{"id":3795,"date":"2012-04-08T14:50:28","date_gmt":"2012-04-08T13:50:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3795"},"modified":"2012-04-16T14:52:30","modified_gmt":"2012-04-16T13:52:30","slug":"parsifal-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3795","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Helen Malkowsky, B\u00fchne: Harald B. Thor<\/p>\n<p>Dirigent: Patrik Ringborg, Staatsorchester Kassel, Opernchor, Extrachor und Kinderchor Cantamus des Staatstheaters Kassel, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti und Merle Clasen<\/p>\n<p>Solisten: Espen Fegran (Amfortas), Krzysztof Borysiewicz (Titurel), Mario Klein (Gurnemanz), Christian Elsner (Parsifal), Marc-Olivier Oetterli (Klingsor), Ursula F\u00fcri-Bernhard (Kundry, Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. April 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Kassel-Parsifal.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3796\" title=\"Kassel-Parsifal\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Kassel-Parsifal.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Kassel-Parsifal.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Kassel-Parsifal-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Amfortas leidet an einer Verletzung, die er bei dem Raub des heiligen Speers durch Klingsor erlitten hat. Nur durch die Ber\u00fchrung mit dem heiligen Speer ist Heilung m\u00f6glich \u2013 durch \u201eeinen reinen Tor\u201c. Gurnemanz h\u00e4lt Parsifal f\u00fcr den \u201ereinen Tor\u201c und nimmt ihn mit in die Gralsburg. Als er sich get\u00e4uscht sieht, setzt er Parsifal vor die T\u00fcr. Parsifal findet den Zaubergarten Klingsors mit seinen verf\u00fchrerischen M\u00e4dchen. Als auch Kundry ihn nicht halten kann, versucht Klingsor ihn mit dem Speer zu bannen. Parsifal ergreift den Speer, der Zaubergarten versinkt. Parsifal kehrt zur\u00fcck zu den Gralsrittern, die von Amfortas fordern, den Gral zu enth\u00fcllen, doch Amfortas will lieber sterben. Parsifal heilt die Wunde mit dem Speer und enth\u00fcllt den Gral.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Vorspiels sieht man viel Blut \u00fcber die gefalteten H\u00e4nde D\u00fcrers laufen, dann hebt sich der Vorhang und l\u00e4\u00dft den Blick auf graue blutverschmierte Mauern fallen. Es k\u00f6nnte eine Festung der Neorenaissance sein, genauso gut aber faschistoiden Zeiten entstammen. Die Hinterwand kann in einer runden \u00d6ffnung einen Ausblick auf kahle B\u00e4ume bieten, oder ein allsehendes Auge aufnehmen. Amfortas Wunde blutet best\u00e4ndig, das Reinigungskommando der Knappen kommt nicht nach. Diese wei\u00df gekleidete Gesellschaft steht in der Tradition von Mozarts <em>Zauberfl\u00f6te<\/em> und der Freimaurer. Den Weg zu dieser Wissensgesellschaft findet man zwangsweise per Einberufung. Die Gralsszene des ersten Aktes ist ein Einberufungsakt mit trauernden Angeh\u00f6rigen. Da sind Gral und Speer, genauso wie Reagenzglas, Kugelpendel, Uhr und Roman, keine religi\u00f6sen Objekte sondern Monstranzen des Wissens. Klingsors Zaubergarten befindet sich in derselben Kulisse, seine Blumenm\u00e4dchen tragen schwarzen Unterrock und ziehen sich einfarbige Kleider \u00fcber. Aus einem Koffer zaubert Klingsor Speere in gro\u00dfer Anzahl hervor. Als Parsifal irgendeinen Speer ergreift, geht kein Zaubergarten unter, nur Klingsor blutet unterhalb des braunen Waffenrockes im Schritt. Statt Karfreitagszauber wird Kundry als Hexe verbrannt. Zur gro\u00dfen Gralszene am Schlu\u00df gehen alle ab, w\u00e4hrend Amfortas auf der leeren B\u00fchne die Asche seiner Freundin Kundry einsammelt, mit der er trotz Wunde im ersten Akt ein Stelldichein hatte.