{"id":3966,"date":"2012-06-11T21:30:16","date_gmt":"2012-06-11T20:30:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3966"},"modified":"2012-06-12T21:33:46","modified_gmt":"2012-06-12T20:33:46","slug":"die-entfuhrung-aus-dem-serail-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3966","title":{"rendered":"DIE ENTF\u00dcHRUNG AUS DEM SERAIL &#8211; Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Singspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Johann Gottlieb Stefanie nach Christoph Friedrich Bretzner,\u00a0 UA: 16. Juli 1782 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Jetske Mijnssen, B\u00fchne: Sanne Danz, Kost\u00fcme: Arien de Vries<\/p>\n<p>Dirigent: Christoph Poppen, Essener Philharmoniker, Chor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle<\/p>\n<p>Solisten: Simona Saturova (Konstanze), Christina Clark (Blonde), Bernhard Berchtold (Belmonte), Albrecht Kludszuweit (Pedrillo), Roman Astakhov (Osmin), Maik Solbach (Bassa Selim)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. Juni 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Essen-Entf\u00fchrung.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3967\" title=\"Essen-Entf\u00fchrung\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Essen-Entf\u00fchrung.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"278\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Essen-Entf\u00fchrung.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Essen-Entf\u00fchrung-300x238.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Konstanze ist zusammen mit ihrer Zofe Blonde und deren Liebhaber Pedrillo von Piraten entf\u00fchrt und in die Sklaverei verkauft worden. Ihr \u201eBesitzer\u201c, ein zum Islam konvertierter Europ\u00e4er mit Namen Bassa Selim, behandelt sie gut. Konstanze hat jedoch unter seinen Ann\u00e4herungsversuchen zu leiden, w\u00e4hrend Blonde sich den einf\u00e4ltigen Haushofmeister Osmin vom Leib halten mu\u00df. Inzwischen ist Konstanzes Verlobter Belmonte inkognito in die Dienste des Bassa getreten. Gemeinsam mit Pedrillo schmiedet er Fluchtpl\u00e4ne, die ausgerechnet von Osmin vereitelt werden. Als Bassa Selim entdeckt, da\u00df Belmonte der Sohn seines Todfeindes ist, schw\u00f6rt er blutige Rache. Am Ende siegt jedoch seine \u2013 durch die Liebe zu Konstanze motivierte \u2013 Gro\u00dfmut: Er l\u00e4\u00dft die beiden Paare ziehen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne setzt sich aus wei\u00dfen, ineinander verschachtelten Rechtecken zusammen, die sich nach hinten zu einem treppenartigen Konstrukt \u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Durch : Jetske Mijnssen ge\u00e4nderte Handlung: Pedrillo und Osmin richten eine \u00dcberraschungsparty zum 40. Geburtstag ihres Freundes Bassa Selim aus. Dieser kommt gerade mit seiner neuen Flamme Konstanze von einer Reise heim und ist alles andere als begeistert \u2013 vor allem, da uneingeladen auch noch Konstanzes Verflossener, Belmonte, auftaucht und seine Ex-Freundin zur\u00fcckfordert. Als dann noch Pedrillos Freundin Blonde ungeniert mit Osmin flirtet, kann auch eine Supermarkt-Palette Heineken-Bier die Stimmung nicht mehr retten. Immerhin verk\u00fcrzt Pedrillo mit den leeren Dosen dem Publikum die Pause. Nach einigem Hin und Her und vielen Tr\u00e4nen entscheidet sich Konstanze schlie\u00dflich f\u00fcr Bassa Selim. Aber dieser ist den Beziehungsstress inzwischen leid und weist sie zur\u00fcck. W\u00e4hrend die Paare und Osmin ratlos auseinandergehen, beschlie\u00dfen eine Reprise der Ouvert\u00fcre und eine