{"id":398,"date":"2008-10-24T10:17:31","date_gmt":"2008-10-24T08:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=398"},"modified":"2008-10-25T10:18:18","modified_gmt":"2008-10-25T08:18:18","slug":"bonn-opernhaus-orlando-furioso","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=398","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; ORLANDO FURIOSO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Antonio Vivaldi (1678-1741), Dramma per Musica; Libretto: Grazio Braccioli nach dem gleichnamigen Epos von Ludovico Ariost (1532). UA:  Herbst 1727, Teatro Sant\u2019Angelo, Venedig. Regie: Aurelia Eggers, B\u00fchnenbild: Andreas Wilkens, Kost\u00fcme: Brigitta Lohrer-Horres<br \/>\nDirigent: Rub\u00e9n Dubrovsky, Beethoven Orchester Bonn, Chor des Theaters Bonn, Continuo: Grigory Alumyan, Markus Rundel (Violoncello), Solisten: Mariselle Martinez (Orlando), Anna Virovlansky (Angelica), Susanne Blattert (Alcina), Katrin Wundsam (Bradamante\/Alderico), Julia Novikova (Medoro), Terry Wey (Ruggiero), Lee Poulis (Astolfo), Statisterie.<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 19.Oktober 2008, Dauer 3 \u00bc h. (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-olando-furioso.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/bonn-olando-furioso.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-olando-furioso.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/bonn-olando-furioso.jpg\" \/><\/a>Vivaldi w\u00e4hlte einen bekannten Stoff seiner Zeit,  auch Jean-Baptiste Lully hatte die Geschichte von der Liebe, dem Wahnsinn und der Heilung Orlandos, dem Gef\u00e4hrten Karls des Gro\u00dfen, f\u00fcr seine Oper Roland 1685 genommen. Vivaldis Librettist Braccioli verlegt die Handlung einzig auf eine Insel. Alle, die auf das Domizil der Zauberin Alcina kommen, verfallen ihrer Liebe. Ihre Zauberkraft ist an den Besitz einer Urne mit dem Geist des Zauberers Merlin gebunden. In Alcinas Welt treffen die sch\u00f6ne Prinzessin Angelica, die den Sarazenenf\u00fcrsten Medoro liebt und  Orlando ein. Letzterer folgt einer Prophezeiung, da\u00df er durch die Entwendung der Urne Liebe und Gl\u00fcck zu der angebeteten Angelica finden w\u00fcrde. Astolfo, Vetter Orlandos,  ist durch Zauber Alcina verfallen. Alcina behext auch Ruggiero, der daraufhin seine Gattin Bradamante nicht mehr erkennt. Angelica versucht den in wilder Liebe zu ihr erbrannte Orlando umzubringen, er \u00fcberlebt. Bradamante, Ruggiero und Astolfo wollen Alcina ihrer Macht entrei\u00dfen. Orlando wird durch gute Feen und den Ku\u00df Angelicas von seinem Liebeswahn befreit und findet zu sich selbst.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEine wei\u00dfe, quadratische Erhebung \u2013 die Insel der Alcina &#8211; liegt vor dem projizierten Hintergrund eines mediterranen Meeresausblickes, der sich im Verlauf in ein blutrotes Blumenfeld \u00e4ndert und  einem Himmel, der zwischen Sch\u00f6nwetterwolken und grauen Unwetterwolken variieren wird. Die Kost\u00fcme sind von barocker Schn\u00f6rkellust inspiriert,  farblich gut aufeinander abgestimmt und \u2013 wie sp\u00e4ter in den wenigen Chorszenen zu sehen \u2013 fantasievoll anzuschauen. Eine stilisierte Zauberwelt tut sich auf, die Meereswogen sind mit wilden Farbstrichen auf der begrenzenden, wei\u00dfen Wand angedeutet.<br \/>\nUm sich in die Musik, von einem verkleinerten Beethovenorchester gespielt, akustisch einzuh\u00f6ren braucht es eine Weile, denn der Raum schluckt einiges an Klang. Alcina und Angelica gehen der gepflegten Langeweile nach. Ein Sofa, blaue, rote, langstielige Rosen. Orlando erscheint auf einem \u00fcbergro\u00dfen goldenen Ro\u00df in der Szene. Wir erinnern uns an den legend\u00e4ren Auftritt von Marilyn Horne auf einem  Pferd aus Fleisch und Blut. Das Spiel um Liebe und Eifersucht beginnt mit schauspielerischem Eifer.  