{"id":3899,"date":"2012-05-21T21:53:07","date_gmt":"2012-05-21T20:53:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3899"},"modified":"2012-06-13T19:19:52","modified_gmt":"2012-06-13T18:19:52","slug":"amadigi-di-gaula-gottingen-deutsches-theater-handel-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3899","title":{"rendered":"AMADIGI DI GAULA &#8211; G\u00f6ttingen, Deutsches Theater, H\u00e4ndel-Festspiele G\u00f6ttingen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Opera seria in drei Akten, anonyme italienische Adaption der Trag\u00e9die en musique <em>Amadis de Gr\u00e8ce<\/em> von Antoine Houdar de la Motte, nach einem Libretto von\u00a0 Philippe Quinault, UA: 25. Mai 1715 London, King\u2019s Theatre<\/p>\n<p>Regie\/Choreographie: Sigrid T\u2019Hooft, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Stephan Dietrich, Licht: Heinz Kasper, Tanz\/Statisterie: Corpo Barocco<\/p>\n<p>Dirigent: Andrew Parrott, das Festspiel Orchester G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Solisten: Mareike Braun (Amadigi), Stefanie True (Oriana), Judith Gauthier (Melissa), Mark\u00e9ta Cukrov\u00e1, (Dardano), Johanna Ne\u00df (Orgando)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Mai 2012 (B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Goettingen-Amadigi.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3900\" title=\"Goettingen-Amadigi\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Goettingen-Amadigi.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Goettingen-Amadigi.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Goettingen-Amadigi-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Amadis von Gallien ist eine Romanfigur in Spanien des 14. Jahrhunderts. Rodr\u00edguez de Montalvo schrieb 1508 die <em>Geschichte des Ritters von Gallien<\/em>. Dieser gelangte nach Schottland, verliebte sich in Prinzessin Oriana und heiratete sie nach vielen Abenteuern. Eine der Fortsetzungen dieser Rittergeschichte verfa\u00dfte \u00a01530 Feliciano de Silva. In de la Mottes Roman, auf die H\u00e4ndels Libretto zur\u00fcckgeht, stammt ein Vorfahre des Ritters aus Griechenland. Dorther kommt auch Dardano, Prinz von Thrakien, und Gegner von Amadigi. Die Ritterromane, besonders <em>Amadis von Gallien,<\/em> z\u00e4hlten zu den beliebtesten Lekt\u00fcren des sp\u00e4ten Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit. Erst Miguel de Cervantes (1547-1616) setzte mit seinem <em>Don Quijote<\/em> die Wirkung der Ritterromane au\u00dfer Kraft.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Amadigi und Dardano lieben Oriana, Tochter des K\u00f6nigs der <em>Gl\u00fccklichen Inseln<\/em>. Die Zauberin Melissa ist in Amadigi verliebt. Doch dieser lehnt sie ab, da er ja Oriana begehrt. Dagegen will Melissa ihn zur Liebe zwingen und hetzt ihre H\u00f6llengeister auf ihn. Sie sperrt Oriana in einen verzauberten Turm und l\u00e4\u00dft sie durch die Furien der H\u00f6lle qu\u00e4len. Inzwischen gesteht Dardano Amadigi, da\u00df auch er Oriana liebe. Schlie\u00dflich wollen Melissas Gaukeleien Amadigi weismachen, da\u00df sich Oriana mit Dardano eingelassen h\u00e4tte. Als die Gaukeleien ihm nichts anhaben k\u00f6nnen, verwandelt Melissa Dardano in Amadigis Gestalt. Kurz bevor Oriana im Begriff ist, sich dem falschen Dardano hinzugeben, gibt es einen Zweikampf zwischen Dardano und Amadigi, bei dem Dardano get\u00f6tet wird. Als nun Melissa Amadigi t\u00f6ten will, h\u00e4lt eine unsichtbare himmlische Gewalt sie zur\u00fcck. Da t\u00f6tet sie sich selbst und Amadigi und Oriana werden ein gl\u00fcckliches Paar.