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Packender kann der Unterschied nicht sein zwischen dem B\u00fchnengeschehen und den musikalischen Welten des Staatsorchesters unter <strong>Patrik Ringborg<\/strong>, der einen mystischen Parsifal entfesselt, der so durchdacht ist, wie die Inszenierung intelligent sein will. Da entsteht nicht nur weihevolles Pathos bei getragenem Tempo, der Karfreitagszauber ist bis in die letzten Nuancen aufgedr\u00f6selt. Da entstehen fr\u00fchlingshafte Farbwelten vor dem inneren Auge des Zuh\u00f6rers. Ebenso brillant ist der vollmundig-harmonische <strong>Chor <\/strong>des Staatstheaters, besonderes Lob f\u00fcr den <strong>Kinderchor<\/strong>, der als unsichtbare Stimmen aus der H\u00f6he ein ganz neues Klangerlebnis der Gralsszene erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p><strong>Espen Fegrans<\/strong> ist ein strahlender Helden-Bariton mit Durchschlagskraft und guter Textverst\u00e4ndlichkeit. Hier formt seine schauspielerische Stimmgestaltung den Amfortas zu einem trauernden Helden. \u00c4hnliches kann man \u00fcber <strong>Krzysztof Broysiewicz<\/strong> sagen, der den Titurel als dominanten Zeremonienmeister zeichnet. Bei <strong>Mario Klein<\/strong> als Gurnemanz beginnt man \u00fcber die negativen Seiten schauspielerischer Stimmgestaltung nachzudenken. Als Pogner in den <em>Meistersingern<\/em> blieb er durchschlagsstark in Erinnerung. Sein Gurnemanz ist zwar wortgewaltig, jedoch stimmlich zu verhalten und klingt manchmal mehr deklamatorisch. <strong>Marc-Olivier Oetterli<\/strong> ist schon w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung unzufrieden mit seinem Klingsor, hat viele Probleme um in tiefen Lagen D\u00e4monie aufkommen zu lassen. <strong>Ursula F\u00fcri-Bernhard<\/strong> besitzt eine hochdramatische Sopranstimme mit viel Strahlkraft im Forte, auch bei den hohen T\u00f6nen. Ihre Seufzer klingen wie ein Jodeln und nerven den Zuh\u00f6rer, statt Parsifal zu verf\u00fchren. <strong>Christian Elsner<\/strong> ist ein lyrischer Wagnertenor, der Parsifal wohlklingend jubeln l\u00e4\u00dft, auch wenn man bei seiner K\u00f6rperf\u00fclle etwas mehr Stimmvolumen erwartet hatte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Wer ist der Gral? Das sagt sich nicht!<\/em> So hat es Wagner in seinem <em>Parsifal<\/em> formuliert. Nachdem Helen Malkowsky s\u00e4mtliche Regieanweisungen ignoriert oder ad absurdum gef\u00fchrt hat, s\u00e4mtliche christlichen Symbole entfernt oder entwertet hat, bleibt von der Substanz des <em>Parsifal<\/em> nicht mehr viel \u00fcbrig. Kein Gebet, kein Abendmahl, keine Gralsszene, keine Taube, aber auch kein zerbrochener Bogen oder Schreie Kundrys. Die Kleidung des \u00fcbergewichtigen Parsifals ist geschmacklich unbeschreiblich. Man mu\u00df es dem weltoffenen Kasseler Publikum hoch anrechnen, da\u00df es diese Regie freundlich abnickt. Denn Orchester und Chor dominieren die mystisch-positive Erinnerung.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: N. Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marc-Olivier Oetterli (Klingsor), Christian Elsner (Parsifal), Ursula F\u00fcri-Bernhard (Kundry) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus Regie: Helen Malkowsky, B\u00fchne: Harald B. 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