Alcinas Entmachtung, die mit dem Zerstreuen der Asche ihren H\u00f6hepunkt findet, nimmt ihren Lauf. Am Ende ist sie grau und geschw\u00e4cht und Orlando besonnen und erl\u00f6st.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger, Orchester<\/strong><br \/>\nDie Titelpartie war mit der chilenischen Mezzosopranistin <strong>Mariselle Martinez<\/strong> (Orlando) bestens besetzt. Sie sang ihre Koloraturen mit wendiger Stimme und gro\u00dfem Ausdruckswillen, dar\u00fcber hinaus ist sie eine grandiose Schauspielerin. <strong>Katrin Wundsam<\/strong> (Bradamante\/Alderico) und<strong> Julia Novikova<\/strong> (Medoro), sowie <strong>Anna Virovlansky<\/strong> (Angelica) und <strong>Susanne Blattert<\/strong> (Alcina) gaben den Rezitativen und Arien Form und Farbe. Lee Poulis warmer Bariton verlieh Astolfo profunde Tiefe und wendige Koloraturen und der geschmeidige Counter von <strong>Terry Wey<\/strong> in der Rolle des Ruggiero war besonders h\u00f6renswert. Als Darsteller \u00fcberzeugen sie alle.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDiese Inszenierung ist ein Bekenntnis der relativ kurzfristig f\u00fcr den erkrankten Werner Schroeter eingesprungenen <strong>Aurelia Eggers<\/strong> zum viel zu selten bedachten Genre der Barockoper. In Bonn hat man jedoch mit den von <strong>Dietrich Hilsdorf<\/strong>  inszenierten H\u00e4ndel-Oratorien Saul und Belshazzar eine kleine Barocktradition. Die Auff\u00fchrung geht jedoch mit der Instrumentierung Kompromisse ein. Die Frage nach den m\u00fchsam gewonnenen Erkenntnissen um die Transparenz historischer Auff\u00fchrungspraxis dr\u00e4ngt sich geradezu auf. Was sollen dann Laute und Cembalo inmitten eines modernen Orchesters? &#8211; Doch der inspirierte Dirigent (<strong>Rub\u00e9n Dubrovsky<\/strong>) macht das M\u00f6glichste daraus und seine Vorarbeit ist h\u00f6rbar.  Das winzige Follia-Zitat betont er euphorisch mit eigenh\u00e4ndig mitgespielter Gitarre, sowie rasselnden Kastagnettenklang. Dar\u00fcber hinaus sind Solobl\u00e4ser &#8211; zu Recht \u2013 auf der B\u00fchne positioniert. L\u00e4ngen in der Inszenierung entstehen im ersten Teil, der insgesamt eher statisch in Szene gesetzt ist und den streng gesetzten Abfolgen Rezitativ, Da-Capo-Arie folgt. Hervorstechende Ausnahme die Liebesszene zwischen Alcina und Ruggiero, deren Schaukeln auf dem Scheinwerferhalter die Innigkeit der Musik unterstreicht. Gelungen ist nicht zuletzt die Umgarnungsszene der Angelica, die Orlando vermeintlich umbringt: Sie s\u00e4uselt sch\u00f6nste Worte und schn\u00fcrt ihn dabei fest ein. Im zweiten Teil rast Orlando. Ein akrobatisch talentierte Statist wird zu seinem Alter Ego und erm\u00f6glicht den darstellerischen Ausdruck seiner Aufgew\u00fchltheit. Insgesamt betrachtet handelt es sich jedoch um eine, vor allem im zweiten Teil, runde Auff\u00fchrung, an die instrumental jedoch keine historisierenden Ma\u00dfst\u00e4be angelegt werden sollten.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt: Angelica (Anna Virovlansky) will Medoro (Julia Novikova)<br \/>\nvor der eifers\u00fcchtigen Raserei Orlandos (Mariselle Martinez) sch\u00fctzen (von links nach rechts).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Antonio Vivaldi (1678-1741), Dramma per Musica; Libretto: Grazio Braccioli nach dem gleichnamigen Epos von Ludovico Ariost (1532). UA: Herbst 1727, Teatro Sant\u2019Angelo, Venedig. 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