{"id":3758,"date":"2012-04-01T20:18:44","date_gmt":"2012-04-01T19:18:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3758"},"modified":"2012-04-02T13:46:09","modified_gmt":"2012-04-02T12:46:09","slug":"lulu-berlin-staatsoper-im-schillertheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3758","title":{"rendered":"LULU &#8211; Berlin, Staatsoper im Schillertheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885\u20131935), Oper in drei Akten, Libretto nach Frank Wedekinds <em>Erdgeist <\/em>und <em>Die B\u00fcchse der Pandora<\/em>, UA: 1937 Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Regie: Andrea Breth, B\u00fchne: Erich Wonder, Kost\u00fcme: Moidele Bickel, Dramaturgie: Jens Schroth, Licht: Olaf Freese<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Mojca Erdmann (Lulu), Deborah Polaski (Gr\u00e4fin Geschwitz), Stephan R\u00fcgamer (Maler\/Neger), Michael Volle (Dr. Sch\u00f6n\/Jack the Ripper), Thomas Pifka (Alwa), Georg Nigl (Athlet), J\u00fcrgen Linn (Schigolch), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. M\u00e4rz 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-Statoper-Lulu.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3759\" title=\"Berlin-Statoper-Lulu\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-Statoper-Lulu.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-Statoper-Lulu.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Berlin-Statoper-Lulu-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Lulu, die auch andere Namen wie Mignon, Nelly oder Eva hat, besitzt eine ungeheure Anziehungskraft auf M\u00e4nner wie Frauen, die von ihren Beziehungen zu ihr stets ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt werden. W\u00e4hrend sie sich von dem Maler portraitieren l\u00e4\u00dft, gesteht dieser ihr seine Liebe. Als ihr Mann, der Medizinalrat, die beiden erwischt, trifft ihn der Schlag. Lulu heiratet den Maler, der sich umbringt, als er erf\u00e4hrt, da\u00df sie eine langj\u00e4hrige Beziehung mit Doktor Sch\u00f6n hat. Der versucht sich vergeblich ihren Reizen zu entziehen, mu\u00df aber ihrer Forderung nachgeben, ihn zu heiraten. Auch Alwa, Doktor Sch\u00f6ns Sohn, ist Lulu verfallen. Nachdem sie Doktor Sch\u00f6n erschossen hat, wird sie ins Gef\u00e4ngnis gebracht, aus dem sie die Gr\u00e4fin Geschwitz, die ihr ebenfalls zugetan ist, befreit. Lulu ist gezwungen, mit ihr, Alwa und anderen Kumpanen ein Leben im Untergrund zu f\u00fchren und endet als Prostituierte in London, die von Jack the Ripper ermordet wird.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Bergs unvollendete Oper ist f\u00fcr diese Inszenierung leicht gek\u00fcrzt worden \u2013 n\u00e4mlich um den Prolog und das erste Bild des dritten Akts \u2013 sowie mit einer von David Robert Coleman neu geschriebenen Musik f\u00fcr den dritten Akt versehen, bei denen er auf Bergs hinterlassene Skizzen zur\u00fcckgegriffen hat. Auch innerhalb der von Berg komponierten Szenen kommen Striche vor. Das B\u00fchnenbild bleibt \u00fcber die gesamte Inszenierung hinweg dasselbe. Man blickt in eine verlassene Fabrikhalle, auf der linken Seite sind Schrottautos aufeinander geh\u00e4uft. Die Personenregie entfernt sich sehr weit vom Libretto. Vor allem im ersten Akt findet kaum Interaktion zwischen den Solisten statt. Die Darsteller bleiben oft in starren Posen stehen oder liegen. Anstelle dessen sind in allen drei Akten zus\u00e4tzliche stumme Figuren auf der B\u00fchne zu sehen, die Handlungen ausf\u00fchren, die mehr oder weniger mit Wedekinds Dramen in Beziehung zu setzen sind. Lulu hat beispielsweise zwei \u00e4ltere Doubles, die unter anderem mehrfach von Jack the Ripper ermordet und mit einer Schubkarre \u00fcber die B\u00fchne geschoben werden. Am Ende der Oper \u00fcbergie\u00dft er Lulu mit Benzin und z\u00fcndet sie an.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Staatskapelle unter Daniel Barenboim kehrt die wohlklingende Seite von Bergs Musik hervor. Mit bestechender Treffsicherheit changieren die unterschiedlichen Klangmischungen der originalen Partitur, auch diejenigen, in denen die Musik verzerrt oder unrein klingen soll. Die von Coleman geschriebene Musik im dritten Akt hebt sich zwar nicht klanglich, aber doch durch ihre geringere Komplexit\u00e4t von den vollendeten Teilen ab. Die s\u00e4ngerischen Leistungen waren an diesem Abend etwas heterogen. <strong>Mojca Erdmanns<\/strong> B\u00fchnenpr\u00e4senz ist wie geschaffen f\u00fcr die Titelrolle. Mit Naivit\u00e4t, Attraktivit\u00e4t und gro\u00dfer K\u00e4lte verk\u00f6rpert sie diese Figur mit all ihrer R\u00e4tselhaftigkeit. Ihre Stimme ist eher ein jugendlicher als ein dramatischer Sopran, die hohen und h\u00f6chsten T\u00f6ne singt sie fast im reinen Kopfregister, was aber ansprechend wirkt. Ihre Sprech- und Melodrampassagen waren gut zu verstehen. Ihr gegen\u00fcber wirkt <strong>Deborah Polaskis<\/strong> (Gr\u00e4fin Geschwitz) Stimme deutlich reifer, zeichnet sich aber leider auch durch ein mittlerweile zu stark gewordenes Vibrato aus. Die m\u00e4nnlichen Partien wurden musikalisch durchweg ordentlich gestaltet. Das galt insbesondere f\u00fcr <strong>Michael Volles<\/strong> Interpretation des Dr. Sch\u00f6n und <strong>Thomas Pifkes<\/strong> (Alwa), die klanglich souver\u00e4n waren. <strong>Georg Nigl<\/strong> (Athlet) sang bzw. sprach seinen Text ein wenig undeutlich, und seine Stimme hat ein enges und recht schnelles Vibrato.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die musikalischen Leistungen fanden zu Recht gro\u00dfen Anklang beim Publikum. Die Inszenierung sorgte hingegen f\u00fcr Irritation, was vielleicht weniger daran lag, da\u00df brutale und erniedrigende Handlungen auf der B\u00fchne zu sehen waren \u2013 die finden sich ja im Libretto \u2013, sondern da\u00df die Regisseurin ihre Personenregie derart abstrakt gestaltete. Die vielen kleinen pantomimischen Handlungen wurden anscheinend nur von wenigen verstanden, und die eher statische bzw. stark stereotypisierte Personenf\u00fchrung der Solisten setzt eine genaue Textkenntnis voraus, um die Kommentare der Regie \u00fcberhaupt als solche zu erkennen. Neben kr\u00e4ftigen Buhs und einigen Bravorufen f\u00fcr die Regie war bemerkenswert, da\u00df ein Teil des Publikums ohne jede \u00c4u\u00dferung von Beifall oder Mi\u00dffallen ging oder sitzen blieb. Was bleibt, ist ein eher zwiesp\u00e4ltiger Gesamteindruck.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Mojca Erdmann (Lulu), Georg Nigl (Ein Athlet), Liane O\u00dfwald (Doppelg\u00e4ngerin), J\u00fcrgen Linn (Schigolch)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885\u20131935), Oper in drei Akten, Libretto nach Frank Wedekinds Erdgeist und Die B\u00fcchse der Pandora, UA: 1937 Z\u00fcrich Regie: Andrea Breth, B\u00fchne: Erich Wonder, Kost\u00fcme: Moidele Bickel, Dramaturgie: Jens Schroth, Licht: Olaf Freese Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3758\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155,1],"tags":[],"class_list":["post-3758","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-staatsoper-im-schillertheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3758"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3758\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3762,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3758\/revisions\/3762"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}