{"id":3698,"date":"2012-03-12T12:38:35","date_gmt":"2012-03-12T11:38:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3698"},"modified":"2012-03-19T21:13:27","modified_gmt":"2012-03-19T20:13:27","slug":"boris-godunow-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3698","title":{"rendered":"BORIS GODUNOW &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Modest Mussorgsky (1839-1881), Oper in vier Akten und einem Prolog, Libretto: Modest Mussorgsky nach Alexander Puschkin und Nikolaj Karamsin, UA: 16. Februar 1874 Petersburg, Mariinski-Theater (Man spielte die Urfassung von 1869)<\/p>\n<p>Regie: Johannes Reitmeier\/Urs H\u00e4berli, B\u00fchne: Rudolf Rischer, Kost\u00fcme: Barbara Schwarzenberger, Dramaturgie: Thomas Schmidt-Ehrenberg<\/p>\n<p>Dirigent: Arn Goerke, Hofer Symphoniker, Opernchor, Extrachor, Kinderchor Theater Hof, Einstudierung: Michel Roberge<\/p>\n<p>Solisten: Wieland Satter (<em>Boris Godunow), <\/em>Ingrid Katzengruber (Feodor), Inga Lisa Lehr (Xenia), Stefanie Rhaue (Xenias Amme \/ Schankwirtin), Andrew Zimmerman (F\u00fcrst Wassili Iwanowitsch Schuiskij), Thilo Andersson (Andrej Schtschelkalow), Karsten Schr\u00f6ter (Pimen), Paulo Ferreira (Grigorij Otrepjew), Thomas Rettensteiner (Warlaam), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. M\u00e4rz 2012 (Premiere, in deutscher Sprache, \u00dcbersetzung: Max Hube)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Hof-Boris.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3699\" title=\"Hof-Boris\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Hof-Boris.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Hof-Boris.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Hof-Boris-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Boris Godunow ist gerade zum Zaren gekr\u00f6nt worden, doch steht bereits der Beginn seiner Amtszeit unter einem d\u00fcsteren Stern: Um an die Macht zu gelangen, t\u00f6tete der Bojar den eigentlichen Zarewitsch, das Kind Dimitrij, f\u00fchlt sich aber nun von dessen Geist verfolgt. Der M\u00f6nch Grigorij erf\u00e4hrt durch seinen Zellennachbar Pimen, der eine Chronik Ru\u00dflands schreibt, von diesem Vorfall und beschlie\u00dft, in die Rolle des toten Zarensohns zu schl\u00fcpfen. Er flieht nach Polen, um von dort den Kreml zu erobern. Boris verf\u00e4llt aus Angst vor dem Usurpator dem Wahn und stirbt, nachdem er die Zarenkrone an seinen Sohn \u00fcbergeben hat.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild zeigt einen zu einem imagin\u00e4ren Fluchtpunkt zulaufenden Raum, der durch kleine Ver\u00e4nderungen in die verschiedenen Kulissen verwandelt werden kann: Die T\u00fcrfluchten zu beiden Seiten sind variierbar, von oben gibt es absenkbare Deckenbalken und die R\u00fcckseite wird durch ein hochziehbares Tor begrenzt, das wahlweise auch als Videoprojektionsfl\u00e4che dienen kann. Die Umbauten zwischen den einzelnen Bildern finden hinter einer rot-orangenen, halbhohen Bretterwand statt und dauern manchmal etwas lang. W\u00e4hrend der Introduktion wird die Vorgeschichte des kleinen Zarewitschs erz\u00e4hlt, der im Verlauf des Abends immer wieder als Geist, nur f\u00fcr Boris sichtbar, auf der B\u00fchne erscheint. Die Kost\u00fcme sind den historischen Gew\u00e4ndern der Zarenzeit nachempfunden. Die des Volkes sind \u00fcberwiegend in dunklen Graut\u00f6nen gehalten, der Zar und sein Sohn tragen Goldstoffe und die Tochter Xenia ein opulentes wei\u00dfes Kleid mit Kopfschmuck.