{"id":3800,"date":"2012-04-12T14:56:19","date_gmt":"2012-04-12T13:56:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3800"},"modified":"2012-04-16T14:58:49","modified_gmt":"2012-04-16T13:58:49","slug":"elektra-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3800","title":{"rendered":"ELEKTRA &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss, Trag\u00f6die in einem Aufzug von Hugo von Hofmannsthal; UA 25. Januar 1909, Dresden<\/p>\n<p>Regie: Georg Schmiedleitner, B\u00fchnenbild: Stefan Brandmayr<\/p>\n<p>Dirigent: Marcus Bosch, Staatsphilharmonie, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Rachael Tovey (Elektra), Mardi Byers (Chrysothemis ), Daniela Denschlag (Klyt\u00e4mnestra), Richard Kindley (Aegisth), Guido Jentjens (Orest), Taehyun Jun (Pfleger des Orest), Irene Lepetit-Mscisz (Vertraute), Joanna Limanska-Pajak (Schlepptr\u00e4gerin), Philip Carmichael (junger Diener), Michael Kunze (alter Diener), Isabel Blechschmidt (Aufseherin), Teresa Erbe, Esen Demirci, Leila Pfister, Michaela Maria Mayer, Lussine Levoni (M\u00e4gde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. April 2012 (B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Nuernberg-Elektra.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3801\" title=\"Nuernberg-Elektra\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Nuernberg-Elektra.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Nuernberg-Elektra.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Nuernberg-Elektra-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Klyt\u00e4mnestra hat mit ihrem Buhlen Aegisth ihren Mann, Agamemnon, im Bad erschlagen, der Sohn Orest wurde in Sicherheit gebracht, Tochter Elektra mu\u00df sich schlimmste Dem\u00fctigungen gefallen lassen und lebt nur noch f\u00fcr den Tag, an dem Orest Vergeltung \u00fcben wird. Da wird die vermeintliche Todesnachricht von Orest \u00fcberbracht. Die Schwester Chrysothemis flieht, als Elektra das Beil, mit dem der Vater erschlagen wurde, in wilder Entschlossenheit ausgr\u00e4bt. Als der Trauerbote sich als ihr Bruder Orest zu erkennen gibt, mahnt Elektra die r\u00e4chende S\u00fchne an Klyt\u00e4mnestra an. Als Aegisth naht, f\u00fchrt ihn Elektra scheinbar freundlich ins Haus, wo auch er gerichtet wird. In \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Freude beginnt sie einen wilden, ekstatischen Tanz bevor sie tot zusammenbricht.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorstellung beginnt gewisserma\u00dfen mit Donner und Blitz: Das Publikum wird mit Scheinwerfern geblendet, dazu werden die ersten Takte, das Agamemnon-Thema, im fortissimo gespielt. Nachdem sich das Auge an das grelle Licht gew\u00f6hnt hat, erkennt man eine schlichte graue B\u00fchne, mit vielen T\u00fcren in den W\u00e4nden. Zwei Gegenst\u00e4nde dominieren: Links steht ein schrottreifer Opel Admiral, von Elektra liebevoll mit Blumen gef\u00fcllt und mit Alufolie beklebt. Rechts h\u00e4ngt ein Boxsack, in dem Elektra die Axt verbirgt, die sie Orest nicht geben kann. Dieser kommt in einem Milit\u00e4r-Regenschutz, Glatze und Springerstiefeln auf den Hof. Elektra tr\u00e4gt einen dunklen Hosenanzug, Chrysothemis wirkt wie ein bunter Hare-Krishna-J\u00fcnger. Aegisth ist \u201ekein Mann\u201c, sondern wird als Tunte dargestellt. Klyt\u00e4mnestra tr\u00e4gt ein rotes Abendkleid und rote Per\u00fccke, der Bewegungschor entweder wei\u00dfe oder schwarze Kleidung. Der tote Bewegungschor wird mit viel Blut auf dem Auto aufgestapelt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der N\u00fcrnberger GMD <strong>Marcus Bosch<\/strong> kann hier beweisen, da\u00df er mit Strauss punkten kann. Auch wenn nicht die volle Orchester-Besetzung im Graben m\u00f6glich ist (Vorg\u00e4nger Eberhard Kloke setzte in der letzten Produktion das Orchester auf die B\u00fchne), so kann er doch die harte Diktion, die schroffen Phrasen mit ans dissonante grenzender Wut ausleben. Er hat das Gesp\u00fcr f\u00fcr die schwarzen d\u00e4monischen Farben, die Tutti-Effekte im Blech wirken naturgem\u00e4\u00df weicher und leiser. S\u00e4ngerisch dominiert <strong>Rachael Tovey<\/strong> als Elektra. Mit ihrem harten hochdramatischen Sopran kann sie die Abgr\u00fcnde der Seele darstellen: Der Wahnsinn und der abgrundtiefe Hass Elektras bricht sich Bahn. <strong>Daniela Denschlag<\/strong> trifft genau den richtigen Ton in der Rolle der Klyt\u00e4mnestra: N\u00e4mlich den h\u00e4mischen, leicht keifigen Ton, der die Rolle treffend charakterisiert. <strong>Mardi Byers<\/strong> hat Probleme mit den H\u00f6hen, hier geht es nur mit viel Kraft, das wirkt schrill und sehr eng in der Kehle. Leider werden f\u00fcr die Rolle der Chrysothemis harmonische, sch\u00f6ne lyrische Kl\u00e4nge gefordert. <strong>Guido Jentjens<\/strong> hat keine Probleme Orest eine wortgewaltige und verst\u00e4ndliche Darstellung innerer seelischer Qualen zu verleihen. <strong>Richard Kindley<\/strong> kann die kleine Rolle des Aegisth mit einer eher schauspielerisch orientierten Gesangslinie mit Hilfe eines Eisb\u00e4ren im Schritt belustigend gestalten. Auch die vielen kleinen Rollen konnten durchwegs gut mit Kr\u00e4ften des Hauses und des Opernstudios besetzt werden, besonders zu loben sind die Darstellerinnen der f\u00fcnf M\u00e4gde.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Verhaltener Jubel des Publikums ist der Lohn f\u00fcr eine scheinbar werkgetreue Personenf\u00fchrung, lediglich die Optik der Aktualisierung ist manchmal etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. So ist der Opel Admiral als Erinnerungsfetisch f\u00fcr den ermordeten Vater nicht leicht zu erkennen. Und ob die Skinheads um Orest wirklich den ganzen Hof einschlie\u00dflich Chrysothemis hinmetzeln m\u00fcssen, kann diskutiert werden, aber selten hat man einen optisch so erregenden Leichenberg gesehen. S\u00e4ngerisch ist die Produktion bis auf eine Ausnahme herausragend besetzt, jedoch steigert sich der Applaus zu einem H\u00f6hepunkt, wenn es um das Orchester und um den GMD Marcus Bosch geht \u2013 zu Recht!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Optisch erregend: Mardi Byers (Chrysothemis), Rachael Tovey (Elektra) und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss, Trag\u00f6die in einem Aufzug von Hugo von Hofmannsthal; UA 25. 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