{"id":3768,"date":"2012-04-07T10:53:56","date_gmt":"2012-04-07T09:53:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3768"},"modified":"2012-06-12T19:02:33","modified_gmt":"2012-06-12T18:02:33","slug":"la-muette-de-portici-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3768","title":{"rendered":"LA MUETTE DE PORTICI &#8211; DIE STUMME VON PORTICI &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<p>von Daniel-Fran\u00e7ois-Esprit Auber (1782-1871), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe und Germain Dalavigne, UA: 29. Februar 1828 Paris, Salle de la rue Le Peletier)<\/p>\n<p>Dirigent: Patrick Davin, Orchester und Chor des Th\u00e9\u00e2tre Royal de la Monnaie, Br\u00fcssel<\/p>\n<p>Regie: Emma Dante, B\u00fchne\/Kost\u00fcme:<strong> <\/strong>Carmine Maringola (B\u00fchnenbild) und Vanessa Sannin, Licht: Dominique Brugui\u00e8re, Choreographie: Sandro Maria Campagna<\/p>\n<p>Solisten: Elena Borgogni (Fenella), Maxim Mironov (Alphonse), \u00c9glise Guti\u00e8rrez (Elvire), Michael Spyres (Masaniello), Laurent Alvaro (Pietro) u.a.,<strong> <\/strong>eine Schauspielertruppe<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. April 2012 (Premiere)<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Paris-La-Muette-Portici.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3769\" title=\"Paris-La-Muette-Portici\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Paris-La-Muette-Portici.gif\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Paris-La-Muette-Portici.gif 235w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Paris-La-Muette-Portici-201x300.gif 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Alphone, der die stumme Fenella verf\u00fchrt hatte, heiratet nun die spanische Prinzessin Elvire. Beim Hochzeitszug fleht Fenella Elvire um Schutz an und erz\u00e4hlt ihr mit Gesten ihr Schicksal. Elvire ist schockiert, als sie erf\u00e4hrt, wer der Verf\u00fchrer ist. Fenella flieht zu ihrem Bruder Masaniello, dem Anf\u00fchrer der Aufst\u00e4ndischen. Masaniello und Pietro schw\u00f6ren als Rache den Sturz der spanischen Herrschaft herbeizuf\u00fchren. Alphonse gelingt es Elvira zu vers\u00f6hnen. Masaniello bedauert, da\u00df sein Aufstand in Gewalttaten und sinnloser Zerst\u00f6rung ausartet. Elvira und Alphonse, von den Rebellen verfolgt, finden bei Fenella und Masaniello Zuflucht. Von Fenella \u00fcberzeugt, zwingt Masaniello Pietro, das Gesetz der Gastfreundschaft zu respektieren und l\u00e4\u00dft die Fl\u00fcchtenden entkommen. Das Volk erhebt Masaniello zum K\u00f6nig. Doch Pietro fl\u00f6\u00dft ihm Gift ein, weil er ihn f\u00fcr den neuen Tyrannen h\u00e4lt. Ein spanisches Entsatzheer n\u00e4hert sich. Das Volk ruft den halluzinierenden Masaniello um Hilfe an. Er erwacht aus seinem Delirium und f\u00fchrt sie erneut in den Kampf. Doch als er Elvire vor dem Tode rettet, wird er von den eigenen Leuten ermordet. Fenella gibt sich den Tod. Der Vesuv bricht aus. Das Volk glaubt an eine Strafe Gottes und bittet um Vergebung.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein minimalistisches B\u00fchnenbild, haupts\u00e4chlich aus beweglichen T\u00fcren bestehend, die man verschieben, drehen oder verschwinden lassen kann und die rot tapeziert mit Kronleuchter den K\u00f6nigspalast, in einfacher Form mit einsamer Gl\u00fchbirne eine Fischerh\u00fctte oder eine Strassenfassade darstellen. F\u00fcr die Szenen am Meer im Wind wehende leichte Vorh\u00e4nge. Das \u201eVolk\u201c in schlichter Volkstracht um 1800. Masaniello in der Wahnsinnsszene als Dickwanst mit nacktem Oberk\u00f6rper. Die steife Hofgesellschaft, \u00fcbertrieben geschminkt und gepudert, in stilisierten Rokokokost\u00fcmen. Die Reifr\u00f6cke der Damen, vorne offen, geben den\u00a0 Blick auf bunte Strumpfhosen frei. Vier lebensgrosse Puppen auf Rollsockeln tanzen mit den Soldaten. Prinz und Prinzessin in hellblauer Seide, wie aus einem Kitschm\u00e4rchenfilm. Die Soldaten, hingegen, in schwarzgrauen, engen Uniformen, Kopfhauben und Brustpanzern wie aus einem Utopiafilm.