{"id":3774,"date":"2012-04-02T14:43:56","date_gmt":"2012-04-02T13:43:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3774"},"modified":"2012-04-07T14:46:16","modified_gmt":"2012-04-07T13:46:16","slug":"tristan-und-isolde-wurzburg-mainfranken-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3774","title":{"rendered":"TRISTAN UND ISOLDE &#8211; W\u00fcrzburg, Mainfranken Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883) Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. Juni 1865 M\u00fcnchen, Kgl. Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Hermann Schneider, B\u00fchne und Videos: Falko Herold<\/p>\n<p>Dirigent: Enrico Calesso, Philharmonisches Orchester, Chor und Extrachor des Mainfranken Theaters W\u00fcrzburg, Einstudierung: Markus Popp<\/p>\n<p>Solisten: Anja Eichhorn (Isolde), Paul McNamara (Tristan), Joachim Goltz (Kurwenal), Johann F. Kirsten (K\u00f6nig Marke), Karen Leiber (Brang\u00e4ne), Kenneth Beal (Melot), Joshua Whitener (Hirt\/Junger Seeman), Hyeong-Joon Ha (Steuermann)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. M\u00e4rz 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Wuerzburg-Tristan.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3775\" title=\"Wuerzburg-Tristan\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Wuerzburg-Tristan.gif\" alt=\"\" width=\"349\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Wuerzburg-Tristan.gif 349w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Wuerzburg-Tristan-150x150.gif 150w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Wuerzburg-Tristan-299x300.gif 299w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritter Tristan f\u00fchrt die irische Prinzessin Isolde, deren Verlobten Morold er einst im Zweikampf get\u00f6tet hat, seinem Onkel K\u00f6nig Marke von Kornwall als Braut zu. Auf der \u00dcberfahrt nach England verlangt Isolde S\u00fchne f\u00fcr Morolds Tod. Sie fordert Tristan auf, gemeinsam mit ihr Gift zu trinken. Brang\u00e4ne hat jedoch das Gift heimlich gegen einen Liebestrank ausgetauscht. So entbrennen Tristan und Isolde in heftiger Leidenschaft f\u00fcreinander. Isolde heiratet zwar K\u00f6nig Marke, trifft sich aber mit Tristan. Melot verr\u00e4t die Liebenden, k\u00e4mpft mit Tristan und verwundet ihn schwer. W\u00e4hrend Isolde zur\u00fcckbleibt, bringt Kurwenal Tristan nach Kornwall. Isolde eilt ihnen nach, Tristan stirbt jedoch im Moment ihrer Ankunft. Als letzte Konsequenz ihrer Liebe folgt Isolde ihm in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Einen depressiven, d\u00fcsteren und grauen Eindruck vermittelt das Einheitsb\u00fchnenbild. Es besteht aus zwei seitlichen Rampen, die sich \u00f6ffnen k\u00f6nnen und entweder grau sind oder sich durch eine Drehung in eine Spiegelfl\u00e4che verwandeln k\u00f6nnen. Den Hintergrund bildet eine Glaswand, die entweder eine undurchsichtige Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Videos ist oder je nach Beleuchtung transparent oder zu einer Spiegelwand wird. Das eindrucksvollste Bild ist das Finale, wenn scheinbar hunderte Gl\u00fchbirnen sich widerspiegelnd den Liebestod untermalen. Die Kost\u00fcme entstammen einer Zwischenwelt zwischen jetzt und unbestimmt, zwischen lebend, siechend, untot und tot. Tristan erinnert an einen gefallenen Soldaten, Kurwenal an einen gest\u00fcrzten Superheld, K\u00f6nig Marke an den geblendeten K\u00f6nig Lear mit Pappkrone, der junge Seemann ist Gandalf, der die Toten wieder zum Leben erweckt, Melot tr\u00e4gt einen schwarzen Trainingsanzug, Brang\u00e4ne ist eine gealterte Pipi Langstrumpf, nur Isolde scheint jetzt noch zu leben: Das schmutzig-wei\u00dfe Brautkleid ist nur zum \u00dcberstreifen \u00fcber das kleine Schwarze.