Instrumentalversion des Janitscharen-Chores die Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Star des Abends sind die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> unter <strong>Christoph Poppen<\/strong>: \u00dcbersch\u00e4umende Lebensfreude, federnd-leichte Eleganz und wunderbare Soli entfalten eine Sogwirkung, der man sich bis zum Schluss nicht entziehen kann. Mehr als einmal stehlen die Musiker den S\u00e4ngern die Schau. Bravissimo! Ebenb\u00fcrtig ist <strong>Simona Saturova<em> <\/em><\/strong>(Konstanze), die mit funkelnden Koloraturen, schwebenden Piani und gestalterischer Phantasie alle Register ihres Fachs zieht. Die Arie \u201eTraurigkeit war mir zum Lose\u201c singt sie so herzergreifend sch\u00f6n, dass das unmittelbar darauf folgende Bravourst\u00fcck \u201eMartern aller Artern\u201c zur Nebensache wird. Puren Wohlklang verstr\u00f6mt auch der Mozart-versierte <strong>Bernhard Berchtold<\/strong> (Belmonte), der vor allem im Duett mit Saturova (\u201eMeinetwegen sollst du sterben\u201c) zu Bestform aufl\u00e4uft. <strong>Christina Clark<\/strong> (Blonde) gibt ein szenisch und vokal gleicherma\u00dfen quirliges kleines Biest &#8211;\u00a0 w\u00e4hrend <strong>Roman Astakhov<\/strong> (Osmin) zwar optisch kein \u201ealter grober Bengel\u201c ist, mit kurzatmigem, polterndem Bass aber genau die Rollenklischees best\u00e4tigt, von denen man sich an diesem Abend laut Programmheft eigentlich l\u00f6sen wollte. <strong>Albrecht Kludszuweit<\/strong> (Pedrillo) gef\u00e4llt vor allem bei dem feinsinnig dargebotenen Lied \u201eIm Morgenland gefangen war\u201c, Raum zur kom\u00f6diantischen Entfaltung hat er jedoch nicht. Und dem charismatischen <strong>Maik Solbach<\/strong> (Bassa Selim) bleibt leider nur, sich mit den eigens f\u00fcr diese Auff\u00fchrung geschriebenen h\u00f6lzernen Dialogen abzum\u00fchen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Nicht wenige Regisseure haben sich an der <em>Entf\u00fchrung<\/em> die Z\u00e4hne ausgebissen. <strong>Jetske Mijnssen<\/strong> verzichtet immerhin darauf, den Nahost-Konflikt (u.a. zu sehen in Salzburg, 1989) oder ein Sado-Maso-Bordell (Berlin, 2004 ) zu bem\u00fchen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber sie nimmt die Herausforderung erst gar nicht an, sondern erfindet kurzerhand ein eigenes St\u00fcck mit neuen Dialogen (s.o.) \u2013 ein diskussionsw\u00fcrdiger Ansatz, bei dem der Kontrast zwischen gesprochenem und gesungenem Text mehr als einmal die Lachmuskeln reizt. Da sich Mijnssen au\u00dferdem nicht zwischen Seifenoper (<em>Ist sie etwa mit diesem Typen zusammen?)<\/em> und Drama Strindbergschen Ausma\u00dfes (<em>In meinem Kopf ist Chaos<\/em>) entscheiden kann, l\u00e4uft der Abend ins Leere: Sp\u00e4testens nach der Pause bleibt szenisch nur noch Langeweile. Das Produktionsteam wird daf\u00fcr mit Buhrufen \u00fcbersch\u00fcttet. Keine runde Sache also diesmal in Essen. Im Ged\u00e4chtnis bleiben ein engagiertes Ensemble (mit einer Sopranistin von internationalem Format an der Spitze) und Mozart vom Allerfeinsten aus dem Orchestergraben. Da\u00df der Abend instrumental endet, ist daher nur konsequent.<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Ben van Duin<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Simona Saturova (Konstanze), Mail Solbach (Bassa Selim)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Singspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Johann Gottlieb Stefanie nach Christoph Friedrich Bretzner,\u00a0 UA: 16. 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