012-06-25T08:16:45","slug":"alcina-oper-koln-palladium","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3995","title":{"rendered":"ALCINA &#8211; Oper K\u00f6ln, Palladium"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto: unbekannter Bearbeiter von Antonio Fanzaglia Textbuch, das auf Ludovico Ariostos <em>Orlando furioso <\/em>beruht, U.A: 16. April 1735 London, Theatre Royal,\u00a0 Covent Garden<\/p>\n<p>Regie: Ingo Kerkhof, B\u00fchne: Anne Neuser, Kost\u00fcme: Stephan von Wedel, Dramaturgie: Tanja Fasching Licht:\u00a0 Nicol Hungsberg<\/p>\n<p>Dirigent: Peter Neumann, Orchester G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Claudia Rohrbach (Alcina), Franziska Gottwald (Ruggiero), Anna Palimina (Morgana), Katrin Wundsam (Bradamante\/Ricciardo), John Heuzenroeder (Oronte), Wolf Matthias Friedrich (Melisso), Adriana Bastidas Gamboa (Oberto)<\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: \u00a016. Juni 2012 \u00a0(Premiere, Ort: Palladium, K\u00f6ln-M\u00fchlheim)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/K\u00f6ln-Alcina.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3996\" title=\"K\u00f6ln-Alcina\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/K\u00f6ln-Alcina.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/K\u00f6ln-Alcina.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/K\u00f6ln-Alcina-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nach <em>Amadigi<\/em> (1715), <em>Orlando <\/em>(1733), <em>Ariodante<\/em> (1735) und) H\u00e4nels letzte \u201eM\u00e4rchenopern\u201c.<\/p>\n<p>Bradamante findet auf der Zauberinsel zusammen mit Melisso ihren Verlobten Ruggiero in Alcinas Armen. Es gelingt den beiden trotz vieler Widerst\u00e4nde \u2013 z.B. hatte sich Alcinas Schwester Morgana in Bradamante alias Riccardo verliebt \u2013 Ruggiero von seinem Liebeswahn zu befreien und mit ihm zu fliehen, nachdem Ricciardo die Urne zerst\u00f6rt hatte, wodurch die verzauberte Insel im Meer versank zusammen mit Alcina und ihrem Hofstaat.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die offene B\u00fchne zeigt zwei Tische mit wei\u00dfen Decken und einigen St\u00fchlen. Im zweiten Akt agieren die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger vor einer grauen Wand im vorderen B\u00fchnendrittel. Diese Wand ist im dritten Akt nach hinten versetzt und zeigt davor die leere B\u00fchne. Alcina kleidet ein enges schwarzes, langes Kleid, das sp\u00e4ter vom kleinen Schwarzen (Etuikleid) abgel\u00f6st wird. Ihre Schwester Morgana kommt in Stiefeln, brauner Lederjacke und kurzem, schwarzen Rock daher. Bradamante tr\u00e4gt als Ruggiero zun\u00e4chst Trenchcoat, im dritten Akt ein wei\u00dfes schulterfreies Hochzeitskleid. Die anderen kommen in Schlabberlook oder grauen Anz\u00fcgen daher. Keine Andeutung eines Zauberreichs.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Peter Neumann<\/strong> leitete das G\u00fcrzenich-Orchester mit genauer Kenntnis barocker Rhythmik, Tempos und Dynamik. Das Orchester setzte diese Vorgaben genau um, doch konnten die Streicher vieles nur sehr breit und forciert wiedergeben. Meist aber fehlte die schwebende Eleganz, was eigentlich die bezaubernde Wirkung dieser t\u00e4nzerisch bestimmten Musik ausmacht. Das ist nun mal mit heutigen Streichern kaum m\u00f6glich, und man frage sich, warum nicht auf eins der in K\u00f6ln vorhandenen auf Barock spezialisierten Orchester zur\u00fcckgegriffen wurde?