{"id":3856,"date":"2012-05-06T12:28:48","date_gmt":"2012-05-06T11:28:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3856"},"modified":"2012-05-07T12:31:43","modified_gmt":"2012-05-07T11:31:43","slug":"la-traviata-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3856","title":{"rendered":"LA TRAVIATA &#8211; Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodramma in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave, UA: 6. M\u00e4rz 1853 Venedig<\/p>\n<p>Regie: Josef Ernst K\u00f6pplinger, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Alfred Mayerhofer<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker und Chor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle<\/p>\n<p>Solisten: Liana Aleksanyan (Violetta), Felipe Rojas Velozo (Alfredo), Aris Argiris (Giorgio Germont), Rainer Maria R\u00f6hr (Gastone) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Mai 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Essen-Traviata.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3857\" title=\"Essen-Traviata\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Essen-Traviata.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Essen-Traviata.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Essen-Traviata-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Frankreich, Mitte des 19. Jahrhunderts: Alfredo liebt die Edelkurtisane Violetta. Nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern gibt sie seinem Werben nach und zieht mit ihm aufs Land. Alfredos Vater, besorgt um den Ruf der Familie, zwingt Violetta, sich von seinem Sohn zu trennen \u2013 ohne zu wissen, da\u00df sie todkrank ist. Auf einem Ball beleidigt Alfredo, der die wahren Gr\u00fcnde f\u00fcr die Trennung nicht kennt, rasend vor Eifersucht seine ehemalige Geliebte. Erst an Violettas Sterbebett vers\u00f6hnen sich die beiden, nachdem Alfredos Vater reum\u00fctig seine Rolle beim Scheitern ihrer Beziehung eingestanden hat.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung ist Ende der 1920er Jahre in einem Lungen-Sanatorium angesiedelt. Ein stuckverzierter Saal mit hohen Decken, Terrassent\u00fcr und (als Fresko auf die W\u00e4nde aufgetragenem) Alpenpanorama assoziiert den Nobelkurort Davos. Hier warten Violetta und ihre Leidensgenossen auf den Tod. Der Besuch ihrer Freundin Annina weckt Violettas Erinnerung: Ihre Geschichte wird ohne Pause in R\u00fcckblenden erz\u00e4hlt. Wie im Film gehen die Szenen bruchlos ineinander \u00fcber, der sterile Saal wird innerhalb von Sekunden zum Schauplatz hemmungslos-rauschhafter Feste und zum b\u00fcrgerlichen Refugium. Dabei ist der Tod allgegenw\u00e4rtig, als blut\u00fcberstr\u00f6mte Stiere <em>Di Madride noi sian mattadori \u2013 Wir sind Stierk\u00e4mpfer aus Madrid<\/em>, geigenspielende Engel (Kinderstatisterie) und zombiehaft-groteske T\u00e4nzer im Karnevalschor <em>Largo al quadrupede, Sir della festa \u2013 Platz dem Stier, Herr des Festes<\/em>). Auch Giorgio Germont, hier ein brutaler Despot, der seine Tochter schikaniert und \u00fcber Violettas Tod alles andere als ersch\u00fcttert ist, l\u00e4\u00dft keinen Zweifel daran, wie die Geschichte ausgeht: Aus Angst vor Ansteckung wischt er sich nach unfreiwilligem K\u00f6rperkontakt mit Violetta sorgf\u00e4ltig die H\u00e4nde ab. Das daf\u00fcr benutzte Taschentuch taucht am Schlu\u00df wieder auf, wenn Germont seinen Brief an Violetta beiseite schafft und sich offensichtlich erneut vor Ansteckung sch\u00fctzen will. Liebe und Tod liegen an diesem Abend im wahrsten Sinne des Wortes dicht beieinander.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Einen Triumpf feiert die armenische Sopranistin <strong>Liana Aleksanyan<\/strong> (Violetta). Der \u00fcbersch\u00e4umenden Leidenschaft, mit der sie sich in die Rolle st\u00fcrzt, kann sich kaum jemand entziehen. Auch vokal bleiben keine W\u00fcnsche offen: Die Stimme vereint jugendliche Frische und Nat\u00fcrlichkeit mit technischer Reife. Von r\u00fchrender Zartheit ist das Piano in <em>Dite alla giovine \u2013 Sagt Eurer Tochter<\/em>, dramatisch zupackend die Koloraturen in <em>Sempre libera \u2013 Immer frei<\/em>. Bis zum Schlu\u00df, dem verzweifelten Aufschrei <em>Oh gioia \u2013 Oh Freude<\/em> bleibt Aleksanyans Energie ungebrochen. Eine beispielhafte Leistung, bedenkt man, da\u00df sie die B\u00fchne keinen Moment verl\u00e4\u00dft. <strong>Felipe Rojas Velozo<\/strong> (Alfredo) spielt den Verliebten als aufm\u00fcpfigen, durchaus sympathischen Jungen und besticht dabei durch ein sch\u00f6nes Timbre, feurige Gef\u00fchlsausbr\u00fcche und eine perfekte italienische Phrasierung. Leichte Unsicherheiten bei der Intonation und eine nicht immer strahlende H\u00f6he verzeiht man gern, zumal sie dem Lampenfieber geschuldet sein d\u00fcrften. Da\u00df die Inszenierung Alfredos Vater als grobschl\u00e4chtigen Tyrannen zeigt, ist f\u00fcr <strong>Aris Argiris<\/strong> (Giorgio Germont) kein Grund, es an stimmlichem Facettenreichtum fehlen zu lassen: Sein f\u00fcr dieses Repertoire wie geschaffener Bariton bietet neben einem (auch in den Spitzent\u00f6nen) m\u00e4chtig auftrumpfendem Volumen Eleganz und vorbildliche Artikulation. Der sich perfekt in die Inszenierung einf\u00fcgende, brillante <strong>Chor<\/strong> und die \u00fcberwiegend ausgezeichnet besetzten Nebenrollen \u2013 stellvertretend sei der b\u00fchnenpr\u00e4sente <strong>Rainer Maria R\u00f6hr<\/strong> (Gastone) genannt \u2013 runden das Ensemble ab.<\/p>\n<p>In Verdis Melodien schwelgend pr\u00e4sentieren sich die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> unter <strong>Stefan Soltesz<\/strong>, die eine hinrei\u00dfende, \u00e4u\u00dferst differenzierte Interpretation liefern \u2013 von den silbrig-zarten Kl\u00e4ngen in den Vorspielen bis hin zur brutalen H\u00e4rte der Konfrontation von Alfredo und Violetta im zweiten Akt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Solisten, Dirigent und Orchester werden zu Recht st\u00fcrmisch gefeiert. Das Regie-Team mu\u00df sich einige Buhs gefallen lassen, wof\u00fcr vermutlich die deftig inszenierten Massenszenen (splitternackter Statist inklusive) verantwortlich sein d\u00fcrften. Trotzdem: <strong>Josef Ernst K\u00f6pplingers<\/strong> Inszenierung ist spannend, behandelt das Werk mit gro\u00dfem Respekt und bleibt dicht am Text. Eine musikalisch herausragende und durchaus sehenswerte Produktion!<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Liana Aleksanyan (Violetta)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodramma in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave, UA: 6. 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