{"id":3895,"date":"2012-05-15T09:14:59","date_gmt":"2012-05-15T08:14:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3895"},"modified":"2012-05-19T09:17:26","modified_gmt":"2012-05-19T08:17:26","slug":"xerxes-berlin-komische-oper-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3895","title":{"rendered":"XERXES &#8211; Berlin, Komische Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685 \u2013 1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto eines anonymen Verfassers nach Silvio Stampiglia, nach einem Libretto von Niccol\u00f2 Minato<\/p>\n<p>UA: 15. April 1738 London, King\u2019s Theatre<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm, Licht: Franck Evin, Dramaturgie: Alexander Meier-D\u00f6rzenbach und Ingo Gerlach<\/p>\n<p>Dirigent: Konrad Jungh\u00e4nel, Orchester der Komischen Oper Berlin Choreinstudierung: Andr\u00e9 Kellinghaus<\/p>\n<p>Solisten: Stella Doufexis (Xerxes), Karolina Gumos (Arsamenes), Katarina Bradic (Amastris), Brigitte Geller (Romilda), Julia Giebel (Atalanta), Dimitry Ivashchenko (Ariodates), Hagen Matzeit (Elviro)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Mai 2012 (Premiere, deutsche Textfassung:\u00a0 Eberhard Schmidt)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Berlin-Ko-Xerxes1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3896\" title=\"Berlin-Ko-Xerxes\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Berlin-Ko-Xerxes1.gif\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Berlin-Ko-Xerxes1.gif 232w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Berlin-Ko-Xerxes1-198x300.gif 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Xerxes verliebt sich in Romilda, die ihrerseits aber Xerxes Bruder Arsamenes in heimlicher Liebe zugetan ist, so wie auch Arsamenes ihr. Eine Intrige der Schwester Romilda und Atalanta, die ihrerseits Arsamenes f\u00fcr sich haben m\u00f6chten, schl\u00e4gt fehl und das Paar Arsamenes-Romilda findet schlie\u00dflich zueinander, w\u00e4hrend sich der Perserk\u00f6nig mit der inkognito erschienen Prinzessin Amastris, die verzweifelt seinem Werben um Romilda zugesehen hat und mit der er verlobt ist, verheiratet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf allen Ebenen wird diese Oper parodiert. Der Text des Librettos ist teilweise humoristisch ver\u00e4ndert. Einzelne Begriffe werden mimisch und gestisch \u00fcbertrieben. Das dominierende Deutsch wird ab und zu von einer italienisch gesungenen Arie oder von dem berlinernden Diener Elviro durchbrochen. Die Konkurrenz der beiden m\u00e4nnlichen und weiblichen Liebhaber dr\u00fcckt sich zun\u00e4chst in Form ihrer gleichen Kost\u00fcme aus, sp\u00e4ter auch durch den Einsatz von gegenseitiger Spiegelung und Nachahmung. Die Bevorzugung der Symmetrie f\u00fcr die Gestaltung einer Perspektivb\u00fchne zeigt sich nicht nur an den perspektivisch gemalten Prospekten und der Drehb\u00fchne, sondern auch an den konisch aufgereihten Soldaten, an den Bewegungen maskierter Wassergestalten und nicht zuletzt an den parallel zueinander wandernden S\u00e4ulen, die zuerst die Buchstaben Xerxes tragen und diese dann in ein die Omnipotenz des Herrschers karikierendes <em>Rex-Sex<\/em> teilen. Die getragene Melodie der ber\u00fchmten Arie des Xerxes \u00fcber dem <em>Schatten der Platane<\/em> wird durch ein erotisches Sch\u00e4ferspiel mit tanzenden Schafen konterkariert. Der verschm\u00e4hte Xerxes wei\u00df trotz des Einsatzes immer sch\u00e4rferer Waffen nicht, wie er seinen Ha\u00df inszenieren soll. Amastris holt mit der Armbrust den Amor vom Himmel und Romilda l\u00e4\u00dft zur Demonstration ihrer Eifersucht eine Kanonenkugel in die Stadtmauer fliegen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das f\u00fcr das Publikum sichtbare Orchester spielt unter der zupackenden Leitung von <strong>Konrad Jungh\u00e4nel<\/strong> offensiv, temperamentvoll und dynamisch pr\u00e4zise. Kurz wird es in die Handlung einbezogen, als Xerxes ein Da-capo ablehnt und das Licht l\u00f6scht. Der Opernchor vermag den spielerischen Charakter der Inszenierung musikalisch zu untermalen. Im eing\u00e4ngigen Schlu\u00dfchor treten die Ensemblemitglieder in Stra\u00dfenkleidung vor den Vorhang und f\u00fchren den Zuschauer zur\u00fcck in die Realit\u00e4t. Allen Ensemblemitgliedern der Komischen Oper gelingt es gleichgut, den Anforderungen der koloraturreichen H\u00e4ndel-Arien nachzukommen. \u00dcber die Stimme zeigen sie die Charaktere der Personen. So besingen <strong>Julia Giebel<\/strong> (Atalanta) und <strong>Brigitte Geller<\/strong> (Romilda) in den h\u00f6chsten T\u00f6nen das Schwesterngez\u00e4nk, verk\u00f6rpert <strong>Stella Doufexis<\/strong> (Xerxes) einen von Leichtigkeit gekennzeichneten Xerxes, der mit barocken ebenso wie modernen Tanzschritte aufwarten kann. <strong>Karolina Gumos<\/strong> (Arsamenes) sorgt mit ihrem wohlklingenden Mezzosopran f\u00fcr die Umsetzung der tragischen Seite der Oper ebenso wie <strong>Katarina Bradic<\/strong> (Amastris), die versto\u00dfene Geliebte von Xerxes, besonders am Ende des zweiten Aktes mit einer stimmlich und schauspielerisch beeindruckenden Mischung Kr\u00e4nkung und Triumph. <strong>Dimitry Ivashchenko<\/strong> hat mit seinem Part des v\u00e4terlichen Ariodates die einzige tiefe Partie in der Oper. <strong>Hagen Matzeit<\/strong> (Elviro) tritt als Mann und als verkleidete Blumenverk\u00e4uferin auf und ist in der Lage, beiden die passende Stimme zu geben.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die tragischen Elemente treten hier zugunsten der komischen etwas in den Hintergrund. Alle Beteiligten zeigen mitrei\u00dfende Spielfreude. Mal abgesehen von den \u00fcberzogenen sexuellen Anspielungen und dem berlinernden Elviro gelang es dem Regisseur, eine Barockoper in ihrem Glanz aufbl\u00fchen zu lassen und sie gleichzeitig gekonnt zu parodieren. Der begeisterte (Szenen-)Applaus galt dieses Mal nicht nur der musikalischen Umsetzung, sondern auch der Regie.<\/p>\n<p>Carola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: Forster<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Brigitte Geller (Romilda), Karolina Gumos (Arsamenes)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685 \u2013 1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto eines anonymen Verfassers nach Silvio Stampiglia, nach einem Libretto von Niccol\u00f2 Minato UA: 15. 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