{"id":3882,"date":"2012-05-13T09:52:00","date_gmt":"2012-05-13T08:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3882"},"modified":"2012-05-17T09:58:21","modified_gmt":"2012-05-17T08:58:21","slug":"gotterdammerung-dessau-anhaltisches-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3882","title":{"rendered":"G\u00d6TTERD\u00c4MMERUNG &#8211; Dessau, Anhaltisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten<\/p>\n<p>UA: 17. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Andr\u00e9 B\u00fccker, B\u00fchne: Jan Steigert, Projektionen: Frank Vetter<\/p>\n<p>Dirigent: Antony Hermus, Anhaltische Philharmonie, Opernchor und Extrachor des Anhaltischen Theaters Dessau, Choreinstudierung: Helmut Sonne<\/p>\n<p>Solisten: Arnold Bezuyen (Siegfried), Ulf Paulsen (Gunther), Stephan Klemm (Hagen), Iordanka Derilova (Br\u00fcnnhilde), Nico Wouterse (Alberich), Angelina Ruzzafante (Gutrune), Rita Kapfhammer (Waltraute) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Mai 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Dessau-G\u00f6tterd.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3883\" title=\"Dessau-G\u00f6tterd\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Dessau-G\u00f6tterd.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Dessau-G\u00f6tterd.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Dessau-G\u00f6tterd-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Siegfried besitzt der von Alberich verfluchte Ring des Nibelungen ewige Macht. Auch Hagens Halbbruder Gunther m\u00f6chte den Ring besitzen. Als es Siegfried an den Rhein zu Gunther verschl\u00e4gt, verliert er unter dem Einflu\u00df eines Zaubertranks jede Erinnerung an Br\u00fcnnhilde, begehrt Gutrune und verspricht Gunther Br\u00fcnnhilde zur Frau. Ha\u00dferf\u00fcllt wendet sich Br\u00fcnnhilde gegen Siegfried und berichtet, da\u00df sie quasi verm\u00e4hlt seien. F\u00fcr seinen Betrug an Gunther t\u00f6tet Hagen auf der Jagd Siegfried, doch Br\u00fcnnhilde st\u00fcrzt sich mit dem Ring in den f\u00fcr den Toten brennenden Scheiterhaufen. Die Flammen erfassen Walhall, die G\u00f6tterd\u00e4mmerung bricht an: Der Ring versinkt im Rhein und die Welt ist erl\u00f6st vom Fluch.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p><em>Der Ring in der Bauhausstadt Dessau, die G\u00f6tterd\u00e4mmerung im Bauhaus-Stil, <\/em>wie ein Architektur-Designstil B\u00fchnenbild und Personenf\u00fchrung beeinflussen kann, zeigt uns Andr\u00e9 B\u00fccker, der Intendant des Theater Dessau: Die vielfarbigen Designer-Kost\u00fcme lassen Assoziationen in alle Richtungen zu. Ebenso ist jeder Figur eine eigene Geste zugeordnet. So zeichnet sich der ganz in wei\u00df gekleidete Siegfried mit rotem Haarschopf und Stechschritt aus. Das B\u00fchnenbild wirkt einfach: Die Spielfl\u00e4che ist in zwei Ebenen aufgeteilt, die versenkt und gehoben werden k\u00f6nnen. Die hintere Ebene kann den Br\u00fcnnhildenfelsen aufnehmen, der aus verschiebbaren Quadern besteht. Die vordere Ebene kann ein Stahlgestell (Niebelheim) aufnehmen, in das eine obere Plattform und drei Aufz\u00fcge integriert sind. Um diese Spielfl\u00e4che h\u00e4ngen zwei gekr\u00fcmmte Vorh\u00e4nge, die kreisf\u00f6rmig verfahren werden k\u00f6nnen. \u00dcber dieses B\u00fchnenbild werden Projektionen geworfen, die mit vielen Formen und Farben