{"id":3835,"date":"2012-05-03T14:07:16","date_gmt":"2012-05-03T13:07:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3835"},"modified":"2012-06-13T11:16:18","modified_gmt":"2012-06-13T10:16:18","slug":"lucia-di-lammermoor-cottbus-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3835","title":{"rendered":"LUCIA DI LAMMERMOOR &#8211; Cottbus, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Dramma tragico in 3 Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach Walter Scotts <em>The Bride of Lammermoor<\/em>; UA: 26. September 1835, Neapel<\/p>\n<p>Regie: Hauke Tesch, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Gundula Martin, Choreinstudierung: Christian M\u00f6bius<\/p>\n<p>Dirigent: Evan Christ, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Chor des Staatstheaters Cottbus. Solisten: Jacek Strauch (Lord Ashton), Cornelia Zink (Lucia), Jens Klaus Wilde (Sir Edgardo), James Elliott (Lord Bucklaw), Ingo Witzke (Raimondo), Marlene Lichtenberg (Alisa), Hardy Brachmann (Normanno)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Mai 2012<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Cottbus-Lucia.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3836\" title=\"Cottbus-Lucia\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Cottbus-Lucia.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Cottbus-Lucia.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Cottbus-Lucia-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Als Lucia, um politischen Interessen zu gen\u00fcgen, den einflu\u00dfreichen Lord Arturo Bucklaw ehelichen soll, weigert sie sich vehement. Ihre Liebe gilt Edgardo. Dieser ist jedoch der letzte \u00dcberlebende aus dem mit ihrer Familie verfeindeten Clan. Zudem macht Edgardo selber seinen Anspruch auf alte Familienrechte in Form von Landbesitz geltend, die Enrico, Lucias Bruder, beansprucht. Edgardo mu\u00df als Botschafter nach Frankreich. Er reist ab, nachdem er sich mit Lucia ewige Liebe geschworen hat. In seiner Abwesenheit ersinnt Enrico eine infame Intrige: Mit einem gef\u00e4lschten Brief wird Lucia Edgardos vermeintliche Untreue aufgedeckt. Entmutigt heiratet sie schlie\u00dflich Lord Bucklaw. Aber in der Hochzeitsnacht ermordet sie ihren Gatten, verf\u00e4llt dem Wahnsinn und stirbt. Als dies Edgardo \u00a0erf\u00e4hrt, gibt er sich selber den Todessto\u00df, um mit ihr wieder vereint zu sein.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>In der semiszenischen Auff\u00fchrung wird die B\u00fchnenausstattung auf wenige markante Elemente reduziert. Zentrales Element ist dabei in allen Bildern eine zur B\u00fchnentiefe hin ansteigende Rampe. Hinzu treten stilisierte, schr\u00e4g zueinander angeordnete S\u00e4ulenfragmente, die Ruinenbauten und den Friedhof andeuten. Ein zur\u00fcckgesetzter, halb schlie\u00dfender Vorhang wird als zus\u00e4tzlicher Raumteiler eingesetzt. Zu den festen B\u00fchnenaufbauten kommen wenige variable Ausstattungselemente, wie ein gro\u00dfer Tisch im Schlo\u00df von Lord Ashton sowie ein angedeutetes Lagerfeuer und Fackeln.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit unglaublich pr\u00e4gnanter B\u00fchnenpr\u00e4senz schafft es <strong>Cornelia Zink<\/strong> (Lucia), als personifizierter Brennpunkt schicksalhafter Verdammnis, das B\u00fchnengeschehen eindrucksvoll mit ihrem Spiel und Gesang ganz auf sich zu konzentrieren. Bereits im <em>Regnava nel silenzio \u2013 In tiefem Schweigen lag die Nacht<\/em> (1. Akt) atmet ihre Stimme strahlend reinen Glanz, welche mit den in sublim ausgesungener Reinheit genommenen H\u00f6hen die Herzen des Publikums h\u00f6her schlagen lassen. Ein Bravourst\u00fcck gelingt ihr jedoch mit der \u201eWahnsinnsarie\u201c im dritten Akt als zentralem Element und Schl\u00fcsselstelle der Oper. In ausgepr\u00e4gter Meisterschaft gelingt ihr der gesangliche Drahtseilakt zwischen dramatisch \u00fcberh\u00f6hter Ausformung und kunstvoller Verzierung. Ihre extrem wendige Stimmvariabilit\u00e4t zeigt sie in ihren hochdynamischen Phrasierungsb\u00f6gen und stakkato- bis glissandoartigen Stimmfarbwechseln, die von eindrucksvoller, reiner Tiefensch\u00e4rfe und sich weit \u00f6ffnender Strahlkraft flankiert werden. Ein weiterer H\u00f6hepunkt des Abends ist <strong>Jacek Strauch<\/strong>. Seine Verk\u00f6rperung des selbsts\u00fcchtigen und von Machtgier getriebenen Lord Ashton wird durch seine mit imponierend zupackender Energie, aus einem breiten Fundament sch\u00f6pfenden Baritonstimme, grandios umgesetzt, so da\u00df sein <em>Cruda funesta smania \u2013 Grausame unheilvolle Erregung<\/em> die B\u00fchne regelrecht erzittern l\u00e4\u00dft. <strong>Jens Klaus Wilde<\/strong> (Edgardo) ist besonders in den lyrischen Abschnitten stark. Hier kann er das warm schmeichelnde Timbre seines Tenors mit belcantischen Phrasierungseffekten voll einsetzen. In den H\u00f6hen l\u00e4uft seine Stimme leicht bleich angehaucht aus, wobei jedoch eine signifikante Steigerung der Sicherheit in den Hochlagen im dritten Akt zu verzeichnen ist. <strong>James Elliott<\/strong> (Lord Bucklaw) l\u00e4\u00dft durch seinen seidig schmeichelnden Tenor aufhorchen, w\u00e4hrend Ba\u00df <strong>Ingo Witzke<\/strong> (Raimondo) an diesem Abend im ersten Teil an nachhaltigem Druck vermissen l\u00e4\u00dft, sich jedoch zum Ende hin noch steigern kann.<\/p>\n<p>Das <strong>Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus<\/strong> spielt unter Evan Christ mit fulminantem Engagement, und der <strong>Opernchor<\/strong> ist klanglich perfekt abgestimmt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung bietet ein wahres Fest f\u00fcr Liebhaber der Belcanto-Oper. Die semiszenische Produktion verdichtet dabei das Geschehen mit d\u00fcsterer Grundstimmung gekonnt auf das Schicksal der Protagonisten. Mit atemloser Faszination wird man Zeuge, wie das Ensemble fast durchweg scheinbar m\u00fchelos eine Oper stemmt, an der man sich auf Grund des gesanglichen Anspruchs nur allzu leicht verheben kann. Die S\u00e4nger f\u00fchren den Zuschauer mit bravour\u00f6sen Gesangsdarbietungen in tiefste Seelenabgr\u00fcnde und stimmlich hebt Cornelia Zink Cottbus in einen neuen Opernhimmel. Zu Recht gab es daf\u00fcr stehende Ovationen.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Michael Helbig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ingo Witzke (Raimondo), Cornelia Zink (Lucia) und Marlene Lichtenberg (Alisa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Dramma tragico in 3 Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach Walter Scotts The Bride of Lammermoor; UA: 26. 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