{"id":388,"date":"2008-10-06T18:35:44","date_gmt":"2008-10-06T16:35:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=388"},"modified":"2008-10-06T18:35:44","modified_gmt":"2008-10-06T16:35:44","slug":"heidelberg-stadtische-buhne-la-clemenza-di-tito","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=388","title":{"rendered":"Heidelberg, St\u00e4dtische B\u00fchne &#8211; LA CLEMENZA DI TITO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756\u20131791), Dramma serio per musica in zwei Akten; Libretto: Caterino Tommaso Mazzol\u00e0 nach dem Dramma per musica von Pietro Metastasio. UA: 6. September 1791, Gr\u00e4flich Nostitzsches Nationaltheater, Prag.<br \/>\nRegie\/B\u00fchne: Christian Sedelmayer,  Kost\u00fcme: Bettina Schanz-von Koch, Beleuchtung: Steff Fl\u00e4chsenhaar, Dramaturgie: Bernd Feuchtner, Dirigent: Cornelius Meister, Philharmonisches Orchester und Opernchor der Stadt Heidelberg, Choreinstudierung: Jan Schweiger<br \/>\nLarissa Krokhina (Vitellia), Angela Kerrison (Servilia), Jana Kurucov\u00e1 (Sesto), Olga Privalova (Annio), Hubert Wild (Publio) u.a.<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 3. Oktober 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"heidelberg-titus.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/heidelberg-titus.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"heidelberg-titus.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/heidelberg-titus.jpg\" \/><\/a>Vitellia, die Tochter des gest\u00fcrzten Kaisers Vitellius, trachtet nach der Liebe und der Hand des f\u00fcr seine Milde und G\u00fcte bekannten Kaisers Tito. Dieser jedoch plant, die Barbarin Berenice zu heiraten. Emp\u00f6rt nutzt Vitellia die Liebe Sestos zu ihr aus, und \u00fcberredet ihn, einen Anschlag auf Tito, dessen engsten Freund, zu ver\u00fcben. Mittlerweile hat der Kaiser Berenice fortgeschickt und will nun Servilia, die Schwester Sestos und die Geliebte Annios, heiraten. Diese, mutiger als ihr Geliebter, gesteht Tito ihre Verbindung zu Annio. Der Kaiser ist so erfreut \u00fcber die Ehrlichkeit Servilias, da\u00df er auf sie verzichtet und beschlie\u00dft, Vitellia zur Frau zu nehmen. Als diese jedoch davon erf\u00e4hrt, ist es zu sp\u00e4t: Sesto hat das Kapitol in Brand gesteckt und ist \u00fcberzeugt, Tito erstochen zu haben. Der Kaiser \u00fcberlebt jedoch dank einer Verwechslung, Sesto wird festgenommen und von Tito schweren Herzens zum Tode verurteilt. Vitellia, von Schuldgef\u00fchlen geplagt, gesteht den Kaiser ihre Schuld, um Sesto zu retten. Tito ist entschlossen, seine Milde walten zu lassen und vergibt allen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<strong>Christian Sedelmayer<\/strong> verzichtet auf einen zwanghaft modernen Rahmen und hat einen Raum im pompejanischen Stil gestaltet. Dessen Schlichtheit und der Verzicht auf weitere Requisiten als ein Sofa gibt den Charakteren die M\u00f6glichkeit, sich als freie und moderne Personen zu entfalten. Der auff\u00e4llige B\u00fchnenboden ist mit Edelmetallplatten ausgelegt und wirkt geradezu verspiegelt, au\u00dferdem ragt er steil auf. Besonders zu betonen sind die B\u00fchnenbilder mit einer Sturzfunktion, die das Chaos des brennenden Kapitols im zweiten Akt anschaulich verk\u00f6rperten.<br \/>\nKleine Textk\u00fcrzungen wurden vorgenommen, die aber nichts Sinntragendes fallen lie\u00dfen, sondern fortlaufende Spannung garantierten.<br \/>\nAm auff\u00e4lligsten kost\u00fcmiert war der Chor, der mehrmals seine Kleidung wechselte: Aufwendige Kleidung eines dekadenten, Orgien feiernden Hofstaates im ersten Akt, Trauerkleidung nach dem vermeintlichen Tod Titos und Festkleidung am Ende.