spielen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dominiert wird das ausgezeichnete S\u00e4ngerensemble vom Rollendeb\u00fct <strong>Arnold Bezuyens<\/strong> als Siegfried. Er ist von der lyrischen Rolle des Loge aus dem Rheingold nun ins Heldentenor-Fach vorgesto\u00dfen. Nach dem Abend kann man feststellen, da\u00df das Potential f\u00fcr diese Weiterentwicklung zweifellos vorhanden ist. Er versucht zun\u00e4chst alle T\u00f6ne \u2013 besonders die <em>Heil-Br\u00fcnnhild-Rufe<\/em> \u2013 mit viel Klangvolumen auszusingen. Jedoch geht ihm sp\u00e4testens zu Beginn des dritten Aktes die Luft aus, hohe T\u00f6ne werden nur noch angesungen und am Ende wirkt die <em>Waldvogel-Erz\u00e4hlung<\/em> wie eine alternative tiefere Notierung. <strong>Iordanka Derilova<\/strong> als Br\u00fcnnhilde ist ein hochdramatischer Sopran, der mit viel Durchschlagskraft der Br\u00fcnnhilde gerecht wird, wenn ihr auch die warmen einf\u00fchlsamen T\u00f6ne (noch) fehlen. <strong>Ulf Paulsen<\/strong> kann mit seinen stimmlichen Mitteln aus dem Vollen sch\u00f6pfen \u2013 bei ihm ist Gunther ein zur\u00fcckhaltender Mensch. <strong>Angelina Ruzzafante<\/strong> wertet mit ihren glockenklaren Tonkaskaden die Gutrune von der jugendlichen Naiven zum Vollweib auf, wird damit zur Gegenspielerin der Br\u00fcnnhilde. Genau das gleiche gelingt <strong>Rita Kampfhammer<\/strong> als Waltraute: Ein schier unersch\u00f6pfliches Stimmvolumen und Ton-Umfang erm\u00f6glicht ihr mit einem mystisch-rauchigen Ausdruck die Verzweiflung der Waltraute greifbar zu machen. <strong>Stephan Klemm<\/strong> verleiht dem Hagen mit seiner soliden Ba\u00df-Stimme entsprechendes Auftreten, wenn auch ein wenig B\u00f6sartigkeit fehlt. Der Chor besticht durch transparentes Klangbild und exaktes Zusammenspiel, besonders, da er mit einem Extrachor verst\u00e4rkt wurde. <strong>Antony Hermus<\/strong> f\u00fchrt die Anhaltische Philharmonie ohne Probleme durch die Untiefen der G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Die symphonischen Zwischenst\u00fccke wie <em>Siegfrieds Rheinfahrt<\/em> werden monumental breit mit viel Leidenschaft gespielt. Manchmal wirkt das gef\u00fchlte Tempo sehr breit, aber das Finale wird zu einem Kumulationspunkt der Hoffnung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Minutenlange Ovationen, ein tobendes Publikum \u2013 das ist der Lohn f\u00fcr eine sehr aufwendige, den Zuschauer in der Farben-Formen-Bilderflut fast ertr\u00e4nkende Inszenierung. Die k\u00f6rperstarre gestendominierte Personenf\u00fchrung erinnert an Regisseur Robert Wilson, wodurch im ersten Akt L\u00e4ngen entstehen, denn die teilweise unverst\u00e4ndlichen Gesten verundeutlichen manches Mal die Handlung). Auch st\u00f6ren die permanent grellen Projektionen unkonkreter Formen quer \u00fcber das gesamte Bild. Dennoch \u00a0\u00fcberzeugt die Produktion durch eindrucksvolle B\u00fchnenbilder. Musikalisch best\u00e4tigt dieser <em>Ring <\/em>das Anhaltische Theater Dessau als derzeit f\u00fchrendes Haus im Gro\u00dfraum Berlin \u2013 und als Wahrer einer Wagner-Tradition in Dessau.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Claudia Heysel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Iordanka Derilova (Br\u00fcnnhilde), Ulf Paulsen (Gunther)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten UA: 17. 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