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Hauptfigur der Oper, Fenella, ist stumm. Doch <strong>Elena Borgogni<\/strong> in einfachem Kleid mit langer roter Stola wiegt diesen Mangel auf durch eine bilderreiche Choreographie aus modernem Ausdruckstanz, Pantomime und Schauspielgestik und bleibt damit Mittelpunkt der Handlung. Zwischen der Wildheit eines in die Enge getriebenen Tieres \u2013sich manchmal wie ein Primat auf allen Vieren fortbewegend \u2013 und fragiler Weiblichkeit bringt sie glaubhaft Leid, Verzweiflung, Eifersucht, Liebe und Z\u00e4rtlickeit zum Ausdruck. Maxim Mironovs singt die etwas farblose Rolle des Alphonse. Seine helle, wohltimbrierte Stimme erfreut gleich am Anfang der Oper in<em> Ah! Ces cris d\u2019all\u00e9gresse. <\/em>Im<em> <\/em>Gegensatz dazu verk\u00f6rpert <strong>Michael Spyres<\/strong> als Masaniello die Urkraft des Volkes. Er spielt (besonders in der Wahnsinnsszene) und singt mit kr\u00e4ftigem und klangvollem Tenor erfrischend die Barkarole <em>Amis, la matin\u00e9e est belle <\/em>(2. Akt<em>) <\/em>im Wechselgesang mit dem Chor, und sehr bewegend das <em>pianissimo<\/em> Wiegenlied f\u00fcr Fenella <em>Ferme les yeux la fatigue t\u2019accable <\/em>(4. Akt). <strong>\u00c9glise Guti\u00e9rrez<\/strong> (Elvire), deren voller, tiefer Sopran in der Hochzeitsarie <em>Plaisirs du rang supr\u00eame <\/em>(1. Akt)<em> <\/em>\u00fcberzeugt, meistert leider nur mangelhaft die H\u00f6hen in der sch\u00f6nen lyrischen Arie <em>Vous, nous trahir! <\/em>(4. Akt). <strong>Laurent Alvaros<\/strong>\u2019 etwas raue, tiefe und kraftvolle Baritonstimme macht ihn zu einem idealen Pietro, besonders mitrei\u00dfend im feurigen patriotischen Gesang <em>L\u2019amour sacr\u00e9 de la patrie <\/em>(2. Akt)<em> <\/em>im Duett mit Masaniello. Die \u00fcbrigen Solisten unterst\u00fctzen erfolgreich das Ensemble. Der volle kr\u00e4ftige Chor spielt eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p><strong>Patrick Davin<\/strong> dirigiert die zwischen Hochdramatik, Lyrik und volksliedhaften Motiven st\u00e4ndig wechselnde, hinrei\u00dfende Partitur schwungvoll und pr\u00e4zise.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die <em>Stumme von Portici<\/em>, diese seit \u00fcber 100 Jahren in Deutschland wie in Frankreich vernachl\u00e4ssigte Oper, hatte in 19. Jahrhundert einen nachhaltigen Erfolg. Sie wurde in Frankreich der entscheidene Wendepunkt von der noch von Gluck und der sp\u00e4teren Klassik beeinflussten h\u00f6fischen Oper eines G\u00e9try oder Boieldieu zur b\u00fcrgerlichen <em>Grand Op\u00e9ra<\/em> der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Schon der junge Richard Wagner lie\u00df sich von diesem neuen Operntypus beeindrucken: <em>Es mu\u00df etwas Besonderes, fast D\u00e4monisches im Spiele sein&#8230;Hier war eine gro\u00dfe Oper!<\/em> Dar\u00fcber hinaus, hat sie durch ihren revolution\u00e4ren Inhalt, nach der Auff\u00fchrung in Br\u00fcssel 1830 mitgeholfen, den Aufstand auszul\u00f6sen, der zur Gr\u00fcndung des K\u00f6nigreichs Belgien f\u00fchrte. Auch in der heutigen Welt scheint sie mehr denn je aktuell. Die Op\u00e9ra Comique hat dieses einzigartige Werk in einer sehr sch\u00f6nen Wiedergabe noch einmal zum Leben erweckt, was vom Premierenpublikum mit viel Beifall bedacht wurde.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bild: DR E. Carecchio<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Fenella-Elena Borgogni (Portici)<\/p>\n<p>Amis, la matin\u00e9e est belle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Daniel-Fran\u00e7ois-Esprit Auber (1782-1871), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe und Germain Dalavigne, UA: 29. 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