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nEindeutige H\u00f6hepunkte des Abends waren <strong>Larissa Krokhina<\/strong>, die als Vitellia stimmlich und schauspielerisch begeisterte und gerade in der H\u00f6he brillierte, und vor allem <strong>Jana Kurucov\u00e1<\/strong>, die ihre Hosenrolle als Sesto hervorragend meisterte und deren Mezzosopran Sestos Gewissensqualen ergreifend interpretierte. <strong>Winfried Mikus<\/strong> mag mit seiner eher f\u00fcr  rauhe Charaktere geeigneten Stimme nicht jedermanns Geschmack entsprochen haben, \u00fcberzeugte aber schauspielerisch. Sowohl <strong>Angela Kerrison<\/strong> als eine nicht weniger liebreizende als mutige Servilia, wie auch <strong>Olga Privalova<\/strong> als souver\u00e4n gespielter Annio zeigten gesanglich erfreuliche Leistungen. Als ein unauff\u00e4lliger, aber deswegen nicht weniger \u00fcberzeugender Publio agierte <strong>Hubert Wild<\/strong>, der mit einem klaren Bariton einen wunderbareren Ausgleich zu den zahlreichen Frauenstimmen (\u00fcbliche f\u00fcr die Form der Opera seria) bildete.<br \/>\n<strong>Cornelius Meister<\/strong> dirigierte, den Szenen angemessen, mal dramatisch, mal gef\u00fchlvoll und brachte sowohl Chor als auch Orchester bis zum Schlu\u00df konstant angenehm zum Klingen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nViele Details wie der verspiegelte Boden, die umst\u00fcrzenden Kulissen und ein wackeliger Thron des Kaisers deuteten auf wunderbare Art das blendende Intrigenleben in einem dekadenten Kaiserreich an, in dem ein zwischen Milde und Autorit\u00e4t  hin und her gerissener Kaiser regiert.<br \/>\nWeniger gelungen ist der Einfall, den Kaiser Tito als einen Blinden darzustellen, was von der urspr\u00fcnglichen Intention Mozarts, ein gerechtes und g\u00fctiges Herrschervorbild f\u00fcr die Kaiserkr\u00f6nung Leopolds II. zu schaffen, stark abweicht. War f\u00fcr Mozart clemenza (Milde) eine erstrebenswerte Eigenschaft, wirkt Tito, der in dieser Inszenierung sogar gegen eine Wand l\u00e4uft und sich dabei die Nase st\u00f6\u00dft, wie ein tatteriger Greis, dessen Blindheit und grenzenlose Milde gnadenlos ausgenutzt werden.<br \/>\nAndere Regieeinf\u00e4lle jedoch, beispielsweise ein Sesto im diebischen Kapuzenkost\u00fcm als Attent\u00e4ter, sind witzige und gut gesetzte Akzente, die vom Publikum mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen aufgenommen wurden.<br \/>\nDiese in sich stimmige und anschauliche Inszenierung bereitete einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Auftakt der neuen Spielzeit, den das Publikum mit einem st\u00fcrmischen und lange nicht enden wollenden Applaus f\u00fcr S\u00e4nger und Regieteam gleicherma\u00dfen belohnte.<\/p>\n<p>Leonore Kratz<br \/>\nBild: Markus Kaesler<br \/>\nDas Bild zeigt Annio (Olga Privalova), Publio (Hubert Wild) und das Ensemble.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756\u20131791), Dramma serio per musica in zwei Akten; Libretto: Caterino Tommaso Mazzol\u00e0 nach dem Dramma per musica von Pietro Metastasio. UA: 6. September 1791, Gr\u00e4flich Nostitzsches Nationaltheater, Prag. Regie\/B\u00fchne: Christian Sedelmayer, Kost\u00fcme: Bettina Schanz-von Koch, Beleuchtung:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=388\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-388","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=388"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/388\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}