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Beim \u00d6ffnen des Vorhangs erblickt man drei perspektivisch versetzte Rundb\u00f6gen. Je nach Szene wird vor dem zweiten Rundbogen ein Zwischenvorhang heruntergelassen. Dahinter erscheinen dann eine barocke S\u00e4ulenreihe oder auch (im 2. Akt) ein Brunnen, dessen Wasserspiele mit Lametta-Silberf\u00e4den nachgeahmt werden. Die auf der Rampe angebrachten Muschelschalen werfen ein dezentes Licht auf die B\u00fchne. Im letzten Akt schwebt der Zauberer Orgando, Orianas Onkel, in einer Wolke vom B\u00fchnenhimmel herab. Die Kost\u00fcme sind in rotkariertem Stoff gehalten, da wir uns ja in Schottland befinden. Amadigi tr\u00e4gt eine riesige Kopfbedeckung mit enormen Blumenquasten (s. Abb.). Dardanos enganliegendes Kost\u00fcm ist von grau-brauner Farbe. Melissas Kopf ziert eine rotleuchtende, gezackte Krone. Ihr dunkelblaurotes Kleid hat einen weit ausgestellten Rock und Orianas jugendliches Kleid ist ganz in Gelb gehalten mit keilf\u00f6rmig ausgeschnittenem Mieder und ausgepufften \u00c4rmeln. R\u00f6tliche Randstickereien betonen Mieder und Rock. Die acht T\u00e4nzer verk\u00f6rpern einmal die Furien, ein andermal Teufel, denn sie stecken in enganliegenden, rotblau gehaltenen Kost\u00fcmen und \u201ediabolischer\u201c Kopfbedeckung; wenn sie u.a. elegante Damen und Herren darstellen, kommen sie in duftigen Rokoko-Kost\u00fcmen in hellen Farben daher.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Ouvert\u00fcre wird flott musiziert. Einige anf\u00e4ngliche Unsicherheiten der Intonation verfl\u00fcchtigen sich alsbald. In rechtem Tempo wird die Gavotte wiedergegeben. Auffallend sch\u00f6n gestaltet Parrott die dynamischen Abstufungen, auch zwischen Bl\u00e4sern und Streichern. <strong>Mark\u00e9ta Cukrov\u00e1<\/strong> (Dardano) tut sich zun\u00e4chst ein wenig schwer in der Intonation der Presto-Aria <em>Pugner\u00f2 contro del fato \u2013 ich werde das Schicksal besiegen.<\/em> Aber ihre Artikulation ist ausgezeichnet. Die Arie <em>Pena tiranna \u2013 tyrannische Qualen <\/em>(3. Akt), wohl eine der sch\u00f6nsten Arien dieser H\u00e4ndel-Oper, gelingt ihr besser, doch die Trauer des St\u00fccks kommt nicht so gut her\u00fcber. Beim begleitenden Duett \u00fcbert\u00f6nt leider die Oboe die Fagottstimme. <strong>Mareike Braun<\/strong> als Amadigi beherrscht ihre vielen Arien und Duette erstaunlich gut, insbesondere was deutliche Aussprache und Koloraturtechnik betrifft, doch ihr Atem reicht nicht immer aus, die langen Passagen zu meistern. <strong>Judith Gauthier<\/strong> stellt die b\u00f6se Zauberin Melissa mit flammender Wut und ebenso gro\u00dfer Entt\u00e4uschung eindrucksvoll vor Augen. Ihre untadeligen Koloraturen und Tongenauigkeit werden von gro\u00dfer Energie erg\u00e4nzt. Vollendet angenehm sowohl f\u00fcrs Auge wie f\u00fcrs Ohr erscheint die reizende <strong>Stefanie True<\/strong> (Oriana) in hellgelbem Kost\u00fcm.\u00a0 Sie fasziniert nicht nur ihren Geliebten Amadigi, sondern auch uns Zuschauer, entweder trauernd bei <em>S\u2019estinto \u00e8 l\u2019idol mio \u2013 wenn tot ist mein Geliebter, <\/em>dann \u00e4rgerlich <em>Ti pentirai \u2013 du wirst es bereuen <\/em>und schlie\u00dflich trotzig mit <em>Affannami, tormentami \u2013 qu\u00e4le, foltere mich <\/em>(alle 3. Akt)<em>, <\/em>wobei ihre Koloraturen, Intonation, Atem- sowie Trillertechnik und Aussprache einwandfrei sind. Die sehr jungen S\u00e4ngerinnen absolvierten ihre Rollen durchweg gut, wenn man ihren Stimmen und Aktionen auch anmerken kann, da\u00df sie wenig erfahren sind. Doch ihre jugendliche Frische und manchmal Unbek\u00fcmmertheit wirkt ansteckend.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wieder konnte man eine Arbeit von <strong>Sigrid T\u2019Hooft<\/strong> bewundern \u00e4hnlich <em>Radamisto<\/em> in Karlsruhe 2009\/10 (s. OPERAPOINT 2\/2010). Die Personenf\u00fchrung wirkt regelrecht spannend mit aussagekr\u00e4ftigen barocken Handbewegungen. Keinerlei aufgesetzte Psychologisierung st\u00f6rt den faszinierenden Ablauf. Ihre Choreographie f\u00fcr das Tanzensembles <em>Corpo Barocco<\/em> erfreut das Auge und lockert die Szenen auf<em>. <\/em>Das<em> <\/em>Publikum beklatscht viele Szenen. Allgemeine Zustimmung durch Bravorufe und Getrampel am Opernende.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Theodoro da Silva<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Mareike Braun (Amadigi), T\u00e4nzerinnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Opera seria in drei Akten, anonyme italienische Adaption der Trag\u00e9die en musique Amadis de Gr\u00e8ce von Antoine Houdar de la Motte, nach einem Libretto von\u00a0 Philippe Quinault, UA: 25. 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