<\/p>\n<p>Mit der ersten Arie <em>O s\u2019apre al riso \u2013 ob es l\u00e4chelt<\/em> \u2013 sch\u00e4tzte man <strong>Anna Palimina<\/strong> (Morgana), die zuviel Tremolo und Sch\u00e4rfen bei den Acuti (Spitzent\u00f6ne) aufwies, falsch ein. Denn in der Folge sang sie durchweg mit guter Intonation, ausgewogen und die Atemtechnik entsprach den Anforderungen: das Tremolo war verschwunden, besonders in <em>Credete al mio dolore \u2013 glaubt mir meinen<\/em> <em>Schmerz<\/em> (3. Akt). War es zu Anfang Premierenfieber? <strong>John Heuzenroeder<\/strong> (Oronte) konnte aber im ganzen Opernverlauf weder das Kehlige seiner Stimme, noch seine Tontreffsicherheit oder seine Aspirationen, besonders in <em>Semplicetto \u2013 Einfallspinsel<\/em> an den l\u00e4ngeren Triolenstellen, ausgleichen. Doch bei <strong>Adriana Bastidas Gamboa<\/strong> war die schwierige Partie des Oberto in den richtigen H\u00e4nden. Die Kolumbianerin konnte diese in allen ihre Facetten gut umsetzten: Hoffnungslosigkeit, Bangen zwischen Freude und Schmerz oder heftigen Zornesausbruch in <em>Barbara \u2013 Unmenschliche<\/em>. <strong>Katrin Wundsam<\/strong> (Bradamante) machte ihre Darstellung und Gesangsdarbietung gut. Aber sie trennte die unbedingt <em>non-legato<\/em> zu singenden Koloraturen nur ungen\u00fcgend. Ansonsten war ihre Atemtechnik und Intonation tadellos.<\/p>\n<p><strong>Claudia Rohrbach<\/strong> (Alcina) gestaltete ihre schwierige und gesanglich sehr \u201egef\u00e4hrliche\u201c Partie ansprechend und zum Teil sogar vollendet, etwa in dem hochber\u00fchmten <em>Ah, mio cor \u2013 ach mein Herz<\/em>. Hier gelang ihr der A-Teil besonders gut. Doch im B-Teil lie\u00df sie der Dynamik allzu freien Lauf. Ebensogut gelang ihr <em>Ombre pallide \u2013 bleiche Schatten<\/em>. Hierbei wurde ein riesiger Schatten auf die karge Wand projiziert, die ihre Bewegungen nachzeichnete, was den musikalischen Ausdruck ungemein belebte. Mit <strong>Wolf Matthias Friedrich<\/strong> war die Rolle des Melisso gut besetzt.<\/p>\n<p><strong>Franziska Gottwald<\/strong> (Ruggiero) war ein Kunstgriff der S\u00e4ngerauswahl: sie wurde zum Glanzpunkt des Abends. Nach anf\u00e4nglichen kleineren Unsicherheiten in <em>Di te mi rido \u2013 \u00fcber dich lache ich <\/em>(1. Akt)<em>, <\/em>wobei<em> <\/em>aber schon ihre gute Atemtechnik bei den Triolen bemerkbar wurde, steigerte sie sich mit ihrem angenehmen Timbre immer mehr und erreichte mit <em>Sta nell\u2019ircana pietrosa tana \u2013 in ihrem Felsloch in Hyrkania <\/em>den Gipfel, In diesem musikalischen Kleinod meisterte sie \u2013 trotz des enorm schnellen Tempos \u2013 die unangenehmen Dreiklangsintervallen und geschwinden Noten mit vollendeter Bravour.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine s\u00e4ngerisch rundum gelungene Auff\u00fchrung, besonders auch, da man fast ausschlie\u00dflich Ensemblemitglieder auftreten lie\u00df, etwas, was der Intendanz Uwe Eric Laufenbergs zu danken ist.<\/p>\n<p>H\u00e4tte man diese M\u00e4rchenoper im rechten Rahmen gebracht (nichts von H\u00e4ndels beabsichtigter Zauberoper war \u00fcbrig geblieben),\u00a0 so w\u00e4re es f\u00fcr K\u00f6ln eine Sternstunde geworden. Verdienter anerkennender Applaus.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Klaus Lefebvre<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Adriana Bastidas Gamboa (Oberto), Claudia Rohrbach (Alcina), Katrin Wundsam (Bradamante)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto: unbekannter Bearbeiter von Antonio Fanzaglia Textbuch, das auf Ludovico Ariostos Orlando furioso beruht, U.A: 16. 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