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es ist der Abend der <strong>Anja Eichhorn<\/strong>, denn mit ihrer jugendlich klaren Stimme, die sowohl ein sehr transparentes pianissimo erm\u00f6glicht, aber auch im Forte noch ausdrucksstark tr\u00e4gt, gelingt es ihr eine Isolde zu zeichnen, die keinerlei W\u00fcnsche offen l\u00e4\u00dft. <strong>Paul McNamara<\/strong> gab schon mehrfach in W\u00fcrzburg den gestandenen grundsoliden Wagner-(Helden)-Tenor. In den entscheidenden Momenten, in der Darstellung der Emotionen Tristans, zeigt er tenorale Pr\u00e4senz, mu\u00df aber sp\u00e4testens am Schlu\u00df seine Kr\u00e4fte schonen, wirkt dann fragil und zart. <strong>Karen Leiber<\/strong> (Brang\u00e4ne) ist etwas ungew\u00f6hnlich besetzt, denn ihr dramatischer Sopran verf\u00fcgt \u00fcber saubere, klaren H\u00f6hen, viel Kraft, aber auch viel Ausdruck \u2013 auch wenn sie manchmal etwas tremolierte: Da besteht stimmliche \u00c4hnlichkeit mit Isolde. <strong>Joachim Goltz<\/strong> verf\u00fcgt \u00fcber viel baritonale Wucht und heldischem Glanz bei schlanker Stimmf\u00fchrung \u2013 und ist so ein beeindruckend textverst\u00e4ndlicher Kurwenal. <strong>Johann F. Kirsten<\/strong> verleiht dem depressiven K\u00f6nig Marke seine beachtliche Stimme und kann den seelischen Abgr\u00fcnden, seiner Resignation die Stimme leihen. Zu loben ist auch die Besetzung der kleinen Rollen wie der lyrische Tenor des <strong>Kenneth Beal<\/strong> als Melot oder der mystischen Rolle des <strong>Joshua Whitener<\/strong> in der Doppelrolle als Seemann und Hirt. Eine wahrlich mitrei\u00dfende Interpretation erzielt <strong>Enrico Calesso<\/strong> mit dem au\u00dferordentlich gut vorbereiteten Philharmonischen Orchester W\u00fcrzburg. Die Trag\u00f6die nimmt bereits mit dem Vorspiel seinen Lauf, die Unendlichkeit der Sterne als Videoprojektion unterst\u00fctzt die depressive liebeskranke Grundstimmung. Beispielhaft wie Calesso durch blitzschnelle Tempo\u00e4nderungen Spannungswelten aufbaut, die im Fortissimo Ihren H\u00f6hepunkt finden und im Pianissimo mitleidheischend verklingen. Die Aktschl\u00fcsse haben so eine gro\u00dfe dramatische Wirkung, das gro\u00dfe Liebestod-Finale Isoldes ist eine einzige ekstatische Raserei &#8211; musikalisch zum Niederknien, denn sie geht quasi ein in die Unendlichkeit der Sterne.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Margot M\u00fcller hatte gerufen und viele Mitglieder des Richard-Wagner-Verbandes W\u00fcrzburg waren gekommen, um f\u00fcr ein volles Haus zu sorgen. Die Hauptsponsorin der Produktion wollte ein deutliches Zeichen gegen die latent drohende Schlie\u00dfung des Hauses setzen. Das Publikum schlo\u00df sich dem an und feierte die musikalische Seite der Produktion euphorisch, w\u00e4hrend sich Hermann Schneider wenige Buh-Rufe f\u00fcr seine unverst\u00e4ndliche, ber\u00fchrungsfreie \u201eInszenierung der Sterbenden\u201c gefallen lassen mu\u00dfte. Er ist es gewohnt und die d\u00fcster-depressive Grundstimmung unterst\u00fctzt die musikalische Wirkung gro\u00dfartig.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Falk von Traubenberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anja Eichhorn (Isolde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883) Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. Juni 1865 M\u00fcnchen, Kgl. 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