{"id":3864,"date":"2012-04-22T13:23:07","date_gmt":"2012-04-22T12:23:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3864"},"modified":"2012-05-07T13:25:02","modified_gmt":"2012-05-07T12:25:02","slug":"der-freischutz-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3864","title":{"rendered":"DER FREISCH\u00dcTZ &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Carl Maria von Weber (1786-1826), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen. Libretto: Johann Friedrich Kind<\/p>\n<p>UA: 18. Juni 1821 Berlin, K\u00f6nigliches Schauspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Tobias Theorell, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Herbert Murauer<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Chor und Extrachor, Choreinstudierung: Stefan Meier<\/p>\n<p>Solisten: Betsy Horne (Agathe), Roman Payer (Max), Marie Smolka (\u00c4nnchen), Rainer Scheerer (Kaspar), Karsten Schr\u00f6ter (Kuno), Karsten M\u00fcnster (Kilian),\u00a0 Benjamin Werth (Ottokar), Michael Lion (Eremit, Samiel), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. April 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Coburg-Freisch\u00fctz.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3865\" title=\"Coburg-Freisch\u00fctz\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Coburg-Freisch\u00fctz.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Coburg-Freisch\u00fctz.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Coburg-Freisch\u00fctz-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Max, J\u00e4gerbursche des Erbf\u00f6rsters Kuno und Br\u00e4utigam von dessen Tochter Agathe, hat beim Sch\u00fctzenfest verloren. Und das bevor er am n\u00e4chsten Tag den Probeschu\u00df abgeben mu\u00df, von dem seine weitere Laufbahn, aber auch die Hochzeit mit Agathe abh\u00e4ngt. Der verzweifelte Max l\u00e4\u00dft sich von Kaspar \u00fcberreden, von Samiel Freikugeln zu fordern, die nie ihr Ziel verfehlen. Max erh\u00e4lt in der Wolfsschlucht um Mitternacht sieben Freikugeln, von denen die letzte von Teufel geleitet wird. Beim Probeschu\u00df hat Max nur noch diese letzte Freikugel \u00fcbrig. Er schie\u00dft auf eine wei\u00dfe Taube, Agathe schreit auf und sinkt zu Boden \u2013 jedoch nur in Ohnmacht, w\u00e4hrend Kaspar t\u00f6dlich getroffen ist. Max gesteht seinen Pakt mit dem Teufel. Aber weil der Eremit f\u00fcr ihn bittet, mu\u00df er nur ein Probejahr bestehen, bis er Agathe heiraten darf.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild spielt mit einer Reihe von verschiebbaren B\u00fchnenteilen, die sich zu einem symbolischen wie auch konkreten Raum zusammenschieben lassen Die Mitte nimmt zun\u00e4chst ein Podest ein, auf dem das Sch\u00fctzenfest stattfindet \u2013 in folkloristischer Trachtenkleidung heutiger Mode. Max und Kaspar agieren stets \u00e4hnlich gekleidet:\u00a0 gr\u00fcne Jagdkleidung oder Anzug. Samiel und der Eremit unterscheiden sich nur durch das wei\u00dfe Kragen-Beffchen. Die Honoratioren tragen schwarzen Cut, der Landesf\u00fcrst festliche Tracht. Die beiden Seitenw\u00e4nde, die den B\u00fchnenraum erweitern und verkleinern k\u00f6nnen, zieren eine Reihe von kapitalen Hirschgeweihen. Zusammen mit einem historischen Foto eines Veteranenvereins auf der R\u00fcckwand bilden sie das Forsthaus. Eine neutrale R\u00fcckwand mit gro\u00dfem Fenster (mit Fenster-Kreuz) bildet den Hintergrund f\u00fcr die Wolfsschlucht. Das Kugelgie\u00dfen ist ein Zerrbild der \u00c4ngste und Hoffnungen des Max, z.B. sieht er verschleierte Br\u00e4ute, die zu Tode kommen. F\u00fcr den J\u00e4gerchor gibt es einen roten Zwischenvorhang, beim Probeschu\u00df f\u00e4llt Agathe blut\u00fcberstr\u00f6mt um. Eine peinliche Pause entsteht, bis Dirigent Roland Kluttig fordert \u201eZur\u00fcck zu Nr. 15: J\u00e4gerchor\u201c. Nun sehen wir den auskomponierten Schlu\u00df mit Happy End f\u00fcr Agathe und Max. Aber gibt es dieses Happy End wirklich? Denn im Hochzeitszug taucht Kaspar anstelle des Br\u00e4utigams Max wieder auf\u2026<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Grande Dame des Abends ist unstrittig <strong>Betsy Horne<\/strong> als Agathe. Ihre Ausdruckskraft in den dramatischen Momenten hat noch zugenommen, in den lyrisch verhaltenen Passagen gl\u00e4nzt sie mit Technik. Nicht \u00fcberraschend, da\u00df sie das <em>Leise, Leise, fromme Weise<\/em> weniger nachdenklich als zupackend gestaltet. Publikumsliebling wird jedoch <strong>Marie Smolka<\/strong> als \u00c4nnchen, denn mit ihrem hohen hellen Timbre mit exakter Intonation, die in den strahlenden Koloraturen herauskommen, wei\u00df sie die Zuh\u00f6rer zu bezaubern. An mancher Stelle w\u00fcnscht man ihr jedoch etwas mehr Tiefe. <strong>Roman Payer<\/strong> als ihr geliebter Max verf\u00fcgt \u00fcber eine harmonisch leuchtende baritonale Mittelage, aus der heraus er sich in die h\u00f6chsten tenoralen H\u00f6hen aufschwingt. <strong>Rainer Scheerer<\/strong> als sein Gegenspieler Kaspar zeigt nicht nur eine \u00fcberzeugende schauspielerische Darstellung dieser vielschichtigen Gestalt, er kann dies auch mit stimmlichen Mitteln darstellen, wenn er seine Stimme an der Grenze zwischen Dramatik, \u00dcberschnappen und Sprechgesang f\u00fchrt. <em>Hier im ird&#8217;schen Jammertal<\/em> ist ein Beispiel f\u00fcr diese Feinheiten der Grenzgestaltung. <strong>Michael Lion<\/strong>, der Haus-Ba\u00df, findet in der Doppel-Rolle als Samiel und Eremit wieder mit tiefer sonorer und raumf\u00fcllend wohlklingender Stimme die passenden Mittel \u2013 auch f\u00fcr die Sprechrolle des Samiels. Bestens eingestellt der <strong>Chor<\/strong>, der den bekannten J\u00e4gerchor im sch\u00f6nsten Forte schmettern darf \u2013 gerne auch zweimal. Bei <strong>Roland Kluttig<\/strong> ist Webers Vorstellung von Romantik in den besten H\u00e4nden. Die immer wiederkehrende Dynamik zwischen laut und leise, langsam und schnell, anschwellend und abschwellend versteht er mit \u00e4u\u00dferster Spannung zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Tosender Beifall f\u00fcr alle Beteiligten, sie erf\u00fcllten h\u00f6chste Anspr\u00fcche. Wieder einmal ist es in Coburg gelungen, ein Opernauff\u00fchrung in einen allgemeinverst\u00e4ndlichen, werkgetreuen Rahmen zu gie\u00dfen. Da\u00df gut und b\u00f6se zwei Seiten einer Medaille mit flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4ngen sind, wird durch die Kost\u00fcm\u00e4hnlichkeit zwischen Max und Kaspar sowie Samiel und Eremit verst\u00e4ndlich erl\u00e4utert. Bemerkenswert: F\u00fcr die weitgehend ungek\u00fcrzten gesprochenen Dialoge k\u00f6nnen die Darsteller durchwegs ihre h\u00f6here Schauspielkunst unter Beweis stellen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Probeschu\u00df: Betsy Horne (Agathe) (liegend) ist Rainer Scheerer (Kaspar) (re.)\u00a0 getroffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Carl Maria von Weber (1786-1826), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen. Libretto: Johann Friedrich Kind UA: 18. 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