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit w\u00fcrdevoller Autorit\u00e4t und solider Technik verk\u00f6rpert der Ba\u00dfbariton <strong>Wieland Satter<\/strong> die Titelpartie. Zu Beginn forciert er noch etwas, doch im Verlauf des Abends kann er sich frei singen. Satter gestaltet die Partie artikulatorisch und deklamatorisch differenziert mit einem oftmals innigen Ausdruck. Besonders der Monolog im f\u00fcnften Bild gelingt ihm spannungsreich mit markigem Klang und empathischer Intensit\u00e4t. Insgesamt kann er die vielschichtige Pers\u00f6nlichkeit des Boris packend verk\u00f6rpern. <strong>Ingrid Katzengruber<\/strong> (Feodor) hat einen leichten, jugendlichen Sopran mit sauberem und nat\u00fcrlichem Ton und stellt die traurige Entwicklung der Rolle mit frischem Elan eindringlich dar. Der portugiesische Tenor <strong>Paulo Ferreira <\/strong>legt die Partie des Grigorij Otrepjew eher lyrisch an und pr\u00e4sentiert sich intonationssicher, bisweilen expressiv. <strong>Karsten Schr\u00f6ter<\/strong> (Pimen) besitzt eine der klangvollsten Stimmen des Abends. Mit seinem sonoren Ba\u00df in tonlicher F\u00fclle gestaltet er die Partie des weisen M\u00f6nchs, dem er durch seine grau-dunkle Stimmfarbe das richtige Alter verleiht. Eine gute Leistung bietet auch <strong>Thomas Rettensteiner<\/strong> (Warlaam). Mit Leidenschaftlichkeit gelingt es ihm, die Rolle komisch anzulegen. <strong>Stefanie Rhaue<\/strong> als Wirtin f\u00e4llt besonders durch ihr intensives, derb-komisches Spiel auf, dem sie ihren musikalischen Vortrag unterordnet, was jedoch durchaus positiv zu werten ist. Dar\u00fcber hinaus gelingt es ihr gegens\u00e4tzlich hierzu ihrer zweiten Partie als Amme einen zur\u00fcckhaltenden und sorgenden Charakter zu verleihen. <strong>Inga Lisa Lehr<\/strong> (Xenia) findet sich hier in einer f\u00fcr sie eher ungeeigneten Partie wieder, da ihre Stimme mit dem Klangvolumen des Orchesters k\u00e4mpft. Dies versucht sie mit einem kr\u00e4ftigen Vibrato zu kompensieren, was ihren Vortrag jedoch unsch\u00f6n macht. Der Glanzpunkt des Abends ist schlie\u00dflich der von <strong>Michel Roberge<\/strong> ausgezeichnet vorbereitete <strong>Chor<\/strong>. Der Klang ist ausgewogen und die Eins\u00e4tze kommen stets sehr pr\u00e4zise. Unter <strong>Arn Goerkes <\/strong>Leitung l\u00e4\u00dft sich das Orchester mit vollem Klang und geradezu russischer Seele h\u00f6ren, \u00fcberdeckt jedoch nicht dabei die S\u00e4nger.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Regieteam erz\u00e4hlt die Geschichte um den Zaren mit sorgf\u00e4ltiger Personenf\u00fchrung und verzichtet auf eine zu opulente Ausstattung. Mit m\u00e4\u00dfigem Applaus belohnt das Hofer Premierenpublikum die solide ausgearbeitete, aber eher unspektakul\u00e4re Vorstellung. Ein <em>Boris Godunow<\/em> f\u00fcr all diejenigen, die das Werk einmal in seiner Urfassung unvoreingenommen kennenlernen wollen.<\/p>\n<p>Laura Knoll<\/p>\n<p>Bild: SFF-Fotodesign<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Inga Lisa Lehr (Xenia), Wieland Satter (Boris Godunow), Ingrid Katzengruber (Feodor), v.l.n.r. Opernchor, hinten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Modest Mussorgsky (1839-1881), Oper in vier Akten und einem Prolog, Libretto: Modest Mussorgsky nach Alexander Puschkin und Nikolaj Karamsin, UA: 16. 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