{"id":3820,"date":"2012-04-16T08:56:44","date_gmt":"2012-04-16T07:56:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3820"},"modified":"2012-04-28T08:58:57","modified_gmt":"2012-04-28T07:58:57","slug":"lohengrin-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3820","title":{"rendered":"LOHENGRIN &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; UA: 28. August 1850 in Weimar<\/p>\n<p>Regie: Kaspar Holten, B\u00fchne: Steffen Aarfing<\/p>\n<p>Dirigent: Donald Runnicles, Orchester, Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Albert Dohmen (K\u00f6nig Heinrich), Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Ricarda Merbeth (Elsa), Gordon Hawkins (Telramund), Petra Lang (Ortrud), Bastiaan Everink (Heerrufer)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. April 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-DO-Lohengrin.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3821\" title=\"Berlin-DO-Lohengrin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-DO-Lohengrin.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-DO-Lohengrin.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-DO-Lohengrin-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Heinrich ruft die Brabanter zum Feldzug. Telramund, von seiner Gattin Ortrud angestachelt, beschuldigt Elsa des Mordes an ihrem Bruder Gottfried. Ein Gottesgericht in Form eines Zweikampfs soll \u00fcber Elsas Schuld entscheiden. Da erscheint ein Fremder im Boot, gezogen von einem Schwan, der Telramund besiegt. Dieser Fremde wird Elsa heiraten, aber sie darf nie nach seinem Namen und Herkunft fragen. Am Hochzeitstag bezichtigen Ortrud und Telramund den Fremden der Zauberei und des Betruges. Erst sp\u00e4ter, als sie allein sind, bricht Elsa ihr Versprechen und stellt die Fragen. Telramund dringt in das Brautgemach ein, im Zweikampf stirbt er. Jetzt offenbart Lohengrin Namen und Herkunft. Ortrud triumphiert, aber Lohengrin bewirkt die R\u00fcckkehr Gottfrieds, des rechtm\u00e4\u00dfigen Thronfolgers.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zu den sph\u00e4rischen Kl\u00e4ngen des Vorspiels sieht man ein Schlachtfeld mit klagenden Weibern. Die D\u00fcsternis bleibt bis zum Schlu\u00df erhalten, der Spielort ist ein unkonkreter dunkler Raum \u2013 da kommen Vergleiche mit dem Inszenierungsstil Neu-Bayreuths der siebziger Jahre auf. Das M\u00fcnster ist ein begehbares Bild mit Rahmen, das Brautgemach wird einzig durch einen roten Vorhang vom M\u00fcnster getrennt. Lohengrin kommt in Ritterr\u00fcstung und Schwanenfl\u00fcgeln daher, der Schwan selbst ist ein Beleuchtungseffekt auf einer Leinwand. Die \u00fcbrigen Kost\u00fcme sind den vergangenen Jahrhunderten entlehnt, der historisierende Schnitt entspricht ebenfalls den siebziger Jahren. Die Kost\u00fcme der Solisten sind nicht blutverschmiert, sondern aus hellerem Stoff.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Klaus Florian Vogt<\/strong> stellt wieder einmal unter Beweis, da\u00df seine heldische Darstellung des Lohengrins im Moment ohne Konkurrenz ist. In den hohen Lagen hat er immer noch die strahlende Klarheit eines Knabensoprans, verf\u00fcgt aber mittlerweile \u00fcber eine hohe Durchschlagskraft. Zus\u00e4tzlich hat sich in den tiefen Lagen ein makelloser Klangk\u00f6per entwickelt. Auch <strong>Petra Lang<\/strong> konnte ihre Darstellung der Ortrud weiterentwickeln. Ihre weich timbrierte Stimme setzt sie ohne hysterisch-dramatische Ausbr\u00fcche ein, verleiht der Figur Tiefe, die wirklich \u00fcberrascht. Hier wird verst\u00e4ndlich, wie intelligent manipulativ Ortrud ist. <strong>Ricarda Merbeth<\/strong> verf\u00fcgt immer noch \u00fcber einen klaren, lyrischen Sopran, kann der Elsa wegen dem eng gef\u00fchrten Spitzent\u00f6nen und teils heftigem Tremolieren keine Kontur mehr verleihen. <strong>Albert Dohmen<\/strong> war einmal ein Ba\u00dfbariton von edler Klangtiefe. Diesen Eindruck kann er zun\u00e4chst best\u00e4tigen, jedoch bereits im zweiten Akt fehlt ihm Kraft und Volumen. <strong>Gordon Hawkins <\/strong>stemmt sich sehr zur\u00fcckhaltend durch die schwierige Rolle des Telramund, kann die Rolle nicht wirklich gestalten. <strong>Bastiaan Everink<\/strong> ist ein junger hoffnungsvoller Bariton, der den Heerrufer manchmal mit Kraft klangvolle Auftritte verleiht, aber insgesamt noch an der Rolle arbeiten mu\u00df. Der wichtigste Leistungstr\u00e4ger des Abends war der <strong>Chor<\/strong>. In der Einstudierung von <strong>William Spaulding<\/strong> gelang eine v\u00f6llige Transparenz und absolute Harmonie zwischen den einzelnen Stimmgruppen. Es ist faszinierend was <strong>Donald Runnicles<\/strong> in wenigen Jahren aus dem Orchester gemacht hat. Da wird Helden-Glanz verbreitet, es gibt keine Probleme mit rapiden Tempowechseln, erzeugt auch im absoluten Fortissimo Wohlklang. Mit im Zuschauerraum verteilen Blechbl\u00e4sern gelingt (vor allem im Vorspiel im 3. Akt, 2. Bild) ein selten erlebtes Raumklangerlebnis bei gleichzeitiger Transparenz der Bl\u00e4ser-Themen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende tobt das Publikum: Bravo-Orkane f\u00fcr das Orchester, Chor und Solisten, mit Ausnahme von Albert Dohmen und Ricarda Merbeth, die genauso wie das Regieteam Mi\u00dffallens\u00e4u\u00dferungen erhalten. Der Lichteffekt beim Auftritt Lohengrins erinnert an die Landung der Au\u00dferirdischen in Spielbergs <em>Unheimliche Begegnung<\/em> der dritten Art. Sind die Brabanter Au\u00dferirdische? Die Kost\u00fcme des Chores sind ein Mischmasch aus blutverschmierten Uniformen aus allen Jahrhunderten, die Damen sind an der Grenze zur Vollverschleierung. Was damit beabsichtigt wird, bleibt unklar. Der Ansatz des Schwanenritters als politischer Verf\u00fchrer hat man in vielen Inszenierungen viel besser umgesetzt gesehen. An diesem Haus setzte G\u00f6tz Friedrich (z.B. mit seinem legend\u00e4ren Ring) einst Ma\u00dfst\u00e4be, die dem Haus zum Weltruhm verhalfen. Dieser Abend f\u00fchrt vor Augen, da\u00df diese Zeiten vorbei sind. Bleibt zu hoffen, da\u00df der neue Intendant den Aufbruch schafft.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Marcus Lieberenz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Ricarda Merbeth (Elsa